1:1-Unentschieden

Hertha holt verdienten Punkt in Hannover

In einer umkämpften Partie hat Hertha BSC am Sonntag gegen Hannover 96 unentschieden gespielt. Den Ausgleich zum 1:1-Endstand erzielte Pierre-Michel Lasogga in der 83. Minute. Glück hatten die Berliner kurz vor Schluss der Partie.

So höflich die Trainer nach dem Spiel waren, so verbissen hatten ihre Mannschaften zuvor 90 Minuten bis an die Grenze des Erlaubten und manchmal darüber hinaus agiert. „Das war ein tolles Tor“, lobte Hannovers Trainer Mirko Slomka den späten 1:1-Ausgleich von Hertha BSC: „Ein doppelter Doppelpass, mit starker Flanke.“ Das war die erste Schlüsselszene aus Berliner Sicht. Ein starker Antritt samt starker Flanke von Christian Lell, den der eingewechselte Pierre-Michel Lasogga in klassischer Torjäger-Manier unhaltbar ins lange Eck verlängert.

Dass der erste Bundesliga-Treffer des Jungstars auch den 1:1-Endstand bedeutete, hatte Hertha dem Schiedsrichter-Team von Robert Hartmann zu verdanken. In der 89. Minute landete ein weiter Freistoß von Christian Pander durch ein großes Getümmel hinweg im Berliner Netz. Der Schiedsrichter-Assistent entschied jedoch auf Foul von Hannovers Ya-Konan. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, ärgerte sich 96-Trainer Mirko Slomka. Herthas Trainer Markus Babbel sagte: „Diese Entscheidung muss man nicht zwingend treffen, insofern bin ich sehr zufrieden, dass wir mit einem Punkt heimfahren.“

Im Mittelpunkt des Interesses stand indessen Lasogga. Zum zweiten Mal in Folge schmorte der 19-Jährige zunächst auf der Bank. „Der Trainer wollte Pierre etwas kitzeln“, ordnete Christian Lell die Maßnahme ein. Babbel sagte, es sei eine harte Entscheidung gewesen, Lasogga in der Startelf aufzustellen: „Aber jeder muss lernen, egal in welcher Funktion, alles für den Verein zu geben. Das hat Pierre sehr gut umgesetzt. Ich bin froh, dass er sich selbst belohnt hat.“ Manager Michael Preetz freute sich: „Das war ein Angriff wie aus dem Lehrbuch. Und egal in welcher Liga – Pierre hat einfach eine Nase für solche Situationen.“

Mit seinem Ausgleich bescherte Lasogga dem Aufsteiger den zweiten Auswärtspunkt in Folge. Wie bereits in Hamburg (2:2) bewies die Mannschaft Stehvermögen und glaubte trotz des zwischenzeitlichen Rückstandes und der Kulisse von 41200 Zuschauern, die Hannover enorm unterstützten, an ihre Chance. Dabei hatten sich die Gäste selbst das Leben schwer gemacht. Die Mannschaft hatte mit hohem Aufwand vieles richtig gemacht. Aber mit eigenem Unvermögen zerstört, was so mühevoll aufgebaut worden war.

In der WM-Arena war es eine Fehlentscheidung von Raffael, die Hertha ins Hintertreffen brachte. Der Brasilianer stand in der bei einem 30-Meter-Freistoß für Hannover in der Mauer. Sergio Pinto lief an – und Raffael aus der Mauer heraus. Der 96er zirkelte den Ball exakt durch diese Lücke, flach im linken Eck schlug der Ball ein, 0:1 (33.). Torwart Thomas Kraft sagte: „Ärgerlich.“ Babbel wurde sarkastisch: „Das Gegentor geht auf meine Kappe. Ich habe den Spielern vorher nicht gesagt: Wenn einer aus der Mauer weggeht, muss ein anderer einrücken.“

Maik Franz an der Nase verletzt

Eigentlich war Hertha gut vorbereitet auf die gegnerische Spielweise. Babbel hatte dieselbe Startelf aufs Feld geschickt wie in der Vorwoche in Hamburg. Die Berliner hatten sich vorgenommen, die Hausherren erst gar nicht ins Spiel kommen zu lassen. So lieferte sich Maik Franz beinharte Duelle unter anderem mit Konstantin Rausch, der dem Verteidiger den Ellenbogen ins Gesicht rammte. Franz spielte durch, wird aber heute wegen Verdacht auf Nasenbeinbruch geröntgt.

Bei Ballverlusten machte Hertha das Spielfeld sofort sehr eng, versuchte die gefürchtet schnellen 96-Konter nicht entstehen zu lassen. Diese Taktik hielten die Berliner in der ersten Hälfte durch, ohne jedoch nach vorne zu spielen. Sowohl Tunay Torun als auch Patrick Ebert hatten kaum gelungene Aktionen. Babbel: „Uns hat der Mumm gefehlt.“

Nach der Pause mussten die Berliner angesichts des Rückstandes mehr riskieren, nun bekamen die Zuschauer einen offenen Schlagabtausch zu sehen. Nach einer Stunde brachte Trainer Babbel Lasogga für Torun. Gleich mit seiner ersten Aktion sorgte er für frischen Wind: Per Hacken-Vorlage bediente Lasogga Ramos – doch der Kolumbianer zog den Ball links am Tor vorbei (61.). Niemeyer köpfte, Torwart Zieler parierte, den Abpraller jagte Ramos über die Latte (63.). Auf der Gegenseite musste Torwart Kraft einen Rausch-Freistoß parieren (67.). Als die Skeptiker schon meinten, dem Neuling fehle es an Durchschlagskraft, kam der fulminante Antritt von Lell samt energischem Abschluss von Lasogga – 1:1.

Der gab später beim Medien-Marathon artig den Teamplayer. Nein, er habe sich keinen Kopf über seine Situation gemacht. „Ich bin Mannschaftsspieler“, sagte Lasogga, „wenn ich eingewechselt werde, reiße ich mir eben als Joker den A… für die Mannschaft auf. Mit dem Punkt können wir sehr zufrieden sein.“

Mit seinem ersten Bundesligatreffer hat der Youngster die Hoffnungen auf seine Erstligatauglichkeit bestätigt. Und damit ungewollt die Lage von Rob Friend (30) verschärft. Bei dem Kanadier darf man zehn Tage vor Ende der Transferfrist gespannt sein, wie es in dieser Personalie weitergeht. Friend stand beim dritten Saisonspiel zum dritten Mal nicht im Kader. Viel deutlicher kann eine sportliche Führung einem Profi nicht signalisieren, dass mit ihm derzeit nicht gerechnet wird.

Wenn Friend seinen Vertrag nicht nur aussitzen, sondern spielen will, liegt es an ihm und seinem Berater Andreas Kirsch, eine Zukunft außerhalb von Berlin anzugehen. Kirsch, ein Rechtsanwalt, hat mehrfach behauptet, sich vor Anfragen für Friend kaum retten zu können. Angeblich hätten ihn Feyenoord Rotterdam, Klubs aus England und der Türkei sowie mindestens zwei Bundesligisten kontaktiert.

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