Bundesliga

Hertha setzt in Bremen auf den Auswärtstrend

Nach dem Sieg bei Meister Dortmund drängt Hertha BSC in Bremen auf die nächste Überraschung. Im Jahr 2011 haben die Berliner auswärts noch nicht verloren. Damit liegen sie voll im Bundesligatrend, denn die Zahl der Auswärtssiege steigt.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Der Spielplan meint es gut mit Hertha BSC. Nicht, dass ein Sonntagabend unbedingt der dankbarste Termin für ein Spiel der Fußball-Bundesliga wäre. Auch die 400 Kilometer lange Fahrt zum SV Werder Bremen ist nicht unbedingt eine Traumvorstellung. Aber, und nur darum geht es: Die Partie am Sonntag um 17.30 Uhr ist ein Auswärtsspiel, weit weg von Berlin und dem Olympiastadion. Und damit wie geschaffen für den Berliner Aufsteiger, der nach dem sensationellen Sieg bei Borussia Dortmund auf die nächste Überraschung drängt.

Fünf Punkte holten die Berliner bislang in der Ferne, dem gegenüber stehen nur vier Heimpunkte. Im Jahr 2011 ist Hertha auswärts noch ungeschlagen, auch wenn in dieser vor allem in der Zweiten Liga – und damit auf niedrigerem Niveau – gespielt wurde.

Vor allem aber die Art und Weise, mit der die Mannschaft bislang auftrat, zeigt: Auswärts geht es derzeit irgendwie leichter. Herthas Kapitän Andre Mijatovic sagt: „Auswärts haben wir uns bislang klar besser präsentiert, auch wenn wir daheim einen Schritt nach vorne gemacht haben.“

Wieder einmal Hoffnung auf Konter

Und so musste sich auch Trainer Markus Babbel die Frage gefallen lassen, ob ihm die Vorstellung eines weiteren Auswärtsspieles ganz gut gefalle. Um die Antwort druckste er dann wenig herum: Nein, so könne man das nicht sagen. Bremen sei eine sehr spielstarke Mannschaft, aber: „Ich habe die Hoffnung, dass wir gut verteidigen, aber trotzdem ab und an eine Entlastung bekommen und so zu Chancen kommen. Die müssen wir eiskalt nutzen.“

Damit umschrieb der Trainer eine Taktik, die derzeit bei einem Großteil der Mannschaften der Bundesliga vor allem auswärts zur Anwendung kommt – mit Erfolg. Bislang haben sieben Mannschaften mehr Punkte auswärts als im heimischen Stadion geholt: Der FC Bayern, Hertha BSC, Nürnberg, Leverkusen, Mainz, Köln und Augsburg. Nimmt man jetzt noch zwei Mannschaften hinzu (Hoffenheim und Wolfsburg), die bislang genauso viele Punkte auswärts wie zu Hause holten, zeigt sich: Exakt die Hälfte der Bundesligisten ist derzeit nicht in der Lage, den vielbeschworenen Heimvorteil für sich zu nutzen. Nur Zahlenspielerei? Beileibe nicht. 2009/10 gab es mit 95 bereits einen Rekord an Auswärtssiegen, dieser Wert wurde im vergangenen Jahr noch einmal übertroffen: 102 Mal sahen die Fans Siege der angereisten Teams. In der Abschlusstabelle aber gab es „nur“ zwei Mannschaften, die das seltene Kunststück fertig brachten, auswärts besser zu sein (Leverkusen und Mainz), Gladbach schaffte einen Gleichstand. Experten erwarten für diese Saison deshalb einen erneuten, deutlichen Rekord. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren holten sowohl in der Saison 2000/01 als auch im Jahr darauf alle Klubs mehr Punkte im eigenen Stadion als in der Fremde.

"Defensiv spielen kann jeder, offensiv nur Barcelona"

Inzwischen glauben auch die Fans an einen radikalen Wechsel der Spielweisen. So stimmen ganze 63 Prozent der Nutzer von immerhertha.de, dem Blog von Morgenpost Online, der Aussage zu: „Die neue Auswärtsstärke der Bundesligisten ist kein Zufall, sondern ein Trend, der weiter anhalten wird.“

Aber warum? Herthas Verteidiger Levan Kobiashvili sagt: „Verteidigen ist einfacher. Defensiv spielen kann jeder, offensiv spielen nur der FC Barcelona.“

Mit der Qualität hat das Ganze aber nur bedingt zu tun, schließlich gehören dem illustren Kreis auch Meisterschaftsfavoriten an. Vielmehr geht es um ein Wort, dass man seit ein, zwei Jahren vor jedem Spiel zu hören bekommt: „kompakt“. Alles und jeder muss immer kompakt stehen, es ist letztlich nichts anderes als die sprachliche Übersetzung des neumodischen 4-2-3-1-Systems, in dem auch Hertha überwiegend spielt. Das „kompakte“ Mittelfeld aus fünf Spielern stellt die Räume dann konsequent zu, bei Fehlern der Heimmannschaft lauert der einzige, schnelle Stürmer auf Konterchancen. Spielstarke Teams wie Dortmund werden zermürbt. „Ich erwarte in Bremen keinen großen Unterschied zu dem Spiel in Dortmund“, sagt Babbel, und kündigt damit wieder eine Mauer-Taktik an, „Bremen ist vielleicht noch einen Tick zielstrebiger, deshalb müssen wir die Räume noch besser zustellen“, fordert der Trainer.

Von Libero bis Doppel-Sechs

Kompakt, zustellen – ein wenig kommt, nicht nur bei Hertha, da schon einmal der Eindruck auf, die Teams hätten keine Lust mehr, das Spiel selber zu machen. Sicher, der Fußball entwickelt sich weiter. Nach dem Libero kamen die Viererketten, die Raute, nun eben ein 4-2-3-1 mit Doppel-Sechs. Die Frage wird nur sein: Welche Mannschaft findet als erste Mittel gegen diese Abwehrblöcke?

Hertha jedenfalls wird gute Chancen haben, eine ähnliche Taktik zu fahren wie in Dortmund. Das Bremer Publikum ist derzeit verwöhnt, mit einem Sieg könnte das Team von Thomas Schaaf sogar Tabellenführer werden. Spielaufbau und Ballbesitz werden wohl zu großen Teilen bei Werder liegen. Herthas schnellster Stürmer Adrian Ramos ist nun doch fit und kann Sonntag spielen, er wird bei Gegenstößen für reichlich Wirbel in der Bremer Abwehr sorgen – die, mit ein bisschen Glück, nach dem Weggang von Per Mertesacker noch ein bisschen wackelig steht. Kapitän Mijatovic jedenfalls sagt: „Wir fahren mit breiter Brust dahin. Wir sind Hertha BSC. Wir müssen uns nicht verstecken.“ Ach, wie gut täte ein solches Selbstvertrauen auch vor einem Heimspiel.

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