Bundesliga

Herthaner Janker soll Podolski stoppen

Vom Dauerreservisten zum geforderten Rechtsverteidiger. Wenn Christoph Janker im kommenden Spiel gegen Köln den gesperrten Christian Lell ersetzen wird, erwartet ihn eine besondere Aufgabe – den leistungsstarken Podolski stoppen.

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Es ist nicht ganz einfach, mit Christoph Janker ins Gespräch zu kommen. Das liegt zum einen daran, dass bei Hertha BSC meist andere im Fokus stehen. Andre Mijatovic etwa, der Kapitän. Peter Niemeyer, Andreas Ottl und Christian Lell. Oder Publikumsliebling Patrick Ebert. Aber selten Christoph Janker, der Dauerreservist des Berliner Bundesligisten. Und wenn er dann schon einmal gefragt ist, so wie in dieser Woche, da Janker am kommenden Sonnabend eine nicht ganz unbedeutende Aufgabe zuteil werden wird – da mag dann eben der Hertha-Profi mit der Nummer „6“ nicht reden.

Lieber nach dem Spiel gegen Köln, lässt er ausrichten. Vorher scheut Janker Schlagzeilen, wie sie ihm vor seinem geistigen Auge schon erscheinen: „Dieser Mann“ – und dann ein dicker Pfeil aufs Foto – „soll Lukas Podolski stoppen!“ Doch es stimmt, ausgerechnet Janker, der vielleicht am wenigsten bekannte Hertha-Profi, soll am Sonnabend einen der derzeit überragenden Fußballer in der Bundesliga ausschalten. Weil mit Christian Lell die sonst unumstrittene Kraft hinten rechts im Berliner Gefüge wegen einer Gelb-Roten Karte Pause hat, bekommt Janker einen Stammplatz – für genau ein Spiel. „Ja, er ist einer für die Startformation“, bestätigt Trainer Markus Babbel innerlich schon weit fortgeschrittene Planspiele. Er sehe Janker hinten rechts „vor Maik Franz“. Dabei war jener Ex-Frankfurter erst im Sommer ausdrücklich verpflichtet worden, weil er zentral und auch rechts außen im Abwehrbereich eine Verstärkung sei.

Janker hingegen gehört quasi zum Inventar bei Hertha. Als einer von nur noch sieben Profis im aktuellen Kader erlebte er das Debakel des Abstiegs mit. Er flüchtete danach nicht wie viele andere. Sondern wollte mithelfen, den Schaden zu reparieren. Es blieb beim guten Willen. Im nunmehr dritten Jahr in Diensten von Hertha kommt Janker noch immer erst auf ganze 21 Einsätze, davon sogar nur sechs über 90 Minuten. Auch bedingt durch Verletzungen, immer wieder Verletzungen – bis hin zu einer langwierigen Verletzung im rechten Oberschenkel, die zwischenzeitlich sogar den Fortbestand von Jankers Karriere in Frage stellte.

So diente der 26-Jährige den diversen Hertha-Trainern seiner Zeit im besten Fußballeralter meist nur als taktisches Mittel, um in der Schlussphase Siege ins Ziel zu retten. Aber so ist er, der Janker: immer da, wenn er gebraucht wird. Und gebraucht wird er jetzt. Als Lell in Bremen vom Platz flog, zögerte Babbel keine Sekunde. Er schickte eben nicht Franz aufs Feld. Sondern Janker, und „sensationell“, befand der Trainer, habe Janker sich bei zwei Mann Unterzahl geschlagen.

Jetzt wartet Podolski, dieser Kölner Volksheld mit der Nummer „10“ auf dem Rücken. Gegen ihn sahen zuletzt schon ganz andere schlecht aus. Zuletzt der Hoffenheimer Andreas Beck, und bei dem ist es gerade etwas mehr als ein Jahr her, dass er kurz vor einer WM-Teilnahme stand.

Bei Podolski schien noch vor wenigen Wochen eine solche Feststellung undenkbar – aber Grund für seine neue Dominanz scheinen das System und immer mehr auch die Person von Kölns Trainer Stale Solbakken. Ständige Beobachter des FC attestieren Podolski einen Reifeprozess vor allem charakterlicher Art. Auf den Entzug der Kapitänsbinde durch Solbakken – wohl mindestens unter Duldung von Sportdirektor Volker Finke – reagierte Podolski nicht etwa mit einem Leistungseinbruch. Die öffentliche Degradierung durch seine Vorgesetzten schien ihm ganz im Gegenteil der Anlass zu zeigen: jetzt erst recht! Zusätzliche Motivation erlangt der Kölner durch die EM in seinem Heimatland Polen im kommenden Sommer. An diesem Turnier will Podolski nicht nur teilnehmen. Er will herausragen. Doch dafür muss er zunächst die nationale Konkurrenz fernhalten.

Die EM in Polen als Motivation

Am leichtesten gelingt das über Leistungen im Verein. Zwar hatte Podolski anfangs arg zu kämpfen mit Solbakkens fester Vorstellung von konzeptionellem Fußball. Doch war er schon immer einer der besten Konterstürmer Deutschlands; seine Dynamik vereint er mit dem seltenen Talent, mit dem Ball am Fuß kaum an Tempo zu verlieren. So ist Solbakkens System, in dem alle Mann hinter dem Ball verteidigen müssen, aber nach dessen Eroberung schnell und vertikal nach vorn ausgeschwärmt wird, inzwischen nahezu ideal für einen wie Podolski. In dieser Saison hat Podolski schon vier Tore produziert und ebenso viele Torvorlagen. „Er ist unser bester Spieler, vielleicht ist er sogar der beste Spieler der Bundesliga“, lobt Trainer Solbakken.

Jankers Aufgabe am Sonnabend ist es, das Hinzukommen weiterer Scorerpunkte zu unterbinden. Mancher unkt bei dieser Vorstellung schon sorgenvoll: Wenn das mal gut geht. Eine Antwort darauf haben aber schon vor geraumer Zeit zwei der Jüngsten im Team von Hertha gegeben. Von welchen Kollegen sie gemessen an fußballerischen Fertigkeiten am meisten lernen könnten, wurden da Nico Schulz und Marco Djuricin gefragt. Raffael und Adrian Ramos fielen ihnen prompt ein. „Aber auch von Django können wir viel lernen“, sagten sie unisono.

Django, das ist der wortkarge Einzelgänger aus dem gleichnamigen Westernklassiker. Im Film macht Django kurzen Prozess mit seinen Gegnern. Das hat am Sonnabend auch Janker vor, den ein jeder bei Hertha nur Django ruft.

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