Hertha

Eberts Freundschaft zu Boateng ruht 90 Minuten

Der Herthaner Patrick Ebert trifft beim Spiel gegen München auf seinen Kumpel aus Jugendtagen: Bayerns Jerome Boateng. Beide sind hoch motiviert, das Spiel für ihre Mannschaft zu entscheiden.

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Der FC Bayern bezahlt Scouts, die in Berlin nach Talenten fahnden. Ebenso die TSG Hoffenheim und der FC Chelsea. Überhaupt ist beinahe jeder Bundesligaverein mit Spähern in der Hauptstadt vertreten.

Warum der fußballerische Nachwuchs europaweit so begehrt ist, darüber kann Patrick Ebert (24) etwas erzählen. Der hat als Jugendlicher nicht nur bei Hertha BSC gespielt. Sondern mit seinen Kumpels „in so gut wie jedem Käfig von Wedding und Kreuzberg gekickt“. Die Qualität in jenen Käfigen war außerordentlich: Kevin Boateng war dabei, der jetzt für den AC Mailand und die Nationalmannschaft Ghanas spielt. Ashkan Dejagah auch, vor zwei Jahren mit Wolfsburg deutscher Fußballmeister, und Chinedu Ede vom 1. FC Union. Änis Ben-Hatira gehörte dazu, der gerade vom HSV zu Hertha zurückgekehrt ist. Auf einen besonderen Buddy aus jener Zeit trifft Ebert am Sonnabend: auf Jerome Boateng. Auf die Frage, wie der Draht zum Nationalspieler der Bayern ist, antwortet der Herthaner: „Super.“ Boateng sagt: „Der Kontakt nach Berlin ist nie abgerissen. Vor allem mit Patrick bin ich weiter befreundet.“

Verschiedene Lebenswege

Die Freunde haben sehr verschiedene Lebenswege eingeschlagen. Bei Jerome Boateng vollzog sich alles im Raketentempo: Im Januar 2007 sollte der damalige A-Jugendspieler mal bei den Profis mittrainieren. Weil Trainer Falko Götz Personalnot in der Abwehr hatte, wurde Boateng als 17-Jähriger ins Wasser geworfen – und kam in jener Rückrunde sofort auf zehn Einsätze in der Bundesliga. Allerdings hatte Hertha es im Vorfeld versäumt, einen langfristigen Vertrag mit dem Verteidiger abzuschließen. Boateng entschied sich im Sommer 2007 für ein Angebot des Hamburger SV, das den Aufsteiger zum Einkommensmillionär machte. Immerhin vermochte der damalige Hertha-Manager Dieter Hoeneß auszuhandeln, dass die Berliner 1,1 Millionen Euro bekamen. Und 20 Prozent Ablöse, wenn der HSV den Spieler weiterverkauft. Drei Jahre reifte Boateng – 1,92 Meter groß, athletisch, schnell – in Hamburg. Und auch seine Konzentrationsmängel, die ihm den einen oder anderen Patzer bescherten, konnte der Hochbegabte abstellen. 2009 debütierte er in der Nationalmannschaft spektakulär: Platzverweis beim 1:0 in Russland. Beim ersten Spiel vom Platz zu fliegen, das hatte in der Länderspielhistorie seit 1908 noch nie ein deutscher Nationalspieler fertiggebracht. 2010 absolvierte Jerome Boateng seine erste WM-Partie gegen Ghana im Bruderduell mit Kevin (1:0).

Da hatte sich der jüngere der Boatengs bereits zum Wechsel vom HSV zu Manchester City entschlossen. 12,5 Millionen Euro überwies der neureiche Klub in die Hansestadt, zwei Millionen davon erhielt Hertha.

Obwohl er in der Premier League eine wechselhafte Saison spielte, stieg der Marktwert weiter. Der FC Bayern hatte als Lösung seiner anhaltenden Abwehrprobleme unter anderem Jerome Boateng ausgemacht. 13,5 Millionen zahlte Deutschlands Branchenprimus nach England. Die neuformierte Münchener Abwehr mit Boateng, Torwart Neuer und Rechtsverteidiger Rafinha ist auf Anhieb das Maß aller Dinge in der Bundesliga: In acht Saisonpartien musste der Rekordmeister ein nur Gegentor hinnehmen. Boateng, 23 Jahre jung, steht vor einer Zukunft, die ihm sowohl im Verein wie in der Nationalelf diverse Titelgewinner verheißt.

Keine Frotzeleien

Patrick Ebert hingegen ist mit seinen 24 Jahren bereits dienstältester Herthaner, seit 1998 dabei, Publikumsliebling im Olympiastadion. Die Fans lieben den Einsatz und die Hingabe, mit der er spielt.

Ebert und Boateng standen gemeinsam in jener U21-Nationalmannschaft, die 2009 in Schweden Europameister wurde. Der Ältere jedoch hat mehr Zeit benötigt als der Jüngere, um im Profialltag anzukommen. Jerome Boateng hat die eine oder andere Jugendsünde ausgelassen, die Ebert sich geleistet hat. Nach einem Kreuzbandriss im Vorjahr spielt der Herthaner aktuell eine entscheidende Saison. Sein Vertrag läuft bis Juni 2012. Hertha-Manager Michael will über den Stand der Verhandlungen nichts sagen, nur soviel: „Patrick ist ein Berliner Junge, er hat eine hohe Identifikation mit dem Verein. Wir würden ihn gern halten.“ Ebert hält sich dem Thema Zukunft ebenfalls bedeckt. Er verrät aber, dass er regelmäßig mit Boateng in Kontakt ist. „Wir telefonieren, simsen und sehen uns, wenn er in Berlin ist.“ Im Vorfeld des Bayern-Spiels gebe es indessen keine Frotzeleien. Ebert: „Aus dem Alter sind wir raus.“

Boateng freut sich „total auf das Spiel gegen Hertha“: Der Bayern-Verteidiger sollte sich jedoch auf einige Gegenwehr gefasst machen. Ebert sagt: „Jerome ist hoch motiviert, aber ich bin es auch.“

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