Hertha BSC

Raubein Franz sammelt Gelbe Karten für Kinder

Herthas Maik Franz ist ein eisenharter Innenverteidiger und den Fans als Platzrüpel bekannt. Aber er hat auch ein großes Herz und bezahlt jetzt für jede seiner Gelben Karten 500 Euro für einen guten Zweck. Für den Verein "Kinderträume" lohnt sich das.

Foto: BM/JÖRG KRAUTHÖFER

In der kommenden Woche wird die Freude sicher groß sein beim Verein „Kinderträume“ in Berlin. Dort, wo versucht wird, lebensbedrohlich erkrankten Kindern ihre sehnlichsten Wünsche zu erfüllen, wird dann eine größere Überweisung eingehen. 12.000 Euro hoch wird sie sein, und sie kommt von einem, dem man das – zumindest von seinem Image her – gar nicht zugetraut hätte: Maik Franz, dem eisenharten Innenverteidiger in Diensten von Hertha BSC.

Seit drei Jahren unterstützt der 30-Jährige die Berliner Initiative, für jede Gelbe Karte zahlt Franz freiwillig 500 Euro. Und jetzt ist mal wieder Zahltag. „Ich werde den Betrag für die letzten beiden Jahre überweisen“, kündigt Franz an, „da kommt dann ganz schön was zusammen.“ 24 Gelbe Karten haben sich insgesamt angesammelt – es wird sich also lohnen für die Kinder. „Das mit den Kindern ist etwas ganz Besonderes, aber ich halte das lieber im Hintergrund“, sagt Franz. „Sonst heißt es: Der will nur sein Image aufpolieren.“ Das aber hat Franz längst aufgegeben, obwohl in der rauen Schale ein weicher Kern steckt. Woher kommt also der Mythos um Maik Franz?

Seine Statistik

Ohnehin ist nicht so ganz klar, warum Franz das Image des Rüpels der Liga tragen muss. Gut, in der vergangenen Saison wurde er mit 13 Karten so oft verwarnt wie kein anderer Spieler. Um ein Haar hätte er dabei sogar den Kartenrekord von Tomasz Hajto übertroffen, der das unrühmliche Kunststück vollbrachte, in einer Spielzeit 16-mal verwarnt worden zu sein. „Ich war elf Spieltage lang verletzt, sonst hätte ich den Rekord geknackt“, glaubt Franz. Aber: Ihm per se deshalb eine unfaire Spielweise zu unterstellen, wäre unfairer, als Franz es je war. In der vergangenen Saison beging er 32 Fouls, im Schnitt also nicht einmal zwei pro Spiel – das ist sehr wenig für einen Innenverteidiger. Auch seine Gesamtstatistik klingt schlimmer, als sie in Wirklichkeit ist: In seiner gesamten Karriere sah er bislang 84 Gelbe Karten, sechsmal wurde er des Feldes verwiesen, dreimal mit glatt Rot. Damit belegt er im Ranking der „Sünder“ den elften Platz. Franz sagt: „Wer genau hinschaut, sieht, dass ich niemand bin, der kreuz und quer über den Platz grätscht.“

Sein Image

Irgendwann war es Franz leid, gegen sein Image als Raubein anzukämpfen. Er machte das Beste daraus und nahm es einfach an. Auf seiner Homepage bezeichnet er sich selbst als Iron-Maik, ein Spitzname, den ihm die Fans des Karlsruher SC einst gaben. Er hat ihn beibehalten und sogar zur Marke kultiviert. In seinem Fanshop bietet er T-Shirts mit der Aufschrift „Explosive – Do not provoke an“ an, für die Damen gibt es das Top mit dem Slogan „Mrs. Franz – because Players are better lovers“. Franz sagt: „Besser, du hast ein Image, als dass man als farbloser Profi durch die Bundesliga geht.“

Was bisweilen zu kuriosen Situationen führen kann: So lobte Schiedsrichter Markus Merk, inzwischen als TV-Kommentator aktiv, nach dem Spiel gegen Nürnberg: „Maik Franz, null Fouls, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.“ Einigen Gegenspielern gefällt sein Auftreten dennoch nicht. Nationalstürmer Mario Gomez etwa, der damals mit dem VfB Stuttgart gegen Karlsruhe gespielt hatte, machte seine Kritik öffentlich.

Nach dem Spiel wählte er deutliche Worte Richtung Franz: „Es ist so, dass ich im Fußball jeden Gegenspieler respektiere, aber nicht dieses Arschloch. Er ist einfach ein unfairer Sportsmann.“ Später relativierte Gomez seine Ausdrucksweise, blieb im Kern aber bei der Kritik. Auch in Bremen hat Franz nach dem Gastspiel mit Eintracht Frankfurt in der vergangenen Saison nicht mehr so viele Freunde. Nachdem er Denni Avdic bei einem Kopfballduell mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen hatte, meinte Bremens Trainer Thomas Schaaf: „Wir machen Kampagnen für Fairplay und dieser Spieler tritt sie mit ganz großen Schuhen.“ Torsten Frings wetterte: „Maik Franz spielt immer an der Grenze. Wenn der Schiri es zulässt, haut er auch mal einen ins Krankenhaus.”

Sein Privatleben

Privat zumindest ist Franz ein ganz ruhiger Typ. Der Zugang aus Frankfurt hielt sich in den ersten Wochen zurück, trainierte hart, aber abseits des Platzes trat er schon fast auffallend zurückhaltend, höflich und reflektiert auf. „Ein Typ wird man nicht durch große Sprüche, ein Typ wird man auf dem Platz“, sagte er. Abseits dessen präsentiert er sich für einen Profi ungewohnt offen. Auf seiner Homepage hat er Fotos von sich und seiner Freundin Eva eingestellt und verrät, dass es für ihn nichts Schöneres gibt, als mit ihr gemeinsam zu kochen. Oder dass er, hätte es mit der großen Fußball-Karriere nicht geklappt, auf jeden Fall Polizist geworden wäre. Und auf die Frage nach seinem schönsten Erlebnis sagt Maik Franz: „Unsere intakte Familie. Etwas Schöneres und Besseres gibt es nicht.“ Das ist auch sein Lebensmotto: Es gibt Menschen, denen es schlechter geht als mir. Um einige kümmert davon er sich persönlich.