Trainernachfolge

Preetz muss den Superjoker für Hertha finden

Schuster, Rehhagel, Hyballa: Kandidaten gibt es viele, doch wer kann Hertha wirklich helfen? Wer auch immer der neue Trainer sein wird – wenn es erneut schief geht, wird diese Wahl mit einiger Sicherheit Preetz' letzte in Diensten von Hertha sein.

Foto: picture alliance / augenklick/fi / picture alliance / augenklick/fi/augenklick/firo Sportphoto

Es ist keineswegs so, dass Franz Beckenbauer dem Fußballmanager Michael Preetz das Arbeiten am Sonntagabend wirklich leichter gemacht hat. Da plauderte Beckenbauer also im Fernsehen ganz begeistert darüber, dass der wieder einmal auf Trainersuche befindliche Bundesligist Hertha BSC ja „mit das Attraktivste ist, was man im deutschen Fußball finden kann“. Gefühlt müssten demnach Arbeit suchende Bewerber der Kategorie Ralf Rangnick in Berlin Schlange stehen an der heruntergelassenen Zugangsschranke zum Vereinsgelände. Und beklagt nicht auch Bundestrainer Löw insgeheim eine gewisse Perspektivlosigkeit beim deutschen Nationalteam?

In der Theorie mag Beckenbauer ja richtig liegen: Berlin, die Hauptstadt, ein großes Stadion – doch in der Praxis hat Preetz ein Problem. Eines, an dem er indes zu großen Teilen selbst schuld ist. Zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass Preetz seinen Vorgänger Dieter Hoeneß als Geschäftsführer Sport bei Hertha beerbt hat. Doch wen auch immer er nun für den seit Sonntag vakanten Trainerposten auswählt – der Neue wird die laufende Nummer fünf seiner Amtszeit sein.

Doch wer immer es werden wird – wenn es erneut schief geht, wird diese Wahl mit einiger Sicherheit Preetz' letzte in Diensten von Hertha bleiben. Der Manager, dem es bei seinen diversen Verpflichtungen bislang am rechten Händchen mangelte, muss jetzt den Superjoker ziehen. Nicht so leicht, bei der Auswahl. An Kandidaten mangelt es wahrlich nicht. Die in Berlin lebenden Fußballlehrer Falko Götz, Jürgen Röber und sogar Wolfgang Sidka haben freundlicherweise allesamt mehr oder minder offen Bereitschaft für ein Engagement bekundet. Dann sind da die üblichen Verdächtigen – Thomas Doll und Michael Frontzeck etwa; dazu kommt der gerade in Hoffenheim entlassene Holger Stanislawski. Nach Informationen von Morgenpost Online will der langjährige Coach des FC St. Pauli zunächst allerdings eine längere Auszeit nehmen.

Andere sind bestens ausgeruht und brennen geradezu auf eine neue Herausforderung. Bernd Schuster etwa würde liebend gern auf den deutschen Markt zurückkehren, Berlin würde ihn reizen. Schon komplizierter wäre es, Franco Foda oder Krassimir Balakov von ihren jeweiligen Arbeitgebern loszulösen. Kommt es am Ende gar zum Comeback von „König“ Otto Rehhagel, diesem Kind der Bundesliga, das einst von Hertha aus in die weite Welt des Fußballs loszog?

