Michael Preetz

"Wir wollen uns in allen Bereichen verbessern"

Michael Preetz ist einer der Macher von Herthas Aufstieg. Im Interview mit Morgenpost Online spricht der Manager über den Kader der nächsten Saison, klassische Tabellenkonstellationen und die Schnelligkeit von Nikita Rukavytsya.

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Das Präsidium von Hertha BSC hat den Vertrag von Michael Preetz (43) gerade bis 2014 verlängert. Nach diesem Vertrauensbeweis und dem Bundesliga-Aufstieg geht der Hertha-Manager mit neuen Zielen in die Saison 2011/12.

Morgenpost Online: Hertha hat eine sehr emotionale Saison hinter sich: Europarekord bei Zuschauern, Wiederaufstieg, Zweitliga-Meister: Wie nehmen Sie den Schwung in die Bundesliga mit?

Michael Preetz: Es ist uns gelungen, die negativen Emotionen nach dem Abstieg relativ rasch zu drehen und in eine Aufbruchstimmung zu verwandeln. Es gibt ein paar Zahlen, die die Emotionen erklären. Im Sommer 2010 hatte Hertha 18.500 Mitglieder, im Sommer 2011 sind es 25.000. Wir haben für die Bundesliga jetzt schon 15.000 Dauerkarten verkauft. Das Freundschaftsspiel gegen Real Madrid wird ausverkauft sein. Ich bin sicher, dass wir zum Start gegen Nürnberg vor einer tollen Kulisse spielen. Jetzt sind wir gefragt, eine Mannschaft zu präsentieren, die Vorfreude auf die Bundesliga weckt.

Morgenpost Online: Der Verein war 14 Jahre Bundesligist, jetzt eine Saison Zweitligist. An wem orientiert sich Hertha im Moment?

Michael Preetz: Unser klares Ziel ist es, so viele Mannschaft hinter uns zu lassen, dass wir auch übernächste Saison erstklassig spielen.

Morgenpost Online: Die Top-Fünf-Teams sind außer Reichweite: Bayern, Dortmund, Bremen, Schalke . . .

Michael Preetz: . . . die letzte Saison hat doch gezeigt, dass es das klassische Oben/Mitte/Unten-Schema nicht gab. Schalke, Bremen, Wolfsburg und Stuttgart, die oben erwartet wurden, waren die gesamte Saison unten. Ich bin gespannt, wie sich das Feld in diesem Jahr sortieren wird. Natürlich sind etwa Mitaufsteiger Augsburg sowie der eine oder andere Klub, der im unteren Drittel erwartet wird, die Rivalen, vor denen wir uns platzieren wollen. Grundsätzlich freuen wir uns sehr auf den Vergleich mit den besten deutschen Mannschaften.

Morgenpost Online: Das Ziel heißt Klassenerhalt. Ist das eine Politik der kleinen Schritte, statt große Erwartungen zu wecken?

Michael Preetz: Im Vorjahr haben wir kein bescheidenes Ziel ausgegeben. Wir wollten aufsteigen und Erster werden. Mehr ging nicht. Bei uns herrscht Realismus. Als Aufsteiger geht es darum, sich in der Bundesliga zu etablieren. Das halte ich für realistisch.

Morgenpost Online: Hertha war im Kiez, welche Reaktionen haben Sie vom Besuch in Lichtenberg oder am Prenzlauer Berg in Erinnerung? Was lässt sich in die Bundesliga mitnehmen.

Michael Preetz: Mir ist wichtig, dass wir ein anfassbarer, ehrlicher Klub bleiben. Wir gehen weiter in die Kieze. Wir haben sehr viel Herzlichkeit erlebt. Die Leute waren überrascht, dass wir als Verein, die Spieler, die Trainer auch nicht anders sind als sie selbst.

Morgenpost Online: Welche Stärken aus der Zweiten Liga werden mitgenommen, wo besteht Nachbesserungsbedarf?

Michael Preetz: Wir haben eine relativ junge Mannschaft mit vielen Spielern, die Entwicklungspotenzial haben. Die Mannschaft hat von der Altersstruktur her Perspektiven, zumal die meisten Spieler relativ langfristig bei uns unter Vertrag stehen.

Morgenpost Online: Fangen wir mit Pierre-Michel Lasogga an, er war die Überraschung der Vorsaison.

Michael Preetz: Ja, Pierre steht mit seinen 19 Jahren am Anfang der Entwicklung. Er wird sicher nicht schlechter werden. Ich bin überzeugt, dass er in der Bundesliga noch besser werden wird – und das hat nichts mit der Torquote zu tun. Insgesamt traue ich das auch unseren anderen jungen Spielern zu. Bei dem einen wird es schneller gehen als bei dem anderen.

Morgenpost Online: Was wird anders in der Bundesliga?

Michael Preetz: Wir wollen uns in allen Bereichen verbessern. Auch jetzt werden die Schlagwörter der vergangenen Saison wichtig sein: Teamgeist. Zusammen. Gemeinsam. Ich mache mir auch bei den vier Zugängen keine Sorge, weil sie in jeder Hinsicht in die Mannschaft passen.

Morgenpost Online: Hertha hat bei den Neuen mit Tunay Torun nur einen Offensiven geholt, aber drei Defensive mit Thomas Kraft, Andreas Ottl und Maik Franz.

Michael Preetz: Für die Bundesliga werden wir die Kompaktheit weiter stärken, die uns am Ende der Zweiten Liga ausgezeichnet hat. Aus einer gut stehenden Defensive wollen wir mit schnellen Angriffen versuchen, zu Toren kommen. Deshalb die Neuen. In der Innenverteidigung war klar, dass wir Qualität brauchen. Man kann nicht mit zwei erfahrenen Spielern wie Roman Hubnik und Andre Mijatovic sowie einem jungen Sebastian Neumann allein in eine Bundesliga-Saison gehen. Die Personaldecke wäre zu dünn gewesen.

Morgenpost Online: Das bedeutet, dass mit Maikel Aerts und Andre Mijatovic zwei Führungsspieler des Aufstieges auf der Bank landen können.

Michael Preetz: Gerade die Beiden wissen, dass wir Konkurrenz im Kader brauchen. Die werden ihre Plätze sicher nicht kampflos hergeben. Das wollen wir: Konkurrenzