3:0 gegen Köln

Berauschende erste Hälfte sichert Hertha-Erfolg

Mit seinen Saisontoren zwei und drei bereitete Pierre-Michel Lasogga in der überragenden ersten Halbzeit den Weg für Herthas 3:0 gegen Köln. Doch eigentlich hätte er nicht zur Stammformation gehört – ebenso wie der zweimalige Vorlagengeber Änis Ben-Hatira.

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Pierre-Michel Lasogga hatte es angekündigt, und er hielt Wort. Sein erstes Bundesligator im heimischen Olympiastadion wollte der Stürmer von Hertha BSC ganz besonders feiern. Und im Überschwang der Gefühle offenbar am liebsten selbst über die Stadionlautsprecher ansagen. Nachdem er den Ball aus drei Metern über die Linie gedrückt hatte, war er erst auf den Knien und mit weit ausgebreiteten Armen auf die Ostkurve zugerutscht. Dann rannte er auf Fabian von Wachsmann zu, Herthas Stadionsprecher. Schon von Weitem signalisierte er: Gib mir das Mikrofon. Doch Wachsmann wollte nicht. Und so standen sich die beiden gegenüber und zerrten an dem blauen Gerät, bis sich nach einigen Sekunden der Stadionsprecher durchsetzte und Lasogga nur die Umarmung der Mitspieler blieb.

Mit seinem spektakulären Jubel leitete der 19-Jährige den Sieg des Berliner Fußball-Bundesligisten gegen den 1. FC Köln ein, nach Toren von eben Lasogga (14./26.) und Raffael (34.) gewann Hertha vor 59.491 Zuschauern 3:0 (3:0) und setzte sich damit in der oberen Tabellenhälfte fest.

Extralob für Ben-Hatira

„In der ersten Halbzeit haben wir endlich das umgesetzt, was wir uns in allen Heimspielen vorgenommen haben“, lobte Trainer Markus Babbel seine Mannschaft, „wir haben den Mix zwischen gut verteidigen und aggressiv nach vorne spielen heute gut hinbekommen und zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Speziell Änis war heute in der ersten Halbzeit sensationell.“ Die Vorlage zum 1:0 hatte besagter Änis Ben-Hatira in seinem ersten Spiel von Beginn an für Hertha gegeben, er hatte sich bis zur Torauslinie auf der linken Seite durchgesetzt und Lasogga mustergültig bedient.

Nur zwölf Minuten später war es wieder Lasogga, der zum Torjubel ansetzte. Und wieder war es Ben-Hatira, der die Vorlage gab, diesmal auf den Kopf des Kollegens. Weitaus sehenswerter aber war seine Aktion zuvor, als der 23-Jährige einen 70-Meter-Pass von Linksverteidiger Levan Kobiashvili mit der Brust annahm und zwei Kölner Verteidiger im Strafraum austanzte. Spätestens da war klar, dass die rechte Abwehrseite der Kölner eine Schwachstelle darstellte, denn schon in der elften Minute hatte Raffael das 1:0 nach einem fast identischen Angriff erzielt – allerdings legte sich Schiedsrichter-Assistent Bornhorst sofort fest, dass Kobiashvili bei seinem Pass in die Mitte schon hinter der Torauslinie stand. Kölns Trainer Stale Solbakken reagierte und wechselte Rechtsverteidiger Andrezinho folgerichtig zur Pause aus.

Das aberkannte Tor musste Raffael aber nicht länger stören, schließlich durfte auch er vor der Pause noch jubeln – er vollendete mit einem sehenswerten Volleyschuss aus elf Metern nach einem Freistoß von Christoph Janker zu seinem schon dritten Saisontor.

Zwei Vorlagen von Ben-Hatira, zwei Tore von Lasogga, eine Vorlage von Janker – schon nach 45 Minuten hatten genau die Akteure dem Spiel ihren Stempel aufgedrückt, die nach der unglücklichen Niederlage in Bremen mit den zwei Gelb-Roten Karten gegen Christian Lell und Adrian Ramos in die Startelf gerutscht waren. Janker übernahm Lells Part als Rechtsverteidiger gegen Nationalstürmer Lukas Podolski – der 26-Jährige, den Hertha-Trainer Markus Babbel vor der Partie zum „König von Köln“ ausgerufen hatte, sah in der gesamtem Partie keinen Stich. Lasogga war für den ebenfalls gesperrten Ramos gekommen, Ben-Hatira vertrat den in Bremen schwachen Tunay Torun. Und alle taten es erfolgreich.

3:0 zur Pause hatten die Berliner in der Bundesliga daheim zuletzt vor mehr als fünf Jahren geführt, am 26. Februar 2005 gegen den HSV. Erstmals in dieser Saison zeigten die Berliner, dass sie ein Spiel auch gestalten und nicht nur aus einer stabilen Abwehr heraus kontern können. Einzig in der 56. Minute musste Hertha-Torwart Thomas Kraft ernsthaft eingreifen, als sich Slawomir Peszko über rechts durchsetzte und aus zwölf Metern abschloss.

Höchste Pausenführung seit 2005

Standing Ovations gab es dann dann in der 64. Minute bei der Auswechslung von Ben-Hatira: Das Publikum hatte nicht vergessen, dass der Zugang in Bremen extremes Pech gehabt hatte. Da musste ihn Babbel aus taktischen Gründen erst ein- und nach nur wenigen Minuten wieder auswechseln. Für ihn kam der schnelle Nikita Rukavytsya, und die Marschroute hieß damit ab sofort: Konter.

Köln bemühte sich nun, das Spiel schneller machen, leistete sich aber zu viele Fehler. Herthas Defensive stand sicher. Weil Hertha jetzt weniger für das Spiel tat, waren Torchancen Mangelware. Eine Viertelstunde vor Schluss ging Babbel auf Nummer sicher, brachte für den soliden Janker Verteidiger Maik Franz (72.) und mit Fabian Lustenberger für Lasogga (77.) einen weiteren Defensivspieler. Raffael (89.) hätte freistehend noch das 4:0 mache müssen. So aber brachte Hertha den Sieg am Ende routiniert und in der zweiten Hälfte mit wenig Glanz nach Hause. Und nach dem Abpfiff durfte dann auch Lasogga endlich an die Mikrofone – allerdings nur bei den diversen TV-Sendern.