Vorbereitungs-Bilanz

Hertha BSC ist bereit für den Saisonstart

Nach vier Wochen Vorbereitung wollen die Profis von Hertha BSC endlich wieder um Punkte spielen. Bis auf die Besetzung im offensiven Mittelfeld steht die erste Elf bereits fest. Nur der Teamgeist könnte noch etwas besser sein.

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Auf den Fußballplatz durften sie nicht mehr. Zum Abschluss des Trainingslagers in Bad Waltersdorf schickte Trainer Markus Babbel seine Spieler auf eine Laufrunde im Wald, der sich direkt hinter dem Mannschaftshotel erstreckt. Nach dem Testspiel gegen Sigma Olmütz (2:2) sollte das Team also einfach ein wenig regenerieren, bevor es am Abend von Graz aus zurück nach Berlin flog. Babbel selbst saß nicht in der Maschine: Er fuhr direkt zu seiner Familie nach München, wird aber schon am Dienstag wieder das Training leiten.

So geht unweigerlich die Vorbereitungsphase zu Ende, denn das letzte Testspiel am Mittwoch gegen Real Madrid im ausverkauften Olympiastadion ist eine Partie mit Ernstfallcharakter. Babbel jedenfalls ließ sich zum Ende des zweiten, Trainingslagers anmerken, dass er den Start herbeisehnt. „Ich habe schon als Spieler die Vorbereitung nicht gemocht, das ist jetzt als Trainer nicht anders. Wir freuen uns auf die Bundesliga; um dort zu spielen, haben wir ein Jahr lang extrem hart gearbeitet.“ Manager Michael Preetz sagte: „Bald wird es anfangen zu kribbeln.“

Raffaels Status unklar

Vier Wochen Arbeit und zwei Trainingslager liegen hinter der Mannschaft – Zeit für ein erstes Zwischenfazit. Und da fällt als erstes auf: Hertha ist, anders als im Vorjahr, als sich Patrick Ebert das Kreuzband riss, von schweren Verletzungen verschont geblieben. Zwar sind in Maikel Aerts (Muskelfaserriss), John Anthony Brooks (Probleme mit der Achillessehne), Marco Djuricin (Knöchelverletzung), Nico Schulz (Viruserkrankug), Adrian Ramos (Entzündung am Mittelfinger) und Abu Bakarr Kargbo (Knieprobleme) sechs Spieler nicht einsatzbereit. Zeitraubende Verletzungen haben Hertha aber nicht getroffen, vor allem die Leistungsträger blieben verschont. So freute sich Babbel, dass die meisten Spieler fast das komplette Programm absolvierten. „Zu Beginn wird es den ein oder anderen Härtefall geben, aber danach, wenn es Verletzte geben wird, ist es wichtig, dass jeder Spieler alles absolviert hat“, sagte der Trainer. Mit Härtefall meint er die Entscheidungen, die bezüglich der Startelf anstehen. Auch hier haben die vergangenen Wochen auf den meisten Positionen Klarheit gebracht, auch wenn sich Babbel gegen Begriffe wie „Stammelf“ oder „A-Mannschaft“ wehrt.

Im Tor ist Thomas Kraft gesetzt, in der Abwehr wird Babbel wohl der Viererkette aus dem Aufstiegsjahr vertrauen – Zugang Maik Franz, der allerdings auch angeschlagen zu Hertha kam, wird zunächst das Nachsehen haben. Im defensiven Mittelfeld werden Andreas Ottl und Peter Niemeyer auflaufen. Im Sturm ist Pierre-Michel Lasogga gesetzt. Große Fragezeichen gibt es also nur noch im offensiven Mittelfeld. Hier deutete sich in den vergangenen Wochen an, dass es für Raffael eng werden könnte. Denn in Tunay Torun ist ein Spieler gekommen, der sich in allen Testspielen als quirlig und torgefährlich erwiesen hat. Er wird spielen, die Frage ist nur, ob auf der Außenbahn oder sogar zentral hinter den Spitzen. Und ist Ramos erst wieder fit, wird der Kampf um diese Plätze, in den auch noch Nikita Rukavytsya, Patrick Ebert und Ronny eingreifen, noch angeheizt. Der Trainer hat angekündigt, mit allen Spielern Gespräche zu führen, „damit jeder weiß, wo er steht“. Er wolle unbedingt vermeiden, dass nach der Bekanntgabe der Startelf bei den Reservisten das Gefühl aufkommt, „nicht zu den Helden zu gehören“. Kann er ob dieses fortwährenden Konkurrenzkampfes zufrieden sein, fällt die Bilanz in anderen Bereichen ein wenig gemischt aus. Die Mannschaft hat diszipliniert gearbeitet, es ging häufig laut, aber auch mit viel Spaß zu, es gab – zumindest öffentlich – keine größeren Streitigkeiten. Babbel lobt: „Die Jungs haben sehr gut trainiert. Sie mussten viel machen, aber sie haben es sehr konzentriert durchgezogen. Es war auch mal Feuer drin, aber wenn wir wieder in die Kabine gegangen sind, war es vorbei.“

Allerdings passt nicht so ganz ins Bild, dass der Trainer vor allem in der zweiten Wochenhälfte häufig einen unzufriedenen Eindruck machte. Da bot sich fast täglich der gleiche Anblick: Co-Trainer Rainer Widmayer leitete die Übungen, während Babbel gestikulierend auf Preetz einredete. Und auf die Seelenlage in der Mannschaft angesprochen, irritierte Babbel mit der Aussage: „Wir müssen wieder diesen Zusammenhalt hinbekommen wie in der letzten Saison. Wenn wir das nicht schaffen, wird es schwierig.“ Das klang ein wenig so, als ob er so etwas wie Teamgeist noch vermisse. Später erklärte der Trainer, er mache sich darum keine Sorgen, man könne den Zusammenhalt nicht während der Vorbereitung, sondern nur in schwierigen Phasen der Saison beurteilen. Getan haben sie dafür einiges: Teambildende Maßnahmen wie der Hüttenabend in Oberstaufen und das Mannschaftsessen in Graz, bei dem die Spieler unter sich blieben, sorgten für gute Stimmung. Zumindest sprachen alle Spieler davon, dass sie einen solchen Zusammenhalt noch nicht erlebt haben – ohne Krise.

Bessere Test-Resultate

Auch was die Testspiele angeht, bleiben Fragezeichen. Von den Ergebnissen her hat die Mannschaft einen Schritt nach vorn gemacht, hatte Hertha im ersten Trainingslager in Oberstaufen noch drei Partien (gegen Bern, Zürich und Basel) verloren. Nun stehen immerhin ein Sieg gegen Tel Aviv und das Remis gegen Olmütz zu Buche. Beide Teams gehören in ihren Ländern zur Spitze. Dass gegen die Tschechen aber fast eine komplette B-Elf auf dem Platz stand, verwirrte. Auch die Entscheidung, im Tor plötzlich wieder Sascha Burchert statt Kraft einzusetzen, vermochte Babbel nicht wirklich zu erklären – zuvor hatte er angekündigt, Kraft solle sich mit der Abwehr einspielen.

Am Mittwoch gegen Real Madrid wird er dazu wieder Gelegenheit bekommen, Babbel wird wohl auf seine erste Elf setzen. Er weiß, dass ein gutes Spiel gegen die Auswahl an Weltstars eine positive Grundlage bilden könnte. Für kommenden Sonnabend, wenn es im DFB-Pokal in Meuselwitz dann richtig losgeht.

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