Testspiel-Niederlage

Reals Özil und Ronaldo sind zu gut für Hertha

Wie eine Rockband tourt Real Madrid gerade durch die Welt. Nun hat der spanische Rekordmeister Station in Berlin gemacht und Hertha einen Härtetest beschert. Doch Real ist doch eine Nummer zu groß für die Berliner.

Manchmal offenbart sich wahre Genialität in einem einzigen Moment. Da hatten die Fans von Hertha BSC bei der Vorstellung der Gastmannschaft in guter, alter Tradition nach jedem Namen ein kräftiges „Na, und?“ geschmettert. Und damit auch der Nummer sieben von Real Madrid, Cristiano Ronaldo, dem derzeit teuersten Fußballspieler der Welt, ihr Desinteresse bekundet. In der 29. Minute nun stand jener Ronaldo bereit zum Freistoß, rund 25 Meter vor dem Tor, und legte sich den Ball zurecht. Die Fans pfiffen sich die Seele aus dem Leib, doch Ronaldo tat das, wofür er berühmt ist: Mit einer unglaublichen Ruhe zirkelte er den Ball über die Mauer ins rechte Eck und drehte mit seinem Tor das Freundschaftsspiel zwischen Hertha und Real Madrid.

Nach Toren von eben Ronaldo und Karim Benzema (33./47.) gewann die Mannschaft aus der spanischen Hauptstadt 3:1 (2:1), Patrick Ebert hatte den Berliner Bundesligisten vor 74244 Zuschauern in Führung gebracht (18.), und bis zu Ronaldos Freistoß hatten sie die „Königlichen“ sogar recht sicher im Griff.

„Ich denke, wir haben verdient gewinnen, auch wenn uns Hertha das Leben schwer gemacht“, sagte Reals deutscher Nationalspieler Mesut Özil. Der Sieg im Test sei sehr wichtig gewesen. „Es war wieder ein Schritt nach vorn. Ich denke, wir sind bei 80 Prozent Leistungsstärke.“ Hertha-Trainer Markus Babbel sprach von einem tollen Erlebnis. „Es gab Phasen, die mir in unserem Spiel sehr gut gefallen haben. Aber dann waren wir teilweise auch etwas zu passiv. Das müssen wir schleunigst abstellen.“

Ein wenig sah es in der ersten halben Stunde so aus, als sei das Starensemble mit Spielern wie Xabi Alonso, Özil und Alvaro Arbeola müde von seiner Welttournee, die das Team von Kulttrainer Jose Mourinho in den nächsten Tagen sogar nach China führen wird.

Markus Babbel hatte da ganz andere Sorgen, schließlich musste er gestern bezüglich seiner Startelf Farbe bekennen – und bescherte den Zugängen Thomas Kraft, Andreas Ottl und Tunay Torun den ersten Auftritt im Olympiastadion, Maik Franz musste wegen einer Oberschenkelverletzung passen. In der Abwehr entschied sich Babbel erwartungsgemäß für die Viererkette der Aufstiegssaison aus Christian Lell, Roman Hubnik, Andre Mijatovic und Levan Kobiashvili. Im defensiven Mittelfeld verdrängte Ottl Peter Niemeyer aus der ersten Reihe, er lief neben Fabian Lustenberger auf. Im 4-4-2-System agierten vor diesem Duo Patrick Ebert auf der rechten sowie Torun auf der linken Seite, Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga spielten vorn. Vor der Partie hatte Babbel noch darauf hingewiesen, dass er das Spiel als echten Test ansehe und hatte gewarnt: „Wir dürfen auf keinen Fall in Ehrfurcht erstarren.“

Und das tat sein Team dann auch in keiner Weise. Hertha stand hinten sicher, attackierte die Madrilenen früh und hatte durch Pierre-Michel Lasogga sogar die erste richtig gute Tormöglichkeit: Nach einem Traumpass von Ottl aus der eigenen Abwehr heraus tauchte der Youngster alleine vor Iker Casillas auf, doch seinen etwas überhasteten Schuss konnte Madrids Torwart parieren. In der 18. Minute dagegen ging es dann ganz schnell: Nach einer sehenswerten Kombination von Kobiashvili, Ramos und einem starken Querpass von Lustenberger tauchte Patrick Ebert halbrechts vor dem Tor auf und vollendete platziert ins untere linke Eck. Und Hertha drehte weiter auf: Nach einem Solo von Ramos hätte es nach einem Foul an Torun Elfmeter geben können (23.), doch Schiedsrichter Manuel Gräfe ließ das Spiel weiterlaufen.

Diese Szene weckte Real dann aber auf. Karim Benzema verzog gleich zweimal nur knapp aus der Distanz (26./28), dann folgte der große Auftritt von Superstar Cristiano Ronaldo, der mit seinem spektakulären Freistoß zum Ausgleich traf. Hertha Torwart Kraft, der bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen ernsthaften Ball zu halten gehabt hatte, war absolut chancenlos. Gleiches galt wohl auch für das 2:1 durch Benzema, der nach einem Steilpass von Jose Maria Callejon auf halbrechts abzog (33.). Und nur fünf Minuten später rettete Kraft mit einer spektakulären Parade gegen einen Fernschuss von Ronaldo, jenem Spieler, dessen alleiniger Marktwert (geschätzte 90 Millionen Euro) den von Herthas gesamtem Kader um mehr als das doppelte übersteigt.

Nach der Pause brachte Babbel Ronny für Ebert, Christoph Janker für Roman Hubnik und Raffel für Lasogga, das System änderte sich dadurch in ein 4-2-3-1. Und ausgerechnet Kapitän Mijatovic verschlief den Anpfiff zur zweiten Halbzeit: Seinen Ballverlust direkt vor dem eigenen Strafraum nutzte Benzema mit seinem zweiten Tor eiskalt aus. Nach einer Stunde machte Babbel seine Ankündigung war und wechselte siebenmal (!) aus, so dass von der Anfangself nur noch Mijatovic auf dem Platz stand. „Das ist ein Dank an die Jungs für vergangene Saison“, hatte der Trainer vor der Partie gesagt.

Das Spiel verflachte am Ende. Einzig Raffael, der aufgrund eines Magen-Darm-Virus nicht von Anfang an spielen konnte, jagte einen Fernschuss über die Latte (68.). Weil beide Teams nicht mehr viel für die Offensive taten, blieb es beim 3:1 für Madrid – und bei der Erkenntnis, dass Hertha eine ordentliche Leistung geliefert hatte, einem Schwergewicht wie Real aber einfach nicht gewachsen war.

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