Sieg gegen Essen

Hertha darf weiter vom Pokal-Finale träumen

Mit einem am Ende klaren Arbeitssieg in Essen hat Hertha BSC die Pleiten-Serie im DFB-Pokal beendet und erstmals seit fünf Jahren wieder das Achtelfinale erreicht. Mit 3:0 setzte sich der Bundesliga-Aufsteiger bei den viertklassigen Fußball-Amateuren von Rot-Weiss Essen durch.

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Von wegen, Hertha und die Angst vor der zweiten Runde im DFB-Pokal: Nach vier vergeblichen Anläufen setzte sich der Fußball-Bundesligist mit einem schmucklosen, aber verdienten 3:0 (0:0) bei Rot-Weiss Essen durch und erreichte das Achtelfinale, das am 20./21. Dezember ausgetragen wird. „Wir sind heilfroh, dass wir diese unsäglich zweite Runde endlich mal überstanden haben“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Zudem darf sich der notorisch finanzschwache Klub über eine Einnahme von 531000 Euro freuen.

Lange allerdings tat sich der Favorit gegen den Regionalligisten schwer. Trainer Markus Babbel hatte die große Rotation gewagt. Gleich sieben Änderungen gab es gegenüber der enttäuschenden Nullnummer gegen Mainz.

Babbel rotiert auf sieben Positionen

Die Routiniers Andre Mijatovic und Levan Kobiashvili waren in Berlin geblieben. Von den Stammspielern saßen Thomas Kraft, Christian Lell, Andreas Ottl genauso auf der Bank wie Adrian Ramos. Für den Torjäger lief unweit seiner Heimat Gladbeck Pierre-Michel Lasogga auf. 14000 Fans waren gekommen, die auf einen großen Fußball-Abend im Georg-Melches-Stadion hofften. Enthusiastisch pferchte der Stadionsprecher vor dem Anpfiff die Fans auf der Ost- und der Haupttribüne zusammen, knarzend ertönte seine Stimme aus den Stadionboxen. Zwischendurch eine Musikmischung aus Heavy Metal und Schlager. Eine Einstimmung auf 90 Minuten Fußball, die so war, wie die Menschen, der Region: ehrlich und erdverwachsen.

Derzeit verfügt die Arena, die umgebaut wird, über nur zweieinhalb Tribünenseiten. „Die Westkurve lebt“ steht dort, wo sich nur noch eine historische wie provisorische Anzeigetafel befindet. Ein paar ganz Mutige stehen sogar auf der wackligen Konstruktion.

In Sichtweite, vor einem Schornstein und Strommasten und einem halben Dutzend Baukränen, zeichnen erste Tribünenteile unmittelbar angrenzend ein zartes Bild des noch namenslosen neuen Stadions. Wo das noch Zukunft ist, protestierten in der Gegenwart die RWE-Fans gegen den geplanten Abriss dessen, was sich unterhalb der Haupttribüne der maroden Spielstätte befindet: Deutschlands nach Auskunft des Vereins älteste Multifunktionstribüne. In deren Inneren befindet sich eine Sporthalle, in der sich in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wohl schon Helmut Rahn aufgewärmt hat. Vergangenheit.

In der Gegenwart forderten die RWE-Fans: „Hart treten, Hertha schlagen“. Doch den Gefallen taten die Gäste dem Viertligisten nicht. Die Berliner zeigten ihre bekannte Stärke: Dass sie nur wenig Chancen zulassen. So hatte Sascha Burchert nur eine Flanke abzufangen, ansonsten war der Hertha-Torwart vor der Pause weitgehend beschäftigungslos.

Gleichzeitig war aber eine der Schwächen des Favoriten nicht zu übersehen: Wenn Hertha das Spiel machen muss, ist nicht viel los. Die einzige Chance vor der Pause ließ Tunay Torun aus, der den Ball freistehend aus zwölf Metern am RWE-Tor vorbeischob (15.). Ansonsten gab es wenig Bewegung bei Hertha, die Laufwege wirkten nicht abgestimmt.

Das änderte sich im zweiten Durchgang mit der Einwechselung von Ramos für den enttäuschenden Änis Ben-Hatira. Der Kolumbianer sorgte für Schwung. Auch wenn der Essener Anhang nach einer guten Stunde die Gäste verhöhnte: „Erste Liga, aber keiner weiß warum“ – Hertha nahm Fahrt auf. Doch es bedurfte zweier Standards, ehe die Partie den erwarteten Verlauf nahm. Zunächst köpfte Ramos einen Eckball von Patrick Ebert ein, 1:0, (64.). Dann machte Ebert Platz für Ronny.

Rukavytsya trifft zum Endstand

Prompt legte der Brasilianer zum zweiten Tor auf. 35 Meter segelte ein Ronny-Freistoß in den Essener Strafraum, Lasogga stellte sich beim Sprung zum Ball geschickter an als RWE-Torwart Lamczyk, 2:0 (72.). Auch mit seinem dritten Wechsel bewies Trainer Markus Babbel ein glückliches Händchen: Ramos spielte den eingewechselten Nikita Rukavytsya frei, 3:0 (85.). Am Ende erledigte Hertha wie schon in der ersten Runde (4:0 in Meuselwitz) auch die Pflichtaufgabe in Essen. Damit lebt der Traum von Trainer Babbel weiter, der als Saisonziel kühn den Gewinn im DFB-Pokal ausgegeben hat.

Ebert sagte: „Das Ergebnis ist deutlicher als es dem Spielverlauf entspricht.“ Trainer Babbel fügte hinzu: „Es war für uns das erwartet schwere Spiel. Wir sind aber geduldig geblieben und nicht blind nach vorn gelaufen.“

In der Bundesliga geht es für Hertha am Sonnabend in Wolfsburg weiter.

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