Taktik und Stammelf

Hertha-Trainer Babbels Optionen und Probleme

Mit der Niederlage gegen Real Madrid endeten die Testspiele für Bundesligaaufsteiger Hertha BSC. Nun liegt es an Trainer Markus Babbel, Taktik und Stammelf für die Pflichtspiele festzulegen.

Das Beste zum Schluss: Mit der Gala von Real Madrid vor 74.244 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion beendete Hertha BSC seine Serie von acht Vorbereitungsspielen. Der Bundesliga-Aufsteiger hielt sich wacker, mit dem 1:3 (1:2) gegen die erfolgreichste Vereinsmannschaft der Welt konnten die Anhänger leben. Andreas Ottl, einer der Neuen, der seine Heimpremiere im Hertha-Trikot gab, lobte: „Es macht einen Riesenunterschied, ob man auf einem österreichischen Dorfsportplatz vor 50 Fans gegen Sigma Olmütz spielt oder im ausverkauften Olympiastadion, das macht Spaß.“

Weniger Spaß hatten Ottl an den Gegentoren. Zum Traumfreistoß von Cristiano Ronaldo aus 23 Metern in den Winkel zum 1:1 sagte er: „Der kostet halt nicht zufällig 90 Millionen Euro. Aber beide Tore von Benzema haben wir mit einfachen Fehlern möglich gemacht.“ Das sah Markus Babbel ähnlich. In der Nachbesprechung sagte der Trainer dem Team, dass die Niederlage gegen den dreimaligen Champions-League-Sieger eigentlich nicht nötig gewesen sei. „Wir hätten nicht verlieren müssen. Das ärgert mich.“

Jetzt warten die Pflichtspiele und auf Babbel die Aufgaben, Startelf und Taktik zu finden. Seine Optionen und Probleme:

Die System-Frage

Die sieben Tests zuvor hat Hertha im System 4-2-3-1 begonnen. Gegen Real Madrid stand erstmals nach seinem Ausflug zur Copa America Torjäger Adrian Ramos zur Verfügung. Wie schon in der vergangenen Rückserie entschied sich Babbel für ein 4-4-2-Taktik mit den Stürmern Lasogga und Ramos. Über 30 Minuten sah Hertha damit gut aus, Babbel begründete die Umstellung mit der Rückkehr des kolumbianischen Nationalspielers. „Ramos ist ein Spieler, der gegen Real nicht gekommen ist, um staunend zuzugucken. Wenn man sieht, wie Adrian die Zweikämpfe bestreitet, wie er sich durchsetzt: Das ist ein abgezockter Spieler. Er weiß, wie's geht.“

Pierre-Michel Lasogga (19) dagegen, Shooting-Star der Vorsaison, erlebte gegen Real, was ihn wohl auch in der Bundesliga erwarten wird: „Pierre hat gegen Pepe und Carvolha gespielt, das sind mit die besten Innenverteidiger der Welt“, sagte Babbel. „Da musst du als Stürmer nicht nur wissen, wo das Tor steht. Da musst du auch nachdenken, wie du den Körper einsetzt, in welche Zweikämpfe du rein gehst.“ Alles normal, findet der Trainer, nur braucht Lasogga Zeit, um sich zu entwickeln. Babbel bereitet sowohl den Profi als auch die Öffentlichkeit darauf vor, dass die Entwicklung des Torjägers nicht automatisch so rasant weitergeht wie bisher.

Grundsätzlich ist das System mit einem Stürmer eines, das auswärts gespielt werden kann. Wenn Hertha aus einer kompakten Defensive über Konter versucht, zum Erfolg zu kommen. Die Taktik mit zwei Stürmern ist offensiver ausgerichtet und taugt für Heimspiele oder bei Rückständen. Damit nicht genug: Trainer Babbel beschreibt einen dritten Weg: „Das System kann sich im Spiel von Situation zu Situation ändern.“

Baustelle Innenverteidigung

Am 6. August startet Hertha gegen den 1. FC Nürnberg in die Bundesliga, bereits am Sonntag steht das DFB-Pokalspiel bei Regionalligist ZFC Meuselwitz an. Wer im Abwehrzentrum der Berliner stehen wird, ist nach dem Real-Spiel ungewisser denn je. Roman Hubnik zog sich eine schwere Prellung am rechten Mittelfuß zu und fällt (mindenstens) für das Pokalspiel am Sonntag aus. Maik Franz, ablösefrei von Eintracht Frankfurt gekommen, trainiert wegen muskulärer Probleme am Oberschenkel derzeit gar nicht. Kapitän Andre Mijatovic, ein Schlüsselspieler in der Mannschaft, zeigte gegen Real seine Stärken und Schwächen. Im Luftkampf war er kaum zu überwinden. Am Boden, vor allem wenn es etwa gegen Benzema schnell wurde, bekam der 31-Jährige Probleme. Dafür meldete sich in der letzten halben Stunde mit Christoph Janker jemand zurück, der lange nichts mehr von sich hat hören lassen. „Er hat seine Sache gut gemacht“, lobte Babbel. Die große Frage ist, ob die Innenverteidigung gegen schnelle Bundesliga-Stürmer bestehen kann.

Dirigent gesucht

Für Trainer Babbel sind ist die sogenannte Doppel-Sechs, die beiden defensiven Mittelfeldspieler, „die entscheidende Position im Spiel. Das ist die Schaltzentrale“. Hertha verfügt mit Peter Niemeyer und Fabian Lustenberger, dem Erfolgsduo der Vorsaison, sowie Andreas Ottl, neu vom FC Bayern gekommen, über drei hochwertige und absolut bundesliga-taugliche Spieler. Aber einer ist zuviel. Gegen Madrid musste Niemeyer zunächst zuschauen. „Peter ist ein brutal wichtiger Spieler“, wollte Babbel von einer Vorentscheidung nichts wissen. Es werde definitiv nicht ein Pärchen die Saison durchspielen, er werde immer wieder wechseln. Rotieren für den Erfolg.

Ottl sagt, das Binnenklima sei gut: „Wir spornen uns gegenseitig an. Konkurrenzkampf belebt das Geschäft.“ Es wird an Babbel liegen, seinen Profis die Rotation überzeugend zu erklären. Der Trainer signalisiert, er wisse um die Wichtigkeit: „Mich hat es angekotzt, wenn ich nicht gespielt habe. Ich habe mich auch für unverzichtbar gehalten.“ Erst Ottmar Hitzfeld habe ihm bei Bayern München klargemacht, dass jeder Beitrag wichtig sei, egal, ob man in der Startelf beginnt oder später eingewechselt wird.

Babbel macht den Hitzfeld – und balanciert mit Lob und Tadel. Eine halbe Stunde hätten Ottl und Lustenberger das Team gut angetrieben. Lustenberger hat die Führung durch Ebert ermöglicht, indem er den Sprint in den Real-Strafraum angezogen hatte und dort für den Torschützen auflegte. Aber, monierte der Trainer, es könne nicht sein, dass Hertha nach dem Ausgleich von Madrid wie schon zuvor gegen Olmütz in eine Art Schockstarre verfalle. „Da müssen die Beiden das Heft in die Hand nehmen.“

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