Hertha BSC

Berater streicht Ronnys Weihnachtsurlaub

Harte Motivationshilfe: Spielerberater Dino Lamberti hat Außenbahnspieler Ronny den Weihnachtsurlaub in Brasilien gestrichen. Der 25-Jährige darf erst wieder in seine Heimat fliegen, wenn er bei Hertha BSC einen Stammplatz hat.

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An Heiligabend hat Ronny zu Hause in Brasilien angerufen. Mit Vater Caetano de Araujo plauderte er ein Weilchen, dann sollte der Profi von Hertha BSC weitergereicht werden an seinen im Kreise der Familie weilenden Spielerberater Dino Lamberti. Ronny verweigerte das, teils im Spaß, aber zu einem gewissen Maße auch aus ehrlicher Enttäuschung: „Nein“, sagte er bestimmt: „Ihn will ich zurzeit nicht sprechen. Er hat mir verboten, nach Hause zu fliegen.“

So war es tatsächlich. Dass Ronny sich aber auch an dieses Verbot gehalten und stattdessen nur einen Kurzurlaub mit seiner hochschwangeren Frau Isabell und Töchterchen Izabelly in Paris verbracht hat, erzählt eine Menge über die andere Seite des lebensfrohen Fußballers: Dieser 25-Jährige kann auch beißen.

Wenig körperlicher Betätigung, viel Steakfleisch

Es ist nicht nur ein Klischee, dass Weihnachtsurlaube von Fußballern in Brasilien häufig geprägt sind von wenig körperlicher Betätigung, aber viel Steakfleisch. Berater Lamberti erzählte Morgenpost Online: „Ronny hat keinen Widerstand geleistet, als ich ihn bat, nicht nach Brasilien zu fliegen. Er hat gesagt: ‚Du hast recht, ich werde schon früher wieder mit dem Training beginnen und auch auf meine Ernährung achten.’“ Um nichts anders als um Ronnys Körpergewicht und folglich auch Fitness geht es.

Als er in seiner Berliner Zeit phasenweise acht Kilo Übergewicht mit sich herumschleppte, versäumte er trotzdem keine Trainingseinheit. Wie gut kann er also sein, wenn er einmal in bester physischer Verfassung ist – und dann auch fußballerisch seinen Rhythmus gefunden hat? Eine rhetorische Frage, auf die Lamberti so antwortet: „Spieler mit solchen Qualitäten gibt es nicht viele auf der Welt.“ Als seine Aufgabe sieht der Berater es an, „dass Ronny endlich begreift, dass er dieses Potenzial hat und er 2014 bei der WM in der Startformation von Gastgeber Brasilien stehen muss.“

U17-Weltmeister mit Brasilien

Hohe, ja höchste Ziele. Doch gehörte Ronny schon einmal einer Auswahl seines Landes an, die Weltmeister wurde – bei der U17-WM 2003 in Finnland, als er noch unter dem Künstlernamen „Tody“ firmierte. In der Gegenwart geht dieses riesige Talent bei Hertha den harten Weg. Im letzten Spiel des Kalenderjahres 2011 stand er erstmals seit Mitte Mai wieder in der Berliner Startelf . „Ich war überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet“, gestand er nach dem Spiel, seinem erst sechsten in eineinhalb Berliner Jahren über 90 Minuten. Prompt lieferte er zum 1:0 die Vorlage – und frohlockte: „Ich glaube, ich darf sagen, dass das eine schöne Flanke war.“

War es. Den Ball aus vollem Lauf so scharf und doch auch so präzise zum Mitspieler zu bringen, ist eine seltene Kunst. „Solche genialen Bälle hinter die Abwehr“, schwärmt Lamberti, „habe ich noch nie gesehen – auch nicht von Roberto Carlos.“ Mag er sich da in seinem Jubel auch ein wenig versteigen – Fakt ist andererseits, dass Ronny auf ähnliche Weise schon im Spiel vorher einen Berliner Treffer vorbereitet hat: Wie ein Geschoss flog in Hoffenheim ein Freistoß bogenförmig in den Strafraum, Roman Hubnik veredelte den Ball zum 1:1 in der Nachspielzeit.

WM 2014 als Ziel

Damit der offensive Beitrag nicht wieder nur ein Strohfeuer bleibt, hat Lamberti nun verfügt: Solange Ronny bei Hertha kein Stammspieler ist, bleiben Reisen nach Brasilien verboten. „Ein Anreiz“, soll das sein. Lamberti ahnt, dass sein Schützling „mit der Routine von fünf, sechs Spielen am Stück noch dynamischer und automatisch auch selbstsicherer“ wird.

Ronny verspricht: „Ich werde sehr hart arbeiten, damit ich der Mannschaft helfen kann.“ Der Trainerwechsel von Markus Babbel zu Michael Skibbe muss dabei nicht das Schlechteste sein. Wo Babbel im Laufe der Zeit das Vertrauen in Ronny verlor, soll unter dem neuen Mann alles besser werden. Bis Saisonende soll Ronny sich bei Hertha unverzichtbar machen. Oder andernfalls dann den Verein verlassen – für den Traum von der Weltmeisterschaft 2014. „Aber das“, sagt Berater Lamberti, „wäre für mich eine Riesenenttäuschung.“ (Mitarbeit: Uwe Bremer)

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