Topkandidat bei den Berlinern, heißt es, ist aber der Isländer Eyjolfur Sverisson – ein Kumpel, weil ehemaliger Teamkollege von Preetz bei Hertha. Genau hier beginnt Preetz' Problem. Vielleicht bekäme er in Sverisson nicht nur einen fachlich guten Trainer, sondern obendrein auch einen „guten Typen“. So beschreibt Dieter Hoeneß seinen ehemaligen Hertha-Spieler, den er als Manager des VfL Wolfsburg in den Trainerstab geholt hatte. Manko: Als Chef hat Sverisson die Erfahrung von exakt null Bundesligaspielen. Preetz würde eine Verpflichtung von Sverisson zudem als neuerlicher Beleg für Ideenlosigkeit ausgelegt werden. Schon die jeweils in Notsituationen entstandene Akquise der Fußballlehrer Funkel und Skibbe waren als Ausdruck von wenig Branchenkenntnis interpretiert worden. Kreativer wäre da schon der Ex-Aachener Peter Hyballa, der einst als Shootingstar der Branche gehandelt wurde und nun bei RB Salzburg Juniors eine Ausstiegsklausel besitzen soll. So oder so, ein Coup muss her. Rangnick wäre so jemand, doch der hat sofort abgewinkt, urlaubt in Südafrika. Im Idealfall braucht Preetz eine kurzfristig hilfreiche, aber auch langfristig wirksame Lösung – die Wahl des Skibbe-Nachfolgers wird zum Wahrsager über Preetz' Jobsicherheit. Denn der einstige Fanliebling Preetz ist auch intern gehörig unter Druck geraten. Auf einer außerordentlichen Sitzung am Montagnachmittag diskutierte das Präsidium sein Krisenmanagement. Wo Kritikfähigkeit und Handlungsstärke gefragt sind, agiere der Manager zu behutsam, er artikuliere nur Durchhalteparolen und Schönrederei. In Frage stellten mindestens drei Kritiker außerdem die finanziellen Belastungen, die dem Klub durch die ständigen Trainerentlassungen entstehen.

Im Anschluss an diese Sitzung erklärte Präsident Werner Gegenbauer: „Es war eine der Lage sehr angemessene, sachliche und konstruktive Zusammenkunft. Zwischen Präsidium und Geschäftsführung von Hertha BSC passt auch in sportlich schwierigeren Zeiten kein Blatt Papier. Gemeinsam und geschlossen werden wir unser Saisonziel, den Klassenerhalt erreichen. Ich bin dem Gremium sehr dankbar, dass es großes Vertrauen in die bisherige und künftige Arbeit der Geschäftsführer Michael Preetz und Ingo Schiller hat – und dies auch eindeutig zum Ausdruck gebracht hat.“ Nette Worte, deren Allgemeingültigkeit in den kommenden Wochen auf dem Prüfstand steht. Mehr als nette Worte wird Preetz auch bei seiner Trainersuche finden müssen. Doch womit will er werben – mit Berlin, dem Hauptstadtfaktor, einem großen Stadion?

Denn Geld und vorzeigbare Talente hat der Klub eher nicht, und erst recht hat Preetz sich keinen Namen als Freund der Trainer gemacht. Horst Zingraf, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer, attestiert Hertha in aller Deutlichkeit „ein Führungsproblem“. Er sagt: „Man muss auch mal Täler gemeinsam beschreiten, wie es zum Beispiel Bremen oder Augsburg tun. Gerade in der Krise sieht man, wie stark ein Klub ist. Demnach ist Hertha kein starker Klub.“ Es wäre schrecklich für Hertha, wenn es tatsächlich schon so weit wäre. Ein guter Moderator von Mannschaft und Trainer war Preetz zuletzt jedoch wahrlich nicht. Und so taumelt das Team nach zuletzt vier Niederlagen und 1:10 Toren in der Liga zunächst führungslos in das Duell mit dem in der Rückrunde noch unbesiegten Meister Borussia Dortmund. Es ist Herthas 1000. Bundesligaspiel. Die Wahrscheinlichkeit, dass die verbleibenden zwölf Partien bis Saisonende auf Jahre hinaus die letzten des Hauptstadtklubs sind, ist momentan gefährlich hoch.

Was aktuell bei Hertha BSC passiert, erfahrten Sie HIER im Hertha BSC Blog von Morgenpost Online unter www.immerhertha.de. Diskutieren Sie mit!

Randale und Geheimnisse

Fans: Vermutlich aus Frust über das 0:5 in Stuttgart haben angeblich betrunkene Hertha-Fans zwei Abteile eines ICE von Mannheim nach Berlin verwüstet. Laut Bundespolizei liegt der Schaden bei etwa 1900 Euro. Zugbegleiter hatten die Schäden an der Endstation am Berliner Ostbahnhof entdeckt.

Training: Nur am Dienstag um 10 und 15 Uhr wird das Training der Profis für Fans zugänglich sein. Ansonsten soll Geheimtraining stattfinden. Interimscoach Rene Tretschok nennt als Grund: „Wir werden viele taktische Sachen machen.“