Provokante Äußerungen

Hertha-Fans gespalten über Babbels Kritik

Mit seinen Aussagen über die Mentalität der Berliner hat Markus Babbel indirekt auch die Fans von Hertha BSC angegriffen. Die Anhängerschaft ist geteilter Meinung: Einige sind enttäuscht, andere wiederum sagen: Der Trainer hat Recht.

Für die Aufregung vor dem Heimspiel sorgt ausgerechnet der Trainer. Markus Babbel (38) hat sich unmittelbar vor der Partie am Freitag im Olympiastadion gegen den VfB Stuttgart (20.30 Uhr/live bei Sky und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) bei Stuttgarter Medien über seinen Arbeitsort ausgelassen. Genauer gesagt, Babbel hat die allgemein bekannten Klischees zu heftigen Angriffe gegen Berlin benutzt. Die Stuttgarter Nachrichten zitieren den Trainer so: „Hertha BSC hat gelernt, demütig zu werden. Der Berliner an sich neigt tendenziell gerne mal zum Größenwahn. Er ist laut, redet viel, will viel – aber getan wird oft erstmal wenig“, schwadroniert Babbel über den Menschenschlag in der Hauptstadt. Diese Mentalität habe sich „in der Vergangenheit manchmal auch so durch den Klub gezogen.“

Moment, die Berliner – sind das nicht die Menschen, die mit Hertha mitfiebern? Die die Daumen gedrückt haben, dass der Aufstieg aus der Zweiten Liga gelingen möge? Die ihr Geld und ihre Zeit für den Verein ausgegeben haben? Und dafür gesorgt haben, dass Hertha mit einem Schnitt von gut 46.000 Besuchern für einen Europarekord für Zweitligisten gesorgt hat?

Erstaunlich. Während andere Sportler, Künstler oder Studenten alles dafür tun, nach Berlin zu kommen, weil sie die Hauptstadt als spannende Metropole empfinden, sagt Babbel: „Im Ländle ist alles seriöser – es wird erst einmal gearbeitet, bevor man viel redet. Das weiß ich zu schätzen.“

Babbel schwärmt vom Ländle

In der vergangenen Saison gab es von Babbel kaum ein Interview, in dem er nicht darauf verwies, Berlin eigentlich nicht zu kennen. Er arbeite bei Hertha, habe keine eigene Wohnung, sondern wohne im Hotel, um sich auf den Job konzentrieren zu können. Wann immer es sich einrichten ließ, war Babbel auf Heimatbesuch bei der Familie, die in München lebt. Mit dem Aufstieg verlängerte sich sein auf ein Jahr befristetes Engagement um eine weitere Saison. Ursprünglich wollte Babbel samt Familie komplett nach Berlin übersiedeln. Er tat es nicht. Offiziell, um die gerade eingeschulte Tochter nicht wieder aus ihrem Umfeld zu entwurzeln.

Babbel wird sich nicht damit herausreden können, dass er sich, sozusagen aus Versehen, in Rage geredet habe. Weil seine Bedenken gegen Berlin grundsätzlicher Natur zu sein scheinen. In einem anderen Interview, diesmal bei der Stuttgarter Zeitung, fährt Babbel gegen die hiesigen Medien schwere Geschütze auf: „Was die Medienlandschaft betrifft, war Stuttgart ein echter Hochgenuss. Da hat es richtig Spaß gemacht. In Berlin dagegen ist alles schwieriger. Hier gibt es zehn Tageszeitungen, die untereinander in knallhartem Konkurrenzkampf stehen und Schlagzeilen produzieren, dass einem die Haare zu Berge stehen. Da wird nicht nur unglaublich viel, sondern häufig auch unglaublich unsachlich berichtet. Es ist sehr schwierig, hier in Ruhe zu arbeiten.“ Das ist nun ungeschickt. Der Vertrag von Babbel läuft bis Juni 2012. Welche Unterstützung erwartet der Trainer, wenn er seine Verachtung so unverhohlen formuliert?

Fans unterstützen Babbel

Dabei trägt der Rundumschlag beinahe tragische Züge. Weil Babbel bisher von den Fans als sympatisch wahrgenommen worden ist. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt hatte Babbel mit offensiven, forschen Tönen den Verein aus seiner bleiernen Abstiegstrauer befreit. Ob vor Anhängern oder Mitgliedern, vom ersten Tag an hatte Babbel das ehrgeizige Ziel sofortiger Wiederaufstieg und Zweitliga-Meisterschaft formuliert. Beide Vorhaben hat Babbel mit Hertha erreicht. Alles war gut.

Bei den Saisonzielen herrscht sowohl in der Stadt, bei den Fans als auch im Verein Realismus. Ziel von Hertha BSC ist der Klassenerhalt. Zwei Unentschieden und eine Niederlage aus den ersten drei Partien zeigen, wie schwer das Spieljahr wird. Babbel, der nun die Großmäuligkeit in der Stadt kritisiert, hatte neun Punkte aus den ersten Erstliga-Spielen gefordert – und den Gewinn des DFB-Pokals.

Die Medien, mit denen Babbel so unzufrieden ist, hat er fleißig benutzt. Um das zu platzieren, was intern ausdrücklich zum Tabuthema erklärt worden war: Kritik an anderen über die Öffentlichkeit zu üben. Babbel hat allein in den vergangenen Wochen Raffael abgewatscht, dann Maikel Aerts, dann Rob Friend, zuletzt war Ronny an der Reihe. Im Einzelfall mag es Gründe geben, einen Profi derart herauszufordern. Aber in der Häufigkeit, in der Babbel es praktiziert, mutet diese Art der permanenten Spieler-Schelte hilflos an.

Wobei Babbel in Stuttgart auch gegenteiliges, positives über Berlin geäußert hat: „Ich möchte klar betonen: Ich fühle mich bei der Hertha, in Berlin allgemein sehr wohl. Ich möchte etwas aufbauen und bekomme die Gelegenheit dazu.“

Die Äußerungen Babbels rufen sehr verschiedene Reaktionen hervor. Im Klub finden sie an den Äußerungen den leitenden Angestellten nichts auszusetzen. Hertha war informiert über die Interviews. Präsident Werner Gegenbauer ließ ausrichten, er werde nichts sagen.

Im Morgenpost-Blog immerhertha.de gab es geteilte Meinungen. So schrieb der Nutzer Herthinho: „Aus marketingtechnischen Gründen sind die Äußerungen äußerst unglücklich und vereinsschädigend. Babbel sollte schon zu einem klärenden Gespräch zu seinem Vorgesetzten zitiert werden.“ Die meisten Kommentatoren unterstützten jedoch den Trainer. Der User @Lupus sagte: „Ick bin geborener Berliner, aber wat hier abjeht jeht uff keene Kuhhaut. Babbel hat in seiner Aussage doch nur gesagt, dass er die Berliner Presselandschaft schwierig findet und der Berliner zum Größenwahn neigt. Stimmt doch alles.“ Der Nutzer Dan schrieb: „Hallo, also mehr Verbundenheit zu den Berlinern als mit diesem Satz kann Babbel doch gar nicht zeigen: „Er ist laut, redet viel, will viel – aber getan wird oft erst mal wenig. – Babbel und die Berliner – eine Einheit.“

=> Hat Babbel mit seiner Berlin-Kritik Recht? Stimmen Sie ab auf unserem Hertha-Blog immerhertha.de