Last-Minute-Ausgleich

Mijatovic zerstreut Zweifel an Herthas Qualität

Mit seinem Ausgleich beim HSV hat Herthas Andre Mijatovic nicht nur sich, sondern dem gesamten Team viele Diskussionen erspart. Für den 31-Jährigen ist Berlin die letzte Chance, sein Image als ewiger Zweitligaspieler abzulegen.

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Lob wollte Andre Mijatovic nicht annehmen. „Es ist schön für die Mannschaft, dass wir nach dem Aufwand, den wir betrieben haben, nicht mit leeren Händen nach Hause fahren.“ Dabei hatte der Innenverteidiger mit einem wuchtigen Kopfball Hertha BSC zwei Minuten vor Ende den 2:2-Ausgleich beim Hamburger SV gesichert. Der Kapitän hatte mit seinem Tor einen Fehlstart des Aufsteigers verhindert – und den Teamgeist unterstrichen. Trotz einer stark verbesserten Vorstellung in Hamburg (gegenüber der Auftaktpleite gegen Nürnberg) lief Hertha zweimal in der Partie einem Rückstand hinterher.

Daran hatte Mijatovic seinen Anteil. Mit einem ebenso unbeholfenen wie nicht zu übersehenden Trikotzupfer gegen HSV-Stürmer Mladen Petric im eigenen Strafraum verursachte der Abwehrchef einen Foulelfmeter. Den nutzte Petric prompt zum 0:1 (25.). Mijatovic schien den Ruf zu bestätigen, der ihn als Person ebenso begleitet wie Neuling Hertha insgesamt: Reicht das überhaupt für die Bundesliga?

Mijatovic höher als Drobny

Der Kroate, mittlerweile 31 Jahre alt, hat den Großteil seines Profi-Daseins in der Zweiten Liga bei Greuther Fürth und Arminia Bielefeld verbracht, seit 2010 verdient er sein Geld in Berlin. Der Bundesliga hat Mijatovic bisher lediglich einen Besuch mit Bielefeld abgestattet (2007 bis 2009). Mijatovic weiß, um den Ruf, der ihm anhängt: Zu gut für die Zweite Liga, zu schlecht für die erste. Und er weiß, dass diese Saison für ihn im Herbst seiner Karriere die letzte Chance ist, sich in der deutsche Eliteklasse zu etablieren.

Beim HSV bewies Mijatovic eine Qualität, von der Trainer Markus Babbel und Manager Michael Preetz schon oft berichtet hatten: „Andre ist unheimlich wichtig für die Mannschaft, als Motivator und Anführer.“ Das mag in der Kabine so sein, das mag auf dem Trainingsplatz so sein. In Hamburg war Mijatovic zur Stelle, als Hertha sich mit allen Mitteln gegen die drohende Niederlage stemmte. Der 1,91 m große Verteidiger sprang mit dem Kopf höher als der ebenso große HSV-Torwart Jaroslav Drobny mit den Fäusten kam und köpfte den Ball unter die Querlatte. Und sagte im Wissen um das von ihm verschuldete erste Gegentor: „Ich freue mich, dass ich der Mannschaft mit dem Tor etwas zurückgeben konnte.“ Am zweiten Spieltag zeigte Hertha erstmals auch in der Bundesliga eine Stärke, die im Vorjahr ein wichtiger Puzzlestein für die Zweitliga-Meisterschaft gewesen war: einen guten Zusammenhalt. Weder der 0:1-Rückstand durch Petric noch das 1:2 durch Heung-Min Son (61.) ließen die Gäste verzweifeln. „Jeder ist für jeden gelaufen, jeder hat dem Nebenmann geholfen“, sagte Mijatovic.

Einwechselung von Raffael beflügelt

Im Vorwärtsgang profitierten die Berliner von der Taktikumstellung von 4-4-2 auf 4-2-3-1. Vor allem aber die Hereinname von Raffael beflügelte die Mannschaft. Ob das Kombinationsspiel, die Zweikampf-Stärke, das Herausspielen von Chancen, die Lattentreffer von Christian Lell und Adrian Ramos sowie der Pfostenschuss von Raffael – Hertha machte in Hamburg vieles besser als in der Vorwoche gegen Nürnberg (0:1). Doch Fußball wird am Ergebnis gemessen. Mit seinem späten Ausgleich hat Mijatovic nicht nur sich sondern dem gesamten Verein grundsätzliche Diskussionen über den Kader und dessen Qualität erspart. „Wir haben klar gezeigt, dass wir in der Bundesliga mithalten können“, sagte Franz.

Das ist das gefühlte Resultat nach der spannenden Darbietung der Gäste an der Elbe. Auf die Ratlosigkeit, die der missratene Liga-Start verursacht hatte, antwortete der Aufsteiger in seinem ersten Auswärtsspiel mit einer erwachsenen Leistung. In der Tabelle hingegen ist mit einem Punkte nach zwei Spieltagen noch kein Staat zu machen. Ungeachtet der vielen Möglichkeiten nahmen die Berliner einen Punkt und nicht deren drei mit heim.

Babbel fordert die Mannschaft

Weshalb Trainer Markus Babbel in einer kurzen Ansprache am Sonntag der Mannschaft sagte: „Die Leistung aus Hamburg muss das Leitbild für die nächsten Spiele sein. Alle haben gegen den HSV gesehen, wie hart sie arbeiten müssen, um wenigstens einen Punkt einzufahren.“

Am kommenden Sonntag wartet erneut eine Auswärtspartie. Es geht zu Hannover 96, das zuvor am Donnerstag in der Europa League gegen den FC Sevilla antreten muss. Mit den Niedersachsen tun sich die Berliner traditionell schwer. Am Sonntag unterlag in der Regionalliga Nord Herthas U 23, verstärkt mit den Profis Alfredo Morales, John Brooks, Sebastian Neumann und Fanol Perdedaj, gegen Hannover 96 II mit 0:2.

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