Verstorbener Schatzmeister

Striek hätte alles aufgegeben - nur Hertha nicht

Der am Montag verstorbene Heinz Striek arbeitete als Hertha-Schatzmeister, Finanzsenator und Steuerberater. Doch trotz großer Erfolge in Politik und Wirtschaft war der Fußball immer seine größte Leidenschaft.

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Die Nachricht wurde zeitgleich von der SPD und von Hertha BSC verbreitet: Der frühere Berliner Finanz-Senator und Bürgermeister Heinz Striek ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Striek, 1918 in Berlin geboren, hat sich bedeutende Verdienste sowohl in der Stadt als auch im Fußball erworben. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dankte im Namen Berlins „für das vielfältige Engagement“. Striek habe sich auch besondere Verdienste für die Deutsch-Israelische Gesellschaft erworben. Werner Gegenbauer, der Präsident von Hertha BSC, sagte: „Dies ist ein trauriger Tag. Heinz Striek hat sich um Hertha BSC verdient gemacht. Wir verneigen uns vor seiner Lebensleistung.“

So sachlich und nüchtern Striek war, der gebürtige Berliner hat ein turbulentes Leben gehabt, das die Irrungen und Wirrungen dieser Stadt widerspiegelt. In seiner politischen Laufbahn wurde der gelernte Steuerberater zu Beginn der 60er Jahre Berliner Senatsdirektor für Finanzen unter dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt. Von 1967 bis 1975 übte er das Amt des Finanzsenators unter den Bürgermeistern Heinrich Albertz und Klaus Schütz aus. Im April 1975 geriet Striek in den Sog des Bauskandals um den Steglitzer Kreisel. Er stand unter Verdacht der uneidlichen Falschaussage vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Es ging in dem Korruptionsskandal um eine umstrittene Landes-Bürgschaft über 40 Millionen Mark für die Bauträger des Hochhauses im Süden Berlins. Nach einer drohenden Anzeige und staatsanwaltlichen Ermittlungen trat Striek zurück. Die Anschuldigungen gegen ihn stellten sich in späteren Gerichtsverfahren als haltlos heraus.

Striek war ein ruhiger Mann, zurückhaltend im Auftreten. Im Ton freundlich, kompetent in der Sache, konnte er sehr energisch Entscheidungen durchsetzen.

Hertha BSC profitierte mehrfach von Striek, der seit der Kindheit Fußball-Anhänger war. Das erste Hertha-Spiel sah Striek als Zehnjähriger, es war ein 3:2 gegen Viktoria 89. „Ich kann von mir behaupten, dass ich seit 1928 jedes Heimspiel von Hertha BSC gesehen habe, wenn ich in Berlin war.“ Striek liebte es listig. So bewahrte er 1971 in seiner Eigenschaft als Finanzsenator Hertha mit einer eigensinnigen Entscheidung vor dem Konkurs. Nach dem Bundesliga-Skandal war der Verein dem Ruin nahe. Also sorgte Striek dafür, dass eine Idee des damaligen Hertha-Präsidenten Heinz Warneke – der als Chef der Deutschlandhalle von Striek eingestellt worden war – umgesetzt wurde: Der Verkauf des Vereinsgeländes am Gesundbrunnen, die „Plumpe“. „Unmöglich“ hieß es bei Hertha, die Klubseele ist nicht zu verkaufen. „Unmöglich“ hieß es im Senat, das ist ein Sportplatz, dafür bezahlt niemand. Des Rätsels Lösung: Das Grundstück wurde in Baugrund umgewidmet. Auf der „Plumpe“ im Wedding wurden 440 Wohneinheiten errichtet. Und Hertha erhielt statt des ursprünglichen Verkehrswertes von einer Million Mark 6,2 Millionen. Eine Summe, die den Klub damals fast vollständig entschuldete.

Ein sachlicher Mann mit Emotionen

Striek war, anders als sein ungleicher Partner bei Hertha BSC, der im vergangenen Dezember verstorbene Wolfgang Holst, kein Mann des großen Auftritts. Strieks Wort hatte Gewicht, weil er sich gut auskannte. Bei Hertha war er lange Jahre als Schatzmeister und Vizepräsident tätig. Geehrt mit der Verdienstnadel in Gold, der Goldenen Vereinsnadel mit Brillanten und dem Hertha-Ehrenring. Als Vorsitzender des Ältestenrates stellte Striek noch auf der letzten Mitgliederversammlung im Mai den Bericht des Ältestenrates vor. Das Abgeordnetenhaus hatte Striek bereits 1985 den Titel des „Stadtältesten“ zugesprochen.

Striek war einer der wenigen Alt-Herthaner, die mit in die neue Zeit wuchsen. Dass aus Amateurspielern Profis wurden, dass aus kleinen Summen große wurden, dass Hertha mit einem Umsatz von 80 Millionen Euro nicht mehr wie ein eingetragener Verein von 1905 geführt werden konnte, sondern wie ein Wirtschaftsunternehmen – all das war Striek klar. Und gleichzeitig bemühte er sich, den Zusammenhalt im Inneren zu erhalten.

Hinter dem nüchternen Auftreten verbarg Striek durchaus Emotionen. So erinnert sich Weggefährte Heinz Warneke an ein Treffen Mitte der 1970er Jahre. Striek klagte: Die Arbeit im Senat, die Arbeit in seinem Steuerbüro, die Arbeit in den Gremien bei Hertha – er wolle einen Rat, womit er aufhören solle. Warneke riet: „Der Senat und das Büro brauchst du beruflich. Mach' Schluss mit dem Fußball.“ Die Antwort machte Striek fuchsig: „Hertha ist das letzte, was ich aufgebe.“ Er blieb seiner Leidenschaft treu. Das 0:0 gegen den FSV Mainz vor einer Woche erlebte Heinz Striek wie immer: auf der Tribüne des Olympiastadions, Seite an Seite mit seiner Frau Ilse.