Bundesliga

Lustenberger ist Herthas Aufstiegsheld im Abseits

Er war einer der besten Herthaner in Liga zwei. Jetzt befindet sich Fabian Lustenbergers Stammplatz auf der Bank, denn die Konkurrenz ist stark. Dennoch lässt er sich nicht entmutigen.

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Fabian Lustenberger hält kurz gebeugt inne. Gerade hat er ein schweres Rohr auf seine Schulter gestemmt und wieder abgeladen, ein bisschen sieht es so aus, als würde Herthas Defensivstratege einen überdimensionalen Ghettoblaster durch die Gegend wuchten. Vom Naturell her würde auch das ganz gut passen, der Schweizer ist ein lebensfroher Mensch. Doch was er an diesem Morgen verrichtet, ist harte Arbeit, Markus Babbel lässt einen Kraft-Zirkel trainieren. Und doch huscht immer wieder ein Lächeln über Lustenbergers Gesicht.

Was bleibt ihm auch anderes übrig, als die Situation einigermaßen gelassen zu nehmen. Der 23-Jährige ackert, er trainiert hart, und doch ist er beim Berliner Fußball-Bundesligisten derzeit nur zweite Wahl. „Die Mannschaft geht vor, ich freue mich mit ihr, dass sie Erfolg hat“, sagt er artig. Lustenberger ist wohl derzeit der schlimmste „Härtefall“, wie Babbel es vor der Saison nannte: Er war im Aufstiegsjahr ein Leistungsträger, er war der erste Spieler, der nach dem Abstieg 2010 seinen Vertrag verlängerte. Doch nach dem Zugang von Andreas Ottl sieht ihn Babbel nicht in der ersten Elf.

Lustenberger ist Leidtragender

Beschweren will sich der Schweizer nicht. Doch auf die Geschichte mit dem Vertrag angesprochen, weiß er auch nicht so genau, was er sagen soll. „Es wirkt sicher etwas undankbar. Ich hatte es mir damals auch anders vorgestellt. Aber jetzt ist die Situation eben so“, sagt er, und fügt an: „Böse ausgedrückt könnte man sagen, dass ich jetzt der Leidtragende bin.“

Zunächst sah es so aus, als wäre sein erster Einsatz nur eine Frage der Zeit. Er stieß wegen der Finalteilnahme bei der U21-EM mit Trainingsrückstand zur Mannschaft. So jedenfalls begründete Babbel zum Saisonstart Lustenbergers Bankplatz. Doch jetzt, nach acht Spieltagen, in denen der Schweizer auf nur 44 Spielminuten in vier Einsätzen kam, zeigt sich, dass sich der Trainer wohl sehr früh auf das Duo Ottl/Niemeyer festgelegt hatte. Den Kopf steckt er trotzdem nicht in den Sand. Er weiß, dass er seine Chance bekommen wird, im defensiven Mittelfeld ist es nur eine Frage der Zeit, bis Peter Niemeyer oder eben Ottl nach fünf gelben Karten gesperrt werden. Diese eine Chance, will und muss er nutzen. „Ich bereite mich auf jedes Spiel so vor, als ob ich in der Startelf stünde“, sagt er, „auch wenn absehbar ist, dass der Trainer so bald nichts ändern wird.“ Babbel kann da nur schwerlich widersprechen. Auf der einen Seite haben Ottl und Niemeyer ordentliche bis sehr gute Partien bestritten, er hat keinen Grund, einen der beiden auf die Bank zu setzen. Er sagt: „Ich weiß, dass die Situation für Fabian absolut hart und unbefriedigend ist. Im Übrigen auch für mich selbst. Aber die Konkurrenz lässt einfach keine Luft ran.“

Zwei starke Konkurrenten

Überhaupt versteht Babbel ohnehin nicht so ganz, warum der Dreikampf um zwei Plätze in der Öffentlichkeit immer nur auf die Frage „Ottl oder Lustenberger“ reduziert wird. „Die beiden sind vollkommen unterschiedliche Spielertypen“, meint Babbel. Während Ottl „exzellente Pässe“ spiele, sei Lustenberger eher derjenige, der die Räume zumache. „Vom Typ her ähnelt er Peter Niemeyer vielmehr.“ Was schon ein bisschen überrascht. Schließlich wird der Schweizer von den Fans regelmäßig als einer der spielstärksten Herthaner gefeiert. Babbel sagt: „Ich bin froh, einen wie Lustenberger in der Hinterhand zu haben, der absolut heiß ist.“ So oder so, ein Bankplatz für Niemeyer kommt noch weniger infrage als für Ottl. Da hilft es auch wenig, dass Lustenberger mit dem Nordlicht befreundet ist. Öfter gehen die beiden zusammen essen – trotz aller Konkurrenz. „Ich kann das gut trennen“, meint Lustenberger. Das muss er wohl auch. Und er muss Geduld haben.

Dabei hilft ihm ganz sicher seine private Situation. Die sieht nämlich bedeutend besser aus als die sportliche. Vor sechs Wochen brachte seine Partnerin Monique den kleinen Jonas Jan zur Welt, und glaubt man dem stolzen Vater, hat das so ziemlich alles auf den Kopf gestellt. „Ein Kind verändert das ganze Leben, es ist das Schönste, was in meinem Leben passiert ist. Ein Kind stellt auch den Sport ein bisschen in den Hintergrund, da kann ich auch mal abschalten und den Fußball vergessen.“

Und ein bisschen Hoffnung boten die letzten beiden Partien ja auch. In Bremen wie gegen Köln durfte er in der Schlussphase als Einwechsler mithelfen. Sicher keine Paraderolle, aber immerhin. „Ich komme lieber für die letzten zehn Minuten ins Spiel anstatt 90 Minuten auf der Bank zu sitzen“, sagt er, und fügt an: „Ich habe immer noch Spaß am Fußball“. Wer ihm auf beim Training zusieht, glaubt das aufs Wort.

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