Bundesliga

Hertha und Mainz überbieten sich in Ideenlosigkeit

Eigentlich wollte Hertha BSC direkt zeigen, wer Herr auf dem Platz ist: Beim 0:0 gegen Mainz war davon aber wenig zu sehen. Trotz einer erschreckend uninspirierten Leistung retteten die Berliner ein Remis. Am Ende streckten sie sich noch gegenseitig nieder.

Da saßen sie nun nebeneinander, die Fußballlehrer Markus Babbel und Thomas Tuchel, und etwa so unterschiedlich wie ihre Trainer-Philosophien gestaltete sich auch ihre Sicht der Dinge des 0:0 der von ihnen verantworteten Mannschaften Hertha BSC und Mainz 05 . Der Konzepttrainer Tuchel war „zufrieden mit unserer Leistung in diesem Auswärtsspiel“, klagte aber: „Wir waren dominant in den Zweikämpfen, im Passspiel und in der Raumaufteilung. Dafür ist ein Punkt zu wenig. Wir hatten 14 Torschüsse und zwei hundertprozentige Torchancen – das hätte genügt, dieses Spiel 1:0 oder 2:0 zu gewinnen.“

Genau entgegenlautend bilanzierte der Bauchtrainer Babbel, er war „zufrieden mit dem Punktgewinn: Unsere Innenverteidigung und unser Torwart Thomas Kraft haben mit Glück und Bravour verhindert, dass wir das Spiel verlieren. Ich bin glücklich mit dem Resultat, aber nicht mit der Leistung meiner Mannschaft.“

Zwei Trainer, zwei Meinungen – aber absolut stimmig in ihrer Gesamtbetrachtung einer wahrlich nicht sehr attraktiven Begegnung des Aufsteigers Hertha mit den nunmehr acht Spiele sieglosen Mainzern. Deren von Tuchel angesprochene Großchancen hatten Elkin Soto vor der Pause (32. Minute) und Andreas Ivanschitz (57.). Doch Thomas Kraft parierte jeweils glänzend. „Er hat uns vor einem Rückstand bewahrt“, lobte auch Abwehrspieler Christian Lell den Hertha-Torwart. Gleichzeitig kritisierte Lell das allzu mangelhafte Offensivspiel: „Wenn man sich keine Chancen erarbeitet, kann man auch kein Spiel gewinnen.“

Wohl wahr. Sinnbildlich für die gesamten 90 Minuten von Hertha BSC an einem an sich goldenen Oktobertag stand die letzte Berliner Bemühung um eine Torannäherung. Eineinhalb Minuten verblieben noch zu spielen, da trat Raffael im Strafraum in aussichtsreicher Position am Ball vorbei. Und im zweiten Anlauf traf er nur den abwehrbereiten Körper des Mainzers Nico Bungert. Hätte Herthas Spielgestalter a.D. da getroffen, „es hätte das Ganze gewaltig auf den Kopf gestellt“, gestand Trainer Babbel offen ein.

Babbel sichert das Remis

Letztlich glaubte er so oder so nicht an ein Tor seiner Mannschaft. Und so wechselte Babbel dann auch während der Partie: Statt etwa durch die Hereinnahme eines zweiten Stürmers das Signal zu mehr Offensive zu senden, tauschte er die Spieler jeweils Position für Position: Torun für Ben-Hatira, Lasogga für Ramos und Niemeyer für Lustenberger. Wenigstens ein Punkt nach schlechter Leistung war Babbel schützenswerter als die Aussicht auf erzwungenen Sieg, verbunden mit dem Risiko aber, in einen entscheidenden Konter der Mainzer zu laufen. „Ich hatte“, erklärte Babbel sein Handeln, „nicht das Gefühl, dass wir das Spiel heute gewinnen können. Ich war froh, als der Schiedsrichter abgepfiffen hat.“

Das waren wohl auch die 47.064 Zuschauer im Olympiastadion. Der forschen Ankündigung von Babbel, im Spiel eins nach dem desaströsen 0:4 beim FC Bayern müssten die Seinen gegen einen „Gegner auf Augenhöhe“ nun wieder „von Anfang an auf dem Platz zeigen, dass es gegen uns nichts zu holen gibt“, konnte sein Team zu keinem Zeitpunkt Folge leisten. Stattdessen stand die Leistung in einem Range mit dem mutlosen 0:1 zum Saisonauftakt gegen Nürnberg. In die Rubrik „Torchance“ fielen einzig ein Distanzschuss von Raffael nach zehn Minuten sowie diese Sequenz nach rund einer halben Stunde: Da zog Patrick Ebert erst einen Freistoß von der Seite direkt aufs Tor, die anschließende Kopfball-Bogenlampe von Adrian Ramos senkte sich gefahrlos aufs Tornetz.

Raffael ohne Akzente

„Zu wenig aggressiv“, erlebte Torwart Kraft seine Vorderleute. Es lag daran, dass Raffael einmal mehr keinen Zugriff auf das Spielgeschehen fand; und auch die Außen – Ebert rechts, Ben-Hatira und später Torun links – produzierten keine an vorderster Front verwertbare Hereingabe. Die Mainzer machten es in letzter Konsequenz kaum besser. Das war Glück für die Berliner, denn fast agierten die Gäste im Stile einer Heimmannschaft, attackierten früh – aber machten eben ebenso kaum etwas aus ihren Ballgewinnen.

Größter Aufreger der zweiten Halbzeit war somit schon der Tritt, mit dem Andre Mijatovic Mitspieler Fabian Lustenberger nach 71 Minuten in die Hände der medizinischen Abteilung beförderte. Bei einem Klärungsversuch im eigenen Strafraum traf er den Schweizer mit der Sohle seines Stollenschuhs gegen den Kopf. Recht ungerührt sagte Mijatovic: „Er hat zu spät ‚Leo’ gesagt (Fußballersprache für „bleib’ weg, ich hab’ ihn“ – d.R.), aber ich glaube, es ist nicht so schlimm.“ Tatsächlich hatte Lustenberger Glück: Außer einer zwei Zentimeter langen Platzwunde, die getackert wurde, erlitt er keinen gesundheitlichen Schaden.

Bis zu seinem Ausscheiden war Lustenberger der heimliche Gewinner in Reihen der Berliner gewesen. Unerwartet hatte Babbel ihn statt des bislang gesetzten Peter Niemeyer im zentralen Mittelfeld in die Startelf beordert. Im Mannschaftshotel hatte Niemeyer davon erfahren und „war überrascht“; auch eine Begründung hatte er vom Trainer nicht erfahren. Die lieferte der Trainer nach dem Spiel: „Peter hatte wegen Rückenbeschwerden zwei Tage nicht trainiert. Ich wollte ihm mal eine Pause gönnen, weil wir Mittwoch ja schon wieder im DFB-Pokal spielen.“ In der Form von Sonnabend ist das keine vergnügliche Aussicht; auch nicht gegen Regionalligist Rot-Weiß Essen.

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