1000. Bundesligaspiel

Hertha setzt gegen den Meister auf Geheimhaltung

Zum ihrem 1000. Bundesligaspiel erwartet die Berliner Hertha am Sonnabend ausgerechnet den Meister und Tabellenführer Borussia Dortmund. Die Berliner sind klarer Außenseiter – und trainieren seit Mittwoch nur noch geheim.

Foto: dpa / dpa/DPA

Es ist angerichtet. Das Olympiastadion wird mit 74.244 Plätzen erstmals in dieser Saison ausverkauft sein. Zum Jubiläumsspiel kommt das Beste, was der deutsche Fußball derzeit zu bieten hat: der Deutsche Meister und aktuelle Tabellenführer Borussia Dortmund. Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball wird für die Deutsche Fußball-Liga (DFL) eine Ehrenurkunde zum Jubiläum überreichen. 49 Jahre nach der Premiere im August 1963 bestreitet Hertha BSC sein 1000. Bundesligaspiel. Dafür gibt es ein gerahmtes Din-A-3-großes Zertifikat mit dem Hertha-Emblem sowie dem der DFL. Sowie ein Programmheft im Retro-Look mit dem Titelbild vom Stadionmagazin des ersten Spieltags der Saison 1963/64.

Nur, nach Feiern ist bei Hertha BSC niemandem zumute. Nach zehn Spielen ohne Sieg stecken die Gastgeber mitten im Abstiegskampf. Der Heimfluch hält auch in dieser Saison an, der letzte Sieg im Olympiastadion datiert vom 1. Oktober 2011, einem 3:0 gegen den 1. FC Köln.

Preetz auf Trainer-Suche

Zudem ist Hertha-Manager Michael Preetz auf Trainer-Suche. Das 0:5-Desaster in Stuttgart, die fünfte Niederlage im fünften Spiel unter seiner Leitung, hat Michael Skibbe den Trainer-Posten gekostet. Dabei war er erst im Januar als Nachfolger des kurz vor Weihnachten entlassenen Markus Babbel vorgestellt worden. Derzeit arbeiten Manager Preetz und Präsident Werner Gegenbauer mit Hochdruck daran, den dann dritten Cheftrainer dieser Saison zu finden.

Zum Festtag gegen Dortmund sitzt bei Hertha Interimscoach Rene Tretschok auf der Bank. Und sagt: „Das mit dem Jubiläum wusste ich nicht.“ Auch das nächste Thema ist schnell abgehandelt. Tretschok war als Profi mit dem BVB 1995 und 1996 Deutscher Meister, 1997 Champions-League- und Weltpokal-Sieger. Hat er noch Kontakt dorthin? Tretschok: „Nein.“

Hertha sperrt BVB-Scouts aus

Sein Fokus liegt allein auf der Frage, wie Hertha als krasser Außenseiter die Überraschung gelingen kann. Trotz der Ausfälle der verletzten Stars Mario Götz und Shinji Kagawa bringt Dortmund eine hochkarätige Truppe an den Start: Roman Weidenfeller im Tor, Mats Hummels, Neven Subotic sowie dem Ex-Herthaner Lukasz Piszczek in der Abwehr, Jung-Nationalspieler Sven Bender im Mittelfeld sowie die Torjäger Robert Lewandowski und Lucas Barrios. Die Gäste reisen selbstbewusst an. Seit 15 Runden sind sie in der Liga ungeschlagen und haben seither zwölf Siege eingesammelt.

Immerhin hat Tretschok Meistertrainer Jürgen Klopp das Leben vorab schon mal schwer gemacht, indem er seinen Kader seit Mittwoch ausschließlich im Geheimtraining auf den 22. Spieltag vorbereitete. Der BVB musste seine Scouts unverrichteter Dinge wieder abziehen. „Das ist legitim“ sagte Klopp und gab rundheraus zu: „Ich weiß nicht, wie Hertha taktisch aufstellen wird.“ Was für ihn im Umkehrschluss bedeutet: „Wenig Information über den Gegner heißt 100 Prozent Konzentration auf unser Spiel.“

Die Borussen werden, ungeachtet der Talfahrt von Hertha, nicht dazu neigen, die Hausherren zu unterschätzen. Schließlich gelang dem Aufsteiger in der Hinrunde mit dem 2:1 in Dortmund eine dicke Überraschung. „Wir haben am eigenen Leib erfahren, was Hertha zu leisten im Stande ist und werden uns kämpferisch nicht überraschen lassen“, sagte Klopp.

Bei Hertha muss der Aushilfscoach Probleme lösen, die er geerbt hat. Mit Fabian Lustenberger (schwere Fußprellung) und Andreas Ottl (Rot-gesperrt) fallen zwei Stammkräfte im defensiven Mittelfeld aus. Die Sicherheitsvariante für Tretschok wäre neben dem gesetzten Peter Niemeyer Christoph Janker aufzubieten.

Überraschungscoup mit Morales

Aber auch eine Überraschungsvariante ist möglich. Während die vorigen Hertha-Trainer immer nur gehört haben, Alfredo Morales (21) sei ein vielseitiger Spieler, wurde der Youngster nur als rechter Verteidiger eingesetzt. Tretschok, eigentlich U 19-Trainer, hat Morales in seiner eigenen Jugendmannschaft gesehen: als Stürmer. Als Spielmacher. In seinen wenigen Bundesliga-Einsätzen hat Morales gezeigt, dass er spielen kann, wie es im Profigeschäft verlangt wird: ballsicher, technisch sauber, beweglich, sachlich. Und mutig. Weshalb die mutige Variante für Tretschok lautet: Janker rechts in der Abwehrkette aufbieten. Raffael aus dem offensiven Mittelfeld in die Doppel-Sechs vor der Abwehr zurückziehen. Und Morales in der Offensive aufstellen.

Nach dem Debakel in Stuttgarter hatten 200 Fans am vergangenen Sonntag beim Training vorbeigeschaut, um mit den Spielern den Ernst der Lage zu bereden. Tretschok sagt unmissverständlich, was er erwartet: „Man bekommt im Leben nichts geschenkt. Aber wir freuen uns auf die Aufgabe und hoffen auf ein positives Ergebnis. Unsere Trümpfe sind Leidenschaft und Einsatz. Die Jungs sind heiß, vor 74.000 Zuschauern für Hertha BSC auflaufen zu dürfen.“

Der Trend der vergangenen Monate spricht klar gegen die Berliner und für den Meister. Immerhin macht die Statistik den Gastgebern Mut. Hertha ist der 14. Klub, der seine 1000. Bundesliga-Partie absolviert. Nur zwei Vereine (Köln 1993, die Bayern 1994) verloren ihr Jubiläumsspiel. Ansonsten gab es zum Festtag acht Siege und drei Unentschieden.

Was aktuell bei Hertha BSC passiert, erfahrten Sie m Hertha BSC Blog von Morgenpost Online unter www.immerhertha.de. Diskutieren Sie mit!