Rote Karte

Hertha-Defensivmann Ottl für drei Spiele gesperrt

Im Spiel gegen Stuttgart flog Andreas Ottl nach einem Foul vom Platz - und bleibt dem Rasen auch in den nächsten Wochen fern. Das könnte die Chance für Talent Fanol Perdedaj sein.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Das Problem kennen sie ja nun schon bei Hertha BSC: Kommt ein neuer Trainer, muss er erst einmal auf einen gesperrten Führungsspieler verzichten. Das war beim vor zwei Tagen entlassenen Michael Skibbe zum Start der Rückrunde der Fall, er musste ohne Raffael auskommen. Nun trifft es die Interimstrainer Rene Tretschok und Ante Covic – ihnen wird, genau wie dem gesuchten Nachfolger, Andreas Ottl fehlen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verurteilte Herthas Defensivmann am Montag nach seiner Roten Karte aus dem Spiel beim VfB Stuttgart (0:5) zu einer Pause von ebenfalls drei Spielen. Der Klub hat dem Urteil zugestimmt. „Ich bedauere diese Sache natürlich, leider kann ich sie nicht mehr rückgängig machen“, sagte Ottl, „ich bin mir aber sicher, dass es meine Kollegen auch ohne mich gut machen werden.“ Ottl hatte in der 30. Minute den Stuttgarter Tamas Hajnal von hinten übel gefoult – eine Szene, die im folgenden Trubel mit der Entlassung Skibbes und dem am Tag danach fast in Vergessenheit geriet. Nur Franz Beckenbauer hatte diese Aktion unter die Lupe genommen und derart gewertet, die Mannschaft spiele gegen den Trainer.

Ottls Fehlen wird dagegen weitreichende Konsequenzen haben. Der 26-Jährige hat bisher an allen Spielen der Saison teilgenommen. Und nicht nur das: Weil sein Konkurrent um den Platz im defensiven Mittelfeld, Fabian Lustenberger, wegen einer schweren Fußprellung im Bereich der großen Zehe vorläufig ebenso ausfällt, bleibt aus der angestammten Dreier-Riege einzig Peter Niemeyer übrig.

Raffael kann nach hinten rücken

Es ist die Zuspitzung der ohnehin eklatanten Probleme in der Berliner Defensive. So ist die Rückkehr von Christian Lell (Muskelfaserriss) unwahrscheinlich, sein Heilungsprozess im Oberschenkel soll nicht wie erhofft verlaufen. Er wurde zuletzt durch Youngster Alfredo Morales vertreten – und der zahlte gegen Stuttgart bei drei Gegentoren reichlich Lehrgeld. Innenverteidiger Maik Franz musste die Saison bereits komplett abhaken, nachdem er sich das Kreuzband gerissen hatte. Und selbst der sonst so konstante Levan Kobiashvili ist außer Form. Und das ausgerechnet in einer Woche, da Sonnabend der Deutsche Meister Borussia Dortmund mit seiner kaum zu stoppenden Offensive ins Olympiastadion kommt.

Nun also auch noch Ottl. Die wahrscheinlichste Variante für seine Vertretung ist, Raffael aus der Offensive nach hinten zu beordern. In der vergangenen Zweitligasaison hat der Brasilianer bereits gezeigt, dass er auf der „Sechs“ spielen kann. Er ist, wenn er denn will, zweikampfstark und treibt den Spielaufbau wie sonst kein Herthaner voran. Einzig: Seine Kreativität würde den Berlinern dann weiter vorne fehlen. Im Zentrum müssten ihn dann Kollegen vertreten, die dies schon während seiner Sperre nicht vermochten: Ronny, Tunay Torun, Patrick Ebert oder Änis Ben-Hatira. Vielleicht aber kommt es ja auch ganz anders – und Fanol Perdedaj bekommt seine Chance. Das 20 Jahre alte Talent aus der eigenen Jugend spielte unter Markus Babbel 16-mal in der Zweiten Liga, teils sogar über die volle Spieldauer. In der höchsten Spielklasse allerdings steht für ihn noch kein Einsatz zu Buche, in der aktuellen Spielzeit kam Perdedaj bisher nur in der U23 zum Zuge.

Sollte er jetzt tatsächlich sein Erstligadebüt für Hertha geben, wäre der Klub wieder um eine Geschichte reicher: Vor der turbulenten Winterpause hatten die Verantwortlichen vor, Perdedaj an einen anderen Klub zu verleihen, womöglich in die Zweite Liga. Ziel: Dem jungen Talent Spielpraxis unter Profibedingungen zu verschaffen. Das Vorhaben zerschlug sich – umso schöner wäre es für Perdedaj, jetzt spielen zu dürfen. Bleibt die Frage, wie groß Tretschoks Mut ist, gegen Dortmund auf einen Neuling zu setzen. Immerhin: Er hat Perdedaj schon in der Jugend betreut.

Was aktuell bei Hertha BSC passiert, erfahrten Sie HIER im Hertha BSC Blog von Morgenpost Online unter www.immerhertha.de. Diskutieren Sie mit!