0:5-Niederlage

Hertha katapultiert sich in Stuttgart ins Abseits

Rote Karte, fünf Gegentore - für Hertha lief es im Spiel gegen Stuttgart alles andere als rund. Die Berliner mussten eine bittere Niederlage einstecken und holen damit im fünften Spiel in Folge keinen Punkt. Für Neu-Trainer Michael Skibbe wird es langsam eng.

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Hertha BSC im freien Fall: Nach einer desolaten Vorstellung unterlagen die Berliner beim VfB Stuttgart mit 0:5 (0:4). Nach ordentlichem Beginn ließen sich die Gäste binnen acht Minuten komplett auseinandernehmen. Vedad Ibisevic (25.), Martin Harnik (28.) und Shinji Okazaki (32.) sorgten für eine schnelle Entscheidung. Erneut Harnik sorgte mit seinem zweiten Treffer in der 41. Minute zum 0:4 noch vor der Pause für klare Verhältnisse. Nach dem Abpfiff diskutierten Kapitän Andre Mijatovic und Mittelfeldspieler Peter Niemeyer mit den 1100 mitgereisten und frustrierten Berliner Fans. Mijatovic redete nicht drumherum: „Das war eine katastrophale Leistung. Von der ersten Minute an haben wir keine Leidenschaft gezeigt. Jeder muss sich an die eigene Nase packen und die nächsten Spiele eine bessere Leistung bringen. Spielen wir so weiter, steigen wir ab!“

Trainer Michael Skibbe hatte noch vor dem Anpfiff betont. „Für die Mannschaft, den Verein und auch für mich ist es extrem wichtig zu punkten.“ Soweit die Theorie. In der Praxis lieferte Hertha nach zuvor vier Niederlagen eine desaströse Leistung ab. So schlecht wie beim 500. Bundesliga-Auswärtsspiel der Klub-Historie haben sich die Berliner selten präsentiert.

Ottl verliert die Nerven

Nichts von dem, was der Trainer seiner Mannschaft auf den Weg gegeben hatte, wurde umgesetzt. Der Hauptstadt-Klub wollte aus einer stabilen Defensive heraus wenig Chance zulassen und seinerseits mit Nadelstichen in der Offensive den VfB ärgern. In dem Abstiegskrimi, auch die Stuttgarter standen unter Druck, dominierten die Gastgeber nach Belieben. Anfänglich hatte Hertha Glück, dass der eine oder andere Stuttgarter Angriff nicht präzise zu Ende gespielt wurde. Nach dem umstrittenen 0:1 jedoch brachen sogleich alle Hertha-Dämme.

Nach einem Freistoß und einer Kopfball-Vorlage drosch Ibisevic mit sehr hohem Bein im Fünf-Meter-Raum den Ball über den herausstürzenden Torwart Thomas Kraft hinweg ins Tor. Hier hätte Schiedsrichter Deniz Aytekin auf ‚gefährliches Spiel' und Freistoß für Hertha entscheiden können. Das tat der Unparteiische aber nicht, sondern zeigte auf den Anstoßpunkt, 0:1 (25.). Nur drei Minuten später leistete sich Andreas Ottl einen leichtfertigen Ballverlust im Mittelfeld, Ibisevic schickte Sturmkollege Martin Harnik, der links unten traf, 0:2.

Ottl dachte sich, nun müsse er als Führungsspieler ein Zeichen setzen. Und sprang an der Mittellinie unmotiviert Tamas Hajnal von hinten in die Beine – Rote Karte (30.). Die Nerven liegen blank. Im dritten Spiel in Folge beendete Hertha eine Partie in Unterzahl: Sebastian Neumann sah Gelb-Rot gegen Hannover, Hubnik Rot im Pokal gegen Gladbach. Ottl sagte: „Es war ein Foul. Ich glaube, man kann Rot geben. Aber es war nicht meine Intention, Hajnal zu verletzten.“

Nun wurde auch kräftig untereinander gemault. Torwart Kraft herrschte seine Vorderleute, etwa Roman Hubnik an. Und hatte wenig erneut Grund dazu. Alfredo Morales wurde vom Stuttgarter Okazaki übersprungen, 0:3 (32.).

Alle Alarmsirenen schrillen

Und der Abwärtsstrudel drehte sich immer schneller. So schauten gleich drei Hertha-Verteidiger interessiert zu, was Harnik bei einer Ballannahme im Hertha-Strafraum wohl machen würde. Der Stuttgarter ließ sich nicht bitten und versenkte den Ball im langen Eck, 0:4 (41.).

Zur Pause erlöste Skibbe Youngster Morales (21), Christoph Janker kam mit einer Carbon-Maske nach seinem Jochbeinbruch. Allein, es änderte sich nichts. Bei Hertha fand kein Offensivspiel statt. Raffael tauchte bei seiner Rückkehr nach einer Rot-Sperre komplett ab. Von Patrick Ebert war nichts zu sehen. Im Sturm stand Pierre-Michel Lasogga auf einsamen Posten.

Die Partie war längst verloren. Hertha Bester, Kraft, hatte nach dem dritten Treffer von Harnik erneut den Ball aus dem Netz holen müssen, 0:5 (58.). „Wir haben die Partie innerhalb von acht Minuten gewonnen“, sagte Ibisevic. „Dass wir so hoch gewinnen, war nicht vorherzusehen.

Spätestens nach dieser Niederlage schrillen alle Alarmsirenen beim Aufsteiger. Wie ist der zweite Abstieg innerhalb von zwei Jahren zu verhindern? Hertha liegt auf Rang 15 und ist seit zehn Bundesliga-Spielen ohne Sieg. Die Mannschaft kassierte im fünften Pflichtspiele unter Skibbe (die Pokalpartie gegen Gladbach/0:2 n.V. mitgezählt) die fünfte Niederlage. Hertha ist als einziges Team in der Rückrunde ohne Torgewinn. Das ist eine Bilanz des Grauens. Auch wenn der ehemalige Nationaltrainer seinen Job in Berlin erst im Januar angetreten hat: Ist Skibbe der Richtige für die Mission Klassenerhalt?

Ottl sagte: „Das war ein rabenschwarzer Tag für die Mannschaft und für mich. Die Vorstellung war desolat. Wir haben uns immer weiter hinten reindrücken lassen.“ Auf die Frage, ob die Mannschaft nun auseinanderbreche, antwortete Ottl: „Die Gefahr ist da. Die Mannschaft ist gefestigt und charakterstark. Das hat sie schon mehrfach bewiesen. Aber jetzt ist es eine sehr schwierige Situation.“

Auch unter Skibbe ist die bekannte Heimschwäche geblieben. Und am kommenden Sonnabend tritt zu Herthas Jubiläum, dem 1000. Bundesligaspiel, Meister und Tabellenführer Borussia Dortmund im Olympiastadion an.

Immer Hertha: Hintergründe finden Sie auch im Hertha BSC Blog von Morgenpost Online unter www.immerhertha.de