Ben-Hatira

Herthas Irokese tankt Selbstbewusstsein

Beim 3:0 gegen Köln stand Änis Ben-Hatira erstmals in der Hertha-Startelf – und überzeugte mit zwei Vorlagen. Er gilt als hochbegabt, aber schwierig. Berlins Trainer Babbel bleibt zurückhaltend - nicht nur wegen Ben-Hatiras Frisur.

Der 3. Oktober ist im Kalender als Feiertag ausgewiesen. Auf dem Dienstplan bei Hertha BSC war er ebenfalls ein freier Tag, Änis Ben-Hatira (23) befand sich am Mittag dennoch auf dem Weg zum Trainingsgelände des Bundesligisten. Gesundheit und Fitness haben für Fußball-Profis oberste Priorität, deshalb erschien Ben-Hatira zu einem Behandlungstermin in der Kabine. Auf sein ohnehin lädiertes Sprunggelenk hatte der Offensivspieler gegen den 1. FC Köln erneut einen Schlag bekommen. Doch die Schmerzen kümmerten den jungen Mann nicht wirklich. Auch zwei Tage nach dem 3:0 (3:0) gegen den 1. FC Köln ging er mit einem breiten Schmunzeln durchs Leben.

Erst am 31. August war der gebürtige Berliner vom Hamburger SV zu seinem Ex-Klub Hertha zurückgekehrt. Gegen Köln stand Ben-Hatira erstmals in der Startelf. Im Olympiastadion, wo er vor zehn Jahren als Balljunge sein Idol Marcelinho aus der Nähe bewundert hatte.

Vor der Partie fragte Stürmer Pierre-Michel Lasogga seinen neuen Kollegen, wie sie sich bei Flanken absprechen wollen, welche Laufwege er gehen solle. „Mach’ du mal“, sagte Ben-Hatira, „ich finde dich schon.“ Als sei es die einfachste Sache der Welt, zauberte er gemeinsam mit Lasogga (19) zwei Traumtore auf den Rasen. Antrittsschnell, dribbelstark und unbekümmert machte der Berliner, was er wollte. Stieß mal eben zur Grundlinie vor, wartete bis Lasogga in Position gelaufen war – 1:0 (14. Minute). Nahm im vollen Lauf einen 50-m-Pass an, entwischte zwei Verteidigern und zirkelte den Ball Lasogga auf den Kopf – 2:0 (26.). Und ärgerte sich, dass Schiedsrichter Florian Meyer seinen coolen Heber, der das 4:0 bedeutet hätte, wegen vermeintlichen Foulspiels nicht anerkannte. „Das wäre die Krönung gewesen“, sagte Ben-Hatira. Kölns Trainer Stale Solbakken musste sich später fragen lassen, warum er Gegenspieler Andrezinho erst zur Pause ausgewechselt hatte.

Das war ein überzeugender Einstand des Rückkehrers; Ben-Hatira hatte von 1995 bis 2003 bei Hertha gespielt. Er gilt als hochbegabt, aber nicht einfach. Trainer Markus Babbel sagt zum Irokesen-Schnitt der Nummer 17: „Die Frisur ist wie sein Charakter, sehr individuell. Solche Spieler brauchst du auf dem Platz. Aber wenn einer so eine Frisur hat, ist es wichtig, dass er auch gute Leistungen zeigt.“

Starke Nachrücker

Wichtiger als die Haartracht: Ben-Hatira war für den zuletzt schwächelnden Tunay Torun ins Team gekommen, Lasogga und Christoph Janker ersetzten die nach Platzverweisen gesperrten Adrian Ramos und Christian Lell. Alle Nachrücker belegten, was sich Manager Michael Preetz und der Trainer bei der Kaderzusammenstellung des Aufsteigers im Sommer erhofft hatten. „Wir haben sowohl in der Breite zugelegt, als auch bei der Qualität“, so Preetz. Babbel sagte: „Ich bin froh, dass ich 24 Leute habe, von dem ich jedem vertraue.“

Auch Lasogga konnte im Nachhinein sein Glück kaum nicht fassen. „Dass eine der Flanken von Änis durchkommt, ist super. Aber gleich zwei innerhalb von zehn Minuten…“ Nun hat der 19 Jährige nach gerade sechs Erstliga-Einsätzen drei Tore und einen Assist auf dem Konto. Zudem versprach Lasogga etwas nachzuholen. Ursprünglich wollte er dem Stadionsprecher das Mikrofon entwinden, um sein erstes Tor selbst anzusagen, der gab es aber nicht her. „Hat nicht ganz geklappt, ich musste aufs Feld zurück. Aber das kommt noch.“

Nach dem dritten Saisonerfolg liegt der Klassenneuling beruhigende sieben Punkte vor der Abstiegszone. „Wir wollten unbedingt gegen Köln gewinnen, um uns da oben festsetzen“, sagte Ben-Hatira. Solch selbstbewusstes Auftreten gefällt Trainer Babbel , positive Emotionen will er mitnehmen. Gleichzeitig weiß er, dass kein Grund für Übermut besteht. Also übt Babbel sich im Spagat: So sehe er keinen Grund, auf die Euphoriebremse zu treten. „Ist doch toll, wenn die Fans eine Mannschaft sehen, die sich mit dem Verein identifiziert. Die alles versucht, um zu gewinnen. Wir wissen aber, dass wir dafür extrem hart arbeiten müssen. Wir dürfen nicht leichtsinnig werden. Die Bundesliga ist knallhart, die verzeiht keine Fehler.“ Und flugs unterläuft er die Bemühungen, Ben-Hatira und Lasogga zum „Traumduo“ zu ernennen. Babbel stellt eben keine Stammplatz-Garantie aus. Stattdessen dribbelt er um die Frage herum, ob es nach dem Sieg gegen Köln keinen Grund zum Wechseln gäbe. „Ich stelle mit Blick auf den Gegner die Mannschaft auf, von der ich denke, dass wir mit ihr gewinnen können.“

Mit Selbstvertrauen nach München

Auch Versuchen, das Saisonziel ‚Klassenerhalt’ nach oben zu korrigieren, widersteht der Coach. „Das werde ich nicht zulassen. Ich weiß, wie schnell man in einen Strudel kommen kann. Wir müssen weiter Gas geben. Was dabei rauskommt, wird man sehen. Wir werden noch schwierigere Phasen erleben. Dann ist es gut, wenn man sich etwas Winterspeck angefressen hat, von dem man zehren kann.

Alles richtig, findet Ben-Hatira. Aber er bleibt trotzdem bei seiner Linie. So forsch wie er am Wochenende gespielt hat, schaut er auf die nächste Partie am 15. Oktober. „Da fliegen wir jetzt mit breiter Brust hin.“ Hertha trifft auf Tabellenführer und Titelfavorit FC Bayern.

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