Vertragsverlängerung

Warum Ramos doch bei Hertha BSC bleibt

Adrian Ramos hat seinen Vertrag bei Hertha bis zum Jahr 2015 verlängert. Dabei war in den vergangenen zwei Jahren kaum eine Transferperiode vergangen, ohne dass der Torjäger oder sein Berater mit einem Wechsel geliebäugelt hatten.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die Party-Regel ist meist wenig schmeichelhaft gemeint: „Am meisten zum Gespräch tragen Abwesende bei.“ Auf einer Hotelterrasse am mächtigen Jurasüdfluss, der durch Solothurn fließt, drehte sich das Gespräch ausschließlich um einen Abwesenden. Allerdings wurde nur positiv über Adrian Ramos (25) gesprochen, der derzeit in Argentinien weilt und mit der Nationalmannschaft von Kolumbien unmittelbar vor dem Einzug ins Viertelfinale der Copa America steht.

Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz trat ein sichtbar erfreuter Hertha-Manager Michael Preetz vor die Journalisten und hatte eine aus seiner Sicht sehr erfreuliche Nachricht zu verkünden. „Ich bin froh, vermelden zu können, dass wir mit Adrian Ramos eine Lösung gefunden haben, seinen bis 2013 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern zu können. Der neue Vertrag von Adrian läuft bis 2015.“

Das ist ein Coup für den Bundesliga-Aufsteiger. Schließlich war in den vergangenen zwei Jahren kaum eine Transferperiode vergangen, ohne dass der Torjäger oder sein Berater Helmuth Wennin mit einem Wechsel geliebäugelt hatten. Ramos war in beiden Spielzeiten, die er für den Hauptstadt-Klub bestritten hat, jeweils der erfolgreichste Angreifer im Team. In der Abstiegssaison 2009/10 hatte er zehnmal getroffen, im Wiederaufstiegsjahr in Liga zwei 15-mal.

Unmittelbar nach Ende der vergangenen Saison hatte Hertha in den Verhandlungen mit Ramos Ernst gemacht. Bei einem seiner seltenen Berlin-Besuche war Ramos-Agent Wennin erfreut, dass Preetz beim Thema Finanzen gesprächsbereit war. Hertha hatte bisher von einem Problem profitiert, das zuvor schon Stürmer wie Marko Pantelic vehement beklagt hatten: Dass die Stürmer, wenn sie neu nach Deutschland kommen, Berater haben, die über die Marktpreise nicht angemessen orientiert sind. So hatte Ramos, beraten von Wennin, 2009 einen Vertrag mit einem Jahressalär von rund 650.000 Euro unterschrieben. Ein exorbitantes Gehalt – von Kolumbien aus gesehen.

Doch Ramos bekam bald mit, dass Toptorjäger in der Bundesliga doppelt oder dreifach so viel verdienen wie er. Diese Unzufriedenheit war ein Grund, warum der Angreifer im vergangenen Sommer auf einen Wechsel nach Hoffenheim gehofft hatte.

Preetz pochte nun nicht auf Vertragserfüllung bis 2013 nach dem Motto „selbst Schuld, Unterschrift ist Unterschrift“, sondern bot Ramos eine satte Gehaltsaufstockung an. Unter der Voraussetzung, dass der Stürmer sich längerfristig an Hertha bindet. Man kann davon ausgehen, dass Ramos künftig Einkommens-Millionär wird. Mit Prämien, so darf man schätzen, wird er in der kommenden Bundesliga-Saison 1,5 Millionen Euro verdienen können.

Entscheidung in der Nacht

Dennoch hatte es nach dem Wennin-Besuch auf der Geschäftsstelle etwas gedauert. Die Verträge waren auszuarbeiten, ins Spanische zu übersetzen, Details zu klären. „Um 0.47 Uhr in der vergangenen Nacht hatte ich das letzte fehlende Dokument in den Händen und bin jetzt sehr froh“, sagte Preetz. Und konnte erleichtert einschlafen.

Das Timing ist gut. Unbeobachtet von der Öffentlichkeit haben Hertha und Ramos das Thema abgehandelt. Bei der Copa America spielt der Herthaner bisher ein gutes Turnier. In der ersten Partie gegen Costa Rica erzielte Ramos das Siegtor. Gegen Argentiniens Superstars um Leonel Messi hatte der Angreifer zwei Großchancen, aber am Ende blieb es beim 0:0. „Adrian spielt ein gutes Turnier“, sagte Preetz. Ramos wird, abhängig davon, wie lange Kolumbien in der Copa verbleibt, direkt im Anschluss zum Kader stoßen.

Die Copa America ist als das derzeit beste laufende (Männer-)Turnier ein großes, internationales Schaufenster. Es ist möglich, dass Kolumbien noch auf Brasilien trifft. Ob Ramos weitere Tore erzielt, seinen Marktwert steigert, ob andere Klubs auf ihn aufmerksam werden – nach der Vertragsunterschrift können sich die Hertha-Verantwortlichen entspannt zurücklehnen. Preetz sagte, dass der Ramos-Vertrag keine Ausstiegsklauseln enthalte. Das heißt, dass für mögliche Interessenten eine Verpflichtung des Angreifers sehr, sehr teuer würde. Und weitere Diskussionen mit Berater Wennin dürften nun ebenfalls vorerst nicht mehr zum Tagesgeschäft des Hertha-Managers gehören.

Warum der Bundesliga-Aufsteiger sich so intensiv um Ramos bemüht hat, skizziert Preetz wie folgt: „Adrian spielt eine zentrale Rolle in unseren Planungen für die Zukunft. Ich freue mich, dass wir mit ihm und Pierre-Michel Lasogga zwei junge Stürmer mit Entwicklungspotenzial haben. Und beide sind langfristig an Hertha BSC gebunden.“ Auch der Vertrag des Shooting-Stars aus der Aufstiegssaison war im Mai bis zum Sommer 2015 verlängert worden. So ist ruhiges Arbeiten leichter.

>>> www.immerhertha.de - das Hertha BSC Blog von Morgenpost Online