Hertha BSC

Preetz will auch nach viertem Misserfolg bleiben

Der Hertha-Manager Michael Preetz entlässt mit Michael Skibbe bereits den vierten Trainer. Für viele Fans ist er mittlerweile der Trainerschreck. Trotzdem klebt Preetz an seinem Amt und will dabei sein, wenn die Mannschaft wieder bessere Ergebnisse erzielt.

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Als Michael Preetz im Juni 2009 bei Hertha BSC die Nachfolge von Dieter Hoeneß antrat, da gelobte er, als Geschäftsführer Sport und Kommunikation/Medien gewisse Unsitten des vormals starken Mannes nicht übernehmen zu wollen. Dazu gehörte insbesondere die Manierenlosigkeit, bei Terminen über Gebühr auf sich warten zu lassen. Am Sonntagmittag derweil ging es nicht anders. Der angekündigte Gang vor die Medien verzögerte sich Minute um Minute – dabei müsste Preetz inzwischen doch eine gewisse Routine entwickelt haben in der Abwicklung von Arbeitsverhältnissen mit gerade entlassenen Trainern sowie deren rascher Nachfolge.

Seit zweieinhalb Jahren steht Preetz beim Hauptstadtklub in der Verantwortung, am Tag nach dem 0:5 (0:4) beim VfB Stuttgart hat er mit Michael Skibbe den vierten Trainer in seiner Amtszeit entlassen . Gerade mal 52 Tage währte sein völlig erfolgloses Wirken – selten in der Bundesliga musste ein Trainer noch schneller wieder gehen. Bis ein neuer Übungsleiter für den Berliner Abstiegskandidaten engagiert ist, den Preetz „mit der gebotenen Sorgfalt“ auswählen will, sollen zunächst U19-Trainer Rene Tretschok und U15-Coach Ante Covic das Profiteam betreuen – auch im anstehenden Bundesligaspiel am Sonnabend gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund.

Sehnsucht nach Kontinuität

Seine Sehnsucht nach Kontinuität auch und gerade auf dem Trainerposten hat Preetz häufig artikuliert; allein, sie lässt sich nicht auch bewerkstelligen. „Selbstverständlich“, sagte Preetz, hinterfrage er sich in dieser Angelegenheit auch selbst: „Fakt ist, dass wir vier Trainer hatten und kontinuierlich arbeiten möchten und das bis zum heutigen Tag nicht hinbekommen haben.“ Es war dies das Eingeständnis eines Mannes, der im Zuge der häufigen Rotation auf dem Trainerstuhl selbst massiv in die Kritik geraten ist. Weil der Eindruck entstanden ist, es fehle dem Geschäftsführer Sport am nötigen Händchen bei der Wahl eines jeweils geeigneten Trainers. Im Gegenteil, Hertha ist mal wieder eine bundesweit viel diskutierte Lachnummer. Und Preetz als Architekt dieser Mannschaft und Heuerer und Feuerer ihrer Trainer ist Mitverursacher der Krise.

Auch als Geschäftsführer Kommunikation/Medien hat er wiederholt nicht dem Anforderungsprofil entsprechend agiert. Im Zuge der Trennung von Skibbes Vorgänger Markus Babbel zog sich das öffentlich ausgetragene Hickhack um dessen Zukunft von Anfang November bis sage und schreibe Mitte Dezember hin.

Das schlechte Bild, das Hertha dabei abgab, ist – auch intern wird das so gesehen – zuvorderst Preetz anzulasten. Am Tag der Skibbe-Entlassung war es nun so, dass die Kluboberen die Kontrolle über die Kommunikation der Entscheidungen gar gänzlich aus ihren Händen gaben. Schon als Preetz und der da gerade entlassene Skibbe die Mannschaft kurz nach 9 Uhr von der Entwicklung informierten, geriet diese Verkündung durch Informanten aus dem Kreis der Spieler ungewollt früh in öffentliche Kanäle. Anschließend ging Preetz auf Tauchstation. Angesprochen auf die fünf Niederlagen in fünf Pflichtspielen unter Skibbe erklärte stattdessen Mannschaftskapitän Andre Mijatovic um 11.15 Uhr und in offensichtlicher Unwissenheit dieses Kommunikationsdesasters: „Das Geschäft ist so, dass der Trainer dann geht.“

Erst um 13 Uhr übernahm Preetz wieder die Wortführerschaft. Nach bis dahin vier Misserfolgen hätte ihn „insbesondere die Art und Weise unserer Niederlage in Stuttgart zum Handeln gezwungen“, sagte Preetz. „Es ist meine Verantwortung für Hertha, eine Entwicklung zu korrigieren, wenn ich das Gefühl habe, dass etwas nicht in die richtige Richtung geht. Das habe ich heute Morgen gemacht.“

Schrillendes Alarmsignal

Ein schrillendes Alarmsignal mussten ihm die Anzeichen von Arbeitsverweigerung sein, die die Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit aussandte. Etwa Andreas Ottls Rote Karte wegen groben Foulspiels, die sich als Zeichen von Frust interpretieren lässt. Oder als eine Absage, mit diesem Trainer weiter zusammenarbeiten zu wollen. Denn schon seit zwei Wochen übte die Mannschaft intern regelmäßig Kritik, Skibbe bewirke mit seinem Auftreten das Gegenteil dessen, was beabsichtigt sei. Mit seiner konfrontativen Art, die Mannschaft zurechtzuweisen, polarisierte er, wo an sich doch Geschlossenheit gefragt war.

