Hertha BSC

Skibbe soll schon Wohnung in Berlin suchen

Der Erstligist aus Berlin hat nach dem Abgang Babbels einen neuen Trainer gefunden: Michael Skibbe. Er kehrt damit in die Bundesliga zurück und ist dem alten Trainer von Hertha gar nicht so unähnlich.

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Die Vergangenheit bei Hertha BSC war in Person von Markus Babbel am Dienstag per Mietwagen zur Familie nach München geflüchtet. Die Gegenwart saß Mittwochabend als Chef für einen Tag auf der Trainerbank. Rainer Widmayer coachte den Hauptstadtklub im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Kaiserslautern. Dabei wird es auch bleiben. „Ich weiß, dass der Klub einen anderen Weg eingeschlagen hat“, hatte Widmayer schon erklärt, er mache sich keinerlei Hoffnungen auf eine dauerhafte Beförderung. Denn die Zukunft beim Berliner Bundesligisten beginnt schon mit diesem Donnerstag. Im Laufe des Tages wird Michael Skibbe (46) in Berlin erwartet.

Letzte Zweifel an seinem Wechsel vom türkischen Provinzklub Eskisehirspor zu Hertha BSC hatte Skibbe in einem Interview mit der größten türkischen Sportzeitung „Fanatik“ ausgeräumt. Dort wurde er folgendermaßen zitiert: „Ich liebe Eskisehir. Wir haben hier mit wenigen Möglichkeiten viel erreicht. Aber ich werde meine Karriere bei Hertha fortsetzen. Ich habe immer gesagt, dass ich nach Deutschland zurückkehren will.“

Gegenüber Vertrauten hatte Skibbe aber auch erklärt, dass er den Klub, den er erst im Sommer übernommen hatte, erst nach dem letzten Punktspiel des Jahres am Mittwoch bei Süperlig-Neuling Mersin Idman Yurdu verlassen wolle. Im Gegenzug legten Skibbe auch die Verantwortlichen von Eskisehir keine Steine in den Weg. Eine Einigung über seinen Fortgang – so sie inoffiziell nicht ohnehin längst vollzogen war – sollte am späten Mittwochabend erreicht werden. Und das, obwohl Skibbe das Team aus dem Nordwesten der Türkei in der Tabelle überraschend hinter die Istanbuler Großklubs Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas auf Platz vier der Tabelle geführt hatte.

In Berlin wird Skibbe einen Vertrag bis 2014 unterzeichnen und damit nach Lucien Favre, Friedhelm Funkel sowie Babbel der dritte Trainer in der nunmehr zweieinhalbjährigen Ära des Managers Michael Preetz. Babbel war vergangenen Sonntag beurlaubt worden. Ausschlaggebend dafür war, dass er und Preetz sich gegenseitig der Lüge bezichtigt hatten, Babbel mit seinen Vorwürfen aber das Vertrauen der Klubbosse in sich verloren hatte. Ein Arbeitrechtler prüft derzeit, inwieweit Babbels Anklagen auch eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Voraussichtlich wird der Abfindungsanspruch des Ex-Trainers aber erhalten bleiben.

Wie es scheint, sind sich Babbel und Skibbe als Trainer nicht unähnlich. Beide stehen für kommunikatives Wirken, das im Falle von Verfehlungen aber schnell in Härte umschlagen kann. Im Spiel propagiere er einen offensiven Spielstil, sagt Skibbe. Er lasse „mutig und geradlinig nach vorn“ spielen. Noch wichtiger freilich sei bei Ballbesitz des Gegners die möglichst rasche Rückgewinnung der Kugel. Bei Hertha trifft Skibbe in Maik Franz auf einen alten Bekannten aus für beide noch nicht fernen Frankfurter Tagen. Pech für Franz, dass er in Folge eines Kreuzbandrisses in dieser Saison nicht mehr spielen kann. Andernfalls wäre es spannend gewesen, inwieweit Skibbe ihm auf Anhieb das Vertrauen in der Abwehrkette geschenkt hätte. Aber auch andere Personalien sind brisant. Etwa die, ob der bei vielen Fans wenig populäre, bei Babbel aber unumstrittene Andreas Ottl bei Skibbe in gleichem Maße gesetzt sein wird.

Etwas anderes steht dagegen schon fest: Er werde sich in Berlin zeitnah eine eigene Wohnung suchen, hat Skibbe gegenüber Vertrauten gesagt. Nach der anstrengenden Wohnort-Debatte unter Babbel ist das nicht die schlechteste Nachricht zum Beginn der Zukunft.

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