Neues Tattoo

Trainer Babbel nimmt Hertha BSC auf den Arm

Hertha-Coach Markus Babbel hat sich den Schriftzug seines Arbeitgebers und einen Wikinger tätowieren lassen - einen ewigen Kämpfer im Sturm. Den Fans gefällt die neue Körperverzierung.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Ob Pierre-Michel Lasogga der Held von Herthas kommender Bundesliga-Saison werden wird, ist noch offen. Vielleicht wird es auch Adrian Ramos. Oder Raffael. Doch schon vor Saisonbeginn steht fest, dass das von TV-Kameras und Fotografen am meisten gesuchte Motiv bei Hertha auf dem Oberarm von Markus Babbel (38) zu finden ist. Dort hat der Trainer sich im Urlaub ein Tattoo stechen lassen, unter anderem mit dem Schriftzug von Hertha BSC. Das hat es noch nicht gegeben in der seit 1963 andauernden Bundesliga-Historie: dass sich ein Übungsleiter das Emblem seines Arbeitsgebers tätowieren lässt. Ein starkes Symbol, das ohne Erklärung wirkt.

Babbel zeigte dem Morgenpost-Reporter gestern die Innenseite seines linken Oberarmes. Ein Foto wollte er nicht machen lassen: „Das käme mir zu prollig rüber.“ Zu sehen ist dort ein sogenanntes Old-School-Motiv mit Elementen, wie sie früher bei Seefahrern üblich waren: Ein muskulöser Wikinger in Aktion. Er schwingt eine Axt, und hält ein Schild, in das die Vereine eingearbeitet sind, für die er bisher tätig war. Die HSV-Raute ist da, das FC Bayern-Logo, das vom FC Liverpool und das vom VfB Stuttgart. Eines vom TSV Gilching, dem Jugendverein Babbels. Hinter dem Wikinger weht eine ausgefranste Fahne im Wind mit dem Schriftzug „Hertha BSC“. Eine Banderole läuft als Motto um das Tattoo mit einem Titel der Rolling Stones: „It's only Rock'n Roll, but I like it“.

Nun liegen die Zeiten, als Tattoos von Fremdenlegionären oder Matrosen getragen wurden, schon etwas länger zurück. Seit den 1990er-Jahren hat die Körperbemalung, die mit Tätowiernadeln unter die Haut gestochen wird, Einzug in die Jugendkultur gehalten. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob diese Aktion dem Alter von Babbel und seiner Funktion als Vorgesetzter gemäß ist. Oder ob es eine Form von Populismus ist – jeder weiß, dass ein Trainer in seiner Laufbahn fünf, acht oder sogar zehn Vereine trainieren wird?

Das ist indessen nicht die Art, wie Babbel die Welt sieht. „Ich habe nie versprochen, dass ich das mache. Das ist mir in den Mund gelegt worden. Trotzdem fand ich das eine gute Geschichte. Ich habe zu jedem Verein einen besonderen Bezug. Das Tattoo bildet ein Stück weit meine Lebensstrecke ab.“ Auch hinter dem Motiv, das er sich ausgesucht hat, steht eine Aussage. „Ich fand es eine gute Idee, das mit einem Wikinger zu verknüpfen, der ewig kämpfen muss. Das muss man bei diesen Vereinen auch immer.“

Ein Tattoo als Bild für eine Lebenseinstellung: Rau ist es, manchmal geht die See hoch. Hinter den großen Namen wie FC Bayern oder dem FC Liverpool stehen immense Erwartungen. Der Schriftzug von Hertha BSC markiert den ersten Titel, den Babbel in seiner Laufbahn nach der aktiven Laufbahn gewonnen: als Trainer beim Aufsteiger und Zweitliga-Meister. Die Klischees, wie einer zu sein hat, interessieren Babbel eher wenig. Schon 1998 hat der damalige Bayern-Profi in der „Zeit“ zu Protokoll gegeben: „Mich – und jetzt werden sicher einige sagen, der Babbel spinnt –, mich beruhigt Heavy Metal. Mir gibt das eine innere Zufriedenheit.“

Nun wirkt der von seiner Erscheinung her immer solide und freundlich aussehende Herr Babbel weder wie ein headbangender Heavy-Metal-Fan noch wie ein grimmiger, tätowierter Rocker. Die Frage, ob einer, der Tattoos trägt, ein seriöser Arbeit und eine Leader sein kann, stellt sich dem leitenden Angestellten, der 27 Profis zu führen hat, jedoch nicht. Der Trainer Babbel hatte schon bei seiner Ankunft in Berlin im Sommer 2010 Teile seiner Lebensgeschichte auf der Haut verewigt: die Heilige Maria ist eintätowiert, ein Engel und die Initialen seiner vier Kinder.

Unter den Fans gab es fast durchgehend positive Reaktionen. In einer Umfrage bei immerhertha.de, dem Blog der Morgenpost, werteten 75 Prozent der Nutzer Babbels Tattoo als ein „bärenstarkes Symbol“ oder als Zeichen „einer besonderen Identifikation mit Hertha BSC“. Nutzerin Petra-in-Berlin schrieb: „Sich das Emblem seiner Vereine stechen zu lassen, mit diesem saugeilen, angriffslustigen Wikinger drunter, find ich hammerhart. Ob das jedem gefällt oder ob sich das gehört, ist mir wurscht. Mir wird der Trainer dadurch noch sympathischer.“

Der Nutzer „HerrThaner“ hat das Thema mit dem Tattoo und dem Arbeitgeber gleich in die Zukunft verlängert: „Babbel ist halt irgendwie ein (positiv) verrückter Hund. Jetzt bleibt für ihn nur zu hoffen, dass seine Trainerlaufbahn nicht allzu viele verschiedene Stationen beinhalten wird – sonst hat er irgendwann keinen Platz mehr auf der Haut.“

Da der Trainer betonte, dass es ihm nicht um die Außenwirkung gehe, blieb die Frage, wie Ehefrau Silke auf das Tattoo reagiert hat. Babbel: „Der hat das gefallen.“ Hätte sie ein Vetorecht? Babbel schmunzelte: „Ich glaube nicht.“