Hertha BSC

Warum Berlin für Lustenberger ein Schock war

Mit 19 Jahren kam Fabian Lustenberger aus einem 2000-Einwohner-Dorf in der Schweiz zu Hertha BSC nach Berlin. Mittlerweile ist er 23. Im Interview mit Morgenpost Online spricht er über den Wechsel, Vaterfreuden und den distanzierten Ex-Trainer Favre.

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Morgenpost Online: Herr Lustenberger, am Sonnabend gegen Gladbach geht es auch gegen Trainer Lucien Favre. Ein besonderes Spiel für Sie?

Fabian Lustenberger: Natürlich. Er hat mir ermöglicht, in der Bundesliga zu spielen.

Morgenpost Online: Sie sind ihm also noch dankbar?

Fabian Lustenberger: Ja, schon. Meine ersten Schritte hatte ich zwar in der Schweiz auch ohne ihn gemacht. Aber er hat mich ja schon beobachten lassen, als er noch in Zürich war. Favre hätte mich wohl auch gerne geholt, wenn er nicht zu Hertha gegangen wäre. Der Kontakt war sehr direkt, das hat mir gleich gefallen, weil ich den Eindruck hatte, dass er mich wirklich will.

Morgenpost Online: Hatten Sie einen besonderen Draht zu ihm, weil sie Landsmänner sind?

Fabian Lustenberger: Nein. Wenn du einen guten Trainer hast, ist es egal, aus welchem Land er kommt.

Morgenpost Online: Wie haben Sie Favre als Trainer erlebt?

Fabian Lustenberger: Insgesamt ist er etwas distanzierter als Markus Babbel, zum Beispiel siezt Favre die Spieler. Aber er spricht viel mit der Mannschaft, das hat mir gerade als jungem Spieler natürlich sehr geholfen. Favre legt sehr viel Wert auf Taktik, er ist im positiven Sinne ein Verrückter. Er hat immer viel Wert auf Ballbesitz gelegt, er wollte sehen, dass Fußball gespielt und nicht gekämpft wird. Das können wir uns als Aufsteiger jetzt natürlich so nicht mehr erlauben. Eines möchte ich aber noch hinzufügen, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Markus Babbel ist auch ein sehr, sehr guter Trainer, mit dem wir sehr erfolgreich und auch gern arbeiten.

Morgenpost Online: Sie kamen schon mit 19 Jahren auf die große Bühne der Bundesliga. Zu früh?

Fabian Lustenberger: Ich hatte ehrlich gesagt noch gar nicht damit gerechnet. Ich dachte, dass ich mich erst in der Schweiz noch weiterentwickeln muss. Aber bei Hertha konnte ich in jedem Training profitieren. Und plötzlich habe ich gegen Leute gespielt, die ich sonst nur aus dem Fernsehen kannte.

Morgenpost Online: Was haben Sie gedacht, als Fave gehen musste? Haben Sie den Wechsel bereut?

Fabian Lustenberger: Nein, nie. Ich habe zu 100 Prozent alles richtig gemacht. Die vier Jahre hier in Berlin haben mich sehr weitergebracht.

Morgenpost Online: Das gilt sicher auch privat, immerhin lernten Sie in Berlin ihre Freundin kennen.

Fabian Lustenberger: Ja, es war ein Riesenschritt für mich. Ich habe vorher in einem Dorf mit 2000 Einwohnern gelebt und kam in diese Riesenstadt…das war wie ein kleiner Kulturschock. Zumal ich ja noch sehr jung war.

Morgenpost Online: Inzwischen sind Sie sogar Vater…

Fabian Lustenberger: …und das entschädigt für den ganzen Stress, der so vor der Geburt herrscht (lacht). Ein Kind verändert das ganze Leben, es ist das Schönste, was in meinem Leben passiert ist. Es stellt auch den Sport ein bisschen in den Hintergrund, da kann ich abschalten und den Fußball vergessen.

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