Mit seinem Rüffel für Ersatzkapitän Christian Lell brachte Skibbe die sogenannte Bayern-Fraktion der aus München geholten Profis gegen sich auf. Die Südamerika-Fraktion um Raffael, Adrian Ramos und Ronny war nicht amüsiert, wie Skibbe den Letztgenannten erst zum großen Heilsbringer für die Dauer von Raffaels Rot-Sperre hochjazzte, nur um denselben Ronny dann nach nur 45 schlechten Minuten zum Rückrundenstart in Nürnberg öffentlich an den Pranger zu stellen. Ähnlich verlief es mit Tunay Torun, was den und auch dessen Kumpels Patrick Ebert und Änis Ben-Hatira verärgerte.

Erfolglosigkeit gepaart mit Gefolglosigkeit – für Preetz die zwei schlagenden Argumente, Skibbes Ablösung zu betreiben. Zumal die Trennung vergleichsweise kostengünstig ausfiel: Trotz Arbeitspapier bis 2014 erhält Skibbe nur wie vertraglich festgelegt 125.000 Euro Abfindung.

Mit der zügigen Entscheidung, „noch mal einen neuen Impuls zu geben, damit wir auch durch diese Maßnahme unser Saisonziel Klassenerhalt erreichen“, hat Preetz sich vorerst den Rückhalt des Präsidenten gesichert. „Maßstab ist, dass Entscheidungen zum Wohl von Hertha BSC getroffen werden. Dazu gehört es auch, Fehler zu korrigieren. Und klipp und klar: Beides tut Michael Preetz, er steht nicht zur Debatte“, sagte Gegenbauer der Morgenpost Online.

Dass der Klubboss in der Krise Ruhe und Übersicht bewahren will, ist verständlich. Doch nicht zu unterschätzen ist, wie dramatisch sich die Wahrnehmung des einstigen Fanlieblings Preetz gewandelt hat. Nicht nur in den Augen vieler Fans ist er zum Buhmann geworden, zum Mitschuldigen an allen Krisen und zum Trainerschreck, der selbst aber beharrlich an seinem Stuhl klebt. Wie lange also kann Gegenbauer noch an Preetz festhalten?

"Zeit, auf den Tisch zu hauen"

Auch intern bröckelt das Denkmal des Hertha-Rekordschützen (84 Bundesliga-Tore). Nach dem Debakel von Stuttgart war Gegenbauer von seinen Präsidiumskollegen telefonisch aufgefordert worden, die Politik der ruhigen Hand zu beenden. „Jetzt ist es an der Zeit, auf den Tisch zu hauen“, forderte ein Präsidialer. Preetz wird neben der verfehlten Auswahl von Trainer Skibbe ein zu behutsames Auftreten nach außen vorgeworfen. Mittwoch, wenn die nächste Präsidiumssitzung stattfindet, soll unter anderem das Krisenmanagement von Preetz thematisiert werden.

An ihn ergeht der Vorwurf, die Entwicklung des Klubs erinnere fatal an jene unter Funkel im Abstiegsjahr, als Preetz zu lange an einem erkennbar erfolglosen Trainer festhielt. Jetzt gingen die permanente Hoffnung auf das nächste Spiel, die Durchhalteparolen und die Schönrederei, die Preetz nach jedem Spiel aufs Neue betrieb, in eine ähnliche Richtung. Dabei sei Kritikfähigkeit und Handlungsstärke gefragt.

Preetz nimmt das Team in die Pflicht

Aber auch reflexartiges Austauschen von Trainern könne und dürfe nicht die Lösung sein. In ungewohnter Offenheit lässt Präsidiumsmitglied Norbert Sauer sich so zitieren: „Wenn man fünf Trainer in zwei Jahren hat, kann man nicht immer nur sagen: Das waren die Trainer. Da müssen wir uns alles selbst an die Nase fassen. Das meint nicht nur den Manager, sondern auch das Präsidium.“ Für den Moment blieb Preetz und dem höchsten Klubgremium aber (mal wieder) keine andere Wahl.

Jetzt, da Skibbe bei Hertha nur eine kurze Episode der Vereinsgeschichte ist, nimmt Preetz das Team in die Pflicht – auch eine solche „eindeutige Aufforderung an die Spieler“ hatte Präsidiumsmitglied Sauer dem Manager zur Pflicht gemacht. Prompt sagte Preetz: „Aktuell spielt der eine oder andere Spieler nicht an seinem Leistungsoptimum. Da müssen wir wieder hinkommen. Wir brauchen wieder Kompaktheit auf dem Platz. Dann werden wir auch wieder Ergebnisse erzielen.“ Preetz selbst will und wird den Prozess weiter entscheidend begleiten – daran lässt er keinen Zweifel. Er trage Verantwortung für den Fehlgriff Skibbe.

Persönliche Konsequenzen schloss er jedoch kategorisch aus: „Ich bin ein Kämpfer und niemand, der wegläuft. Und im Übrigen räumt auch nicht jeder seine Fehler so ein, wie ich sie einräume. Die Fehler sind passiert, aber ich kann die richtigen Lehren daraus ziehen. Das habe ich gemacht.“ Gute Worte. Aber allein Erfolg ist auch bei Hertha der Gradmesser.

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