Umstrittener Elfmeter

Fehlentscheidung besiegelt Herthas Pokal-Aus

Nach 100 Minuten im Pokalfight zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach geraten Roman Hubnik und Gladbachs Igor de Camargo aneinander. Hubnik kassiert die Rote Karte, Daems trifft per Elfmeter zum 0:1 - und begräbt damit die Pokalambitionen des Hauptstadt-Klubs.

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100 Minuten waren in dem packenden Pokalfight gespielt. Schiedsrichter Felix Brych stand 30 Meter entfernt – aber er war sich ganz sicher. Der Unparteiische pfiff, zeigte auf den Elfmeterpunkt. Und zückte die Rote Karte – Platzverweis für Roman Hubnik und Strafstoß für Borussia Mönchengladbach. Es war die Entscheidung, die dieses spannende Viertelfinale im DFB-Pokal zu einem dramatischen machte. Filip Daems traf für die Gäste, in der Schlusssekunde kassierte Hertha BSC ein weiteres Gegentor durch Oscar Wendt, am Ende unterlagen die Berliner 0:2 nach Verlängerung.

Die Tragik für den Hauptstadt-Klub: Die Entscheidung von Brych war falsch. Entsprechend aufgebracht war Hertha-Trainer Michael Skibbe: „Kein anderer im Stadion hat gesehen, warum in der Situation Elfmeter gepfiffen werden musste. Und das war auch kein Elfmeter. Die Entscheidung in diesem Spiel hat Herr Dr. Brych herbeigeführt. Es ist sehr bitter, dass wir aufgrund eines unfassbaren Fehlers des Schiedsrichters ausgeschieden sind.“

Folge von Unsportlichkeiten

Die Aufregung drehte sich um eine Folge von Unsportlichkeiten in der zehnten Minute der Verlängerung. Hertha-Torwart Thomas Kraft nahm einen steil in seinen Strafraum gespielten Pass mit den Händen auf. Vor ihm lief Roman Hubnik, um den Raum abzudecken. Dem Hertha-Verteidiger sprang Gladbachs Igor de Camargo mit dem Knie in den Rücken, so dass Hubnik stürzte und bis zum eigenen Tor rutschte. Empört sprang der Tscheche auf und rannte acht, neun Meter auf den Brasilianer zu und baute sich vor ihm auf, um sich über dessen Unfairness zu beschweren. Woraufhin de Camargo eine noch größere Unsportlichkeit folgen ließ. Er bewegte seinen Kopf nach vorn und warf sich anschließend, als wäre er von einem Hammer niedergestreckt worden, auf den Boden. Dortmunds Nationalspieler Mats Hummels postete auf Facebook: „Man kann auch peinlich und beschämend in ein Pokal-Halbfinale einziehen.“

Kraft hechtet in die falsche Ecke

Nur noch mal zur Erinnerung: 47.465 Zuschauer fieberten seit 100 Minuten in einer trotz der Eiseskälte aufregenden Partie. Es stand auf des Messers Schneide. Wenn dann der Schiedsrichter in so einer Szene pfeift, sollte er sich sicher sein, was er gesehen hat. Brych pfiff. Er deutete auf den Punkt, es dauerte eine Gedenksekunde, ehe die Hertha-Spieler realisierten, was sich da abspielte. Dann stand Brych in einem dichten Knäuel von Herthanern und blieb stoisch bei seiner Entscheidung. In sich folgerichtig, begnügte er sich nicht mit einem Elfmeter für Mönchengladbach. Sondern zeigte dem völlig fassungslosen Hubnik die Rote Karte, Platzverweis für den Tschechen.

Es kam, wie es abzusehen war. Hertha-Torwart Kraft hechtete in die rechte Ecke, der von Daems getretene Ball schlug hoch im linken Eck ein, 0:1 (102.). Die Hausherren waren schockiert. Sie fühlten sich nach einer taktisch und kämpferisch starken Leistung um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. Aber noch gaben sie sich nicht geschlagen. Trainer Skibbe wechselte Adrian Ramos ein, der Kolumbianer hatte seinen Platz in der Startelf an Raffael abtreten müssen. Und Ramos war der Pechvogel, der seine derzeitige Formschwäche bestätigte. Freistehend schaufelte er den Ball aus 13 Metern über das Tor – vertan die Riesenchance zum Ausgleich (118.).

Der wäre hochverdient gewesen. Mit einer leichtfüßigen „Umarmungstaktik“ hatte Hertha den Favoriten aus Gladbach über weite Strecken an jeglicher Entfaltung gehindert. Mit einem laufintensiven Spiel hielten die Berliner die Borussen weit weg vom eigenen Strafraum. Torwart Kraft etwa bekam in der ersten Hälfte keinen einzigen Ball auf sein Tor. Hertha hatte nicht viele Chancen, aber hochkarätige. Raffael traf ebenso das Außennetz (30.) wie Lasogga (37.). Die beste Gelegenheit hatte Peter Niemeyer. Der jagte aus 22 Metern einen Schuss gegen den rechten Pfosten (61.). Und war hinterher extrem genervt: „Wir treffen den Pfosten, Gladbach bekommt einen Elfmeter geschenkt – das fasst das ganze Spiel zusammen.“

Ein ehemaliger Berliner versuchte sich in dem Tohuwabohu wegzuducken. Ex-Hertha-Trainer Lucien Favre behauptete trotz diverser Fernseh-Interviews mit ihm, in denen die Szene des Spiels hoch und runter gezeigt worden war: „Ich habe die Szene nicht gesehen, deshalb kann ich dazu nichts sagen.“

Kritik nicht nur an Brych

Hertha-Kapitän Andre Mijatovic sagte: „Ich kann die Situation beurteilen, weil ich sehr nahe dabeistand. Der Schiedsrichter muss als erstes den Sprung in den Rücken von Roman als Foul pfeifen. Aber danach darf Roman auch nicht so hingehen. Dass ein solches Spiel durch so eine Schiedsrichter-Entscheidung entschieden wird, ist mir zu einfach.“ Auch Mittelfeldspieler Andreas Ottl monierte mangelnde Cleverness bei Hubnik: „Es war eine sehr harte Entscheidung, über die man streiten kann. Aber es war auch eigene Dummheit von uns. Jeder weiß, worum es in so einem Spiel geht. Das darf in einem Viertelfinale nicht passieren. Wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen.“

Manager Michael Preetz hatte nach der Partie in den Katakomben Kontakt mit dem Unparteiischen: „Ich habe mit Brych gesprochen. Er war einigermaßen entsetzt von seiner Entscheidung.“ Allein, es hilft nichts. Gladbach freut sich über den Einzug ins Pokal-Halbfinale und die Einnahme von 2,3 Millionen Euro.