Fußball-Bundesliga

Hertha BSC sucht verzweifelt Torschützen

Unter Neu-Trainer Skibbe hat Hertha BSC alle vier Partien verloren. Dabei offenbarten die Berliner Probleme beim Toreschießen: 2012 gelang erst ein Treffer. Um in Stuttgart zu bestehen, müssen sich die Berliner Stürmer steigern.

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Adrian Ramos gehörte zu der Reisegruppe, die an Bord der Boeing 737 war. Ebenso wie Pierre-Michel Lasogga und Raffael. Drei Offensiv-Stars von Hertha BSC auf dem Weg nach Stuttgart. Allerdings liegen die letzten Jubelszenen schon etwas zurück. Mit ihrem neuen Trainer Michael Skibbe hat Hertha in vier Partien die desillusionierende Bilanz von vier Niederlagen eingefahren, bei 1:7 Treffern. Hertha hat ein Problem mit dem Toreschießen. In der Liga hat der Abwärtstrend bereits unter Ex-Trainer Markus Babbel eingesetzt. Seit neun Liga-Partien warten die Blau-Weißen auf einen Sieg. Hertha ist auf Platz 15 abgerutscht und steckt mitten im Kampf um den Klassenerhalt. Wie der Gegner vom heutigern Sonnnabend, der VfB Stuttgart. Der liegt als Tabellen-Elfter mit 23 Punkten nur drei Zähler voraus (15.30 Uhr, Mercedes Benz-Arena).

Beim VfB ist die Nervosität ähnlich groß wie in Berlin. Während den Anhang in der Hauptstadt die Furcht vor einem zweiten Abstieg in zwei Jahren umtreibt, rührt die Anspannung in Stuttgart daher, dass die Elf um Cacau, Tasci, Ibisevic und Boulahrouz eigentlich in Richtung Europacup-Plätze schauen wollte.


Fredi Bobic, von 2003 bis 2005 bei Hertha unter Vertrag und nun VfB-Manager, warnt: „Wir dürfen nicht noch mal so leidenschaftslos auftreten wie im Pokal beim 0:2 gegen die Bayern. Die Begegnung gegen Hertha wird schwer. Die haben zuletzt zweimal richtig gut gespielt und nur unglücklich verloren.“ In der Tat belegen die couragierten Auftritte gegen Hannover 96 (0:1) und im DFB-Pokal gegen Mönchengladbach (0:2 n.V.), dass Hertha derzeit eine Ergebnis-Krise plagt. Um jedoch in Stuttgart „das Glück zu zwingen“, wie es Manager Michael Preetz fordert, braucht Hertha Tore.

Und da hapert es. Trainer Michael Skibbe hat, um die trudelnde Mannschaft zu stabilisieren, zunächst die Defensive gestärkt. In den letzten Partien standen mit Lustenberger, Ottl und Niemeyer drei defensive Mittelfeldspieler auf dem Platz. Das Konzept ging insofern auf, dass weder Hannover noch Gladbach sich viele Chancen erspielen konnten. In der Offensive hingegen fehlt es an Durchschlagskraft. Sinnbildlich zu betrachten bei der . Freistehend vor dem Borussen-Tor schaufelte der Kolumbianer den Ball in den Nachthimmel – statt in die freie rechte Ecke. Kritik wollte Torwart Thomas Kraft jedoch nicht äußern. „Wir brauchen da niemandem Vorwürfe machen: Du hast das Tor nicht geschossen. Wir wissen, dass der Adrian für uns ein alles überragender Spieler ist. Im Moment muss man akzeptieren, dass er die Dinger im Moment nicht macht. Aber er wird aus dem Loch wieder rauskommen.“

Ramos musste nach einer Nackenwirbel-Prellung gegen Gladbach zunächst auf der Bank Platz nehmen und konnte später nur mit Tabletten spielen. Bei Ramos datiert der letzte seiner bisher nur vier Treffer vom 9. Dezember (1:2 gegen Schalke). Gut möglich, dass der effektivste Hertha-Stürmer der vergangenen Jahre auch in Stuttgart zunächst zuschauen muss.

Raffael wurde von seinem „Ziehvater“ Lucien Favre, mittlerweile Trainer in Gladbach, unter der Woche über den grünen Klee gelobt. „Hertha ist mit Raffael eine ganz andere Mannschaft.“ Fakt ist aber auch: Raffael hat seit dem 3. Dezember nicht getroffen (1:1 in Kaiserslautern), er musste die ersten drei Rückrunden-Partien wegen einer Rot-Sperre aussetzen. Am Sonnabend darf er wieder spielen.

Bastians ersetzt Lustenberger

Von dem Offensiv-Trio ist ausgerechnet der Jüngste, Lasogga, derzeit am stabilsten. Der 20-Jährige hat es in seiner ersten Bundesliga-Saison auf beachtliche sieben Tore gebracht. Doch auch der U 21-Nationalspieler hadert im Moment. Lasogga hat bei den letzten sechs Einsätzen ein Tor erzielt (1:2 gegen den HSV). Gegen Hannover brachte er den Ball aus einem Meter Entfernung nicht im leeren Tor unter.

Egal, wie viel Aufregung im Umfeld herrscht, der Coach will den Druck vom Team fernhalten. Von wegen Existenzkampf, „Wie oft darf der Trainer noch verlieren“, „Feuert Preetz den Trainer, um seinen Kopf zu retten“ – Skibbe verweist auf seinen jüngsten Stürmer, Marco Djuricin (19). Der Österreicher gehört beim neuen Trainer zum 18er-Kader. „Marco arbeitet gut, ist clever und torgefährlich. Er ist in jedem Fall eine Alternative.“

Auch in Stuttgart hält Skibbe an der taktischen Ausrichtung fest. „Wir stehen gut und lassen wenig zu. Nach vorn erarbeiten wir uns Chancen. Das wird belohnt werden auf die Dauer der Saison.“ Der verletzte Fabian Lustenberger (Fußprellung) wird von Felix Bastians ersetzt.

Immer Hertha: Hintergründe finden Sie auch im Hertha BSC Blog von Morgenpost Online unter www.immerhertha.de