Saisonvorbereitung

Herthas Lustenberger - Training statt Urlaub

Der Schweizer U21-Vize-Europameister hat den Kampf um die Stammplätze bei Hertha BSC eröffnet. Im defensiven Mittelfeld muss Fabian Lustenberger sich allerdings mit drei anderen Spielern messen.

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Auf den ersten Blick hätte man meinen können, Henrik Kuchno, der Konditionstrainer von Hertha BSC, vertreibt sich die Zeit während des Trainings mit der Lektüre von Zeitungen oder von immerhertha.de, dem Blog von Morgenpost Online. Doch das, was Kuchno auf seinem Laptop verfolgte, waren die Herzfrequenzen der vor seinen Augen trainierenden Profis. Die waren alle mit einem Pulsmesser als Gurt um die Brust ausgestattet. Mittels eines Empfanggerätes bekam der Konditionstrainer die Daten direkt auf den Rechner gespielt. Die Resultate hatten unmittelbar Auswirkungen auf die Belastungen. „Wenn jemand noch unterhalb der Belastungsgrenze war, habe ich die Übung etwas länger laufen lassen“, berichtete Trainer Markus Babbel. „Wenn der Puls dagegen schon oberhalb der Grenze war, habe ich 30 Sekunden früher Schluss gemacht als geplant.“

Hertha fährt Hightech auf, um in der Bundesliga zu bestehen. Die Trainingsmethode ist nicht neu, aber sie wird auf jeden Fall zum ersten Mal so konsequent bei den Berlinern eingesetzt. Die Trainer haben dadurch praktisch zeitgleich mit der Übung Daten zur Hand und können jeden Profi entsprechend seiner körperlichen Verfassung trainieren lassen.

Einer, der im Moment noch an die Extrembereiche herangeführt wird, ist Fabian Lustenberger (23). Nach dem Einzug ins Finale der U21-Europameisterschaft mit der Schweiz (0:2 gegen Spanien) hatte er im Anschluss Urlaub. Eigentlich hätte Lustenberger erst am Sonnabend zum Training erscheinen müssen. Der Schweizer war aber bereits am Montag von Zürich nach Berlin geflogen und trainiert seit Mittwoch mit der Mannschaft. „Ich möchte jetzt schon reinkommen, damit ich ab Sonntag im Trainingslager mitziehen kann“, sagte Lustenberger.

Ihn erwartet in Bad Waltersdorf im Burgenland die eine oder andere Einzel-Konditionseinheit. Die Kollegen haben die Grundlagen für die Ausdauer in den vorangegangenen drei Wochen gelegt. Sein erster Eindruck mit den Kollegen: „Wir haben an Qualität dazugewonnen“, sagt Lustenberger mit Blick auf die vier Neuen. Vor allem auf seiner Position im defensiven Mittelfeld ist der Bundesliga-Aufsteiger so gut besetzt wie seit Jahren nicht. Andreas Ottl, der Zugang vom FC Bayern, hat den Konkurrenzkampf zusätzlich verschärft, in dem sich ohnehin Peter Niemeyer, Fanol Perdedaj und eben Lustenberger befinden. Wer zum Saisonstart am 6. August gegen den 1. FC Nürnberg in der Startelf stehen wird, damit beschäftigt sich Lustenberger nicht: „Ich bin zwei Tage hier, es sind noch drei Wochen bis zum Start. Es ist müßig, darüber zu diskutieren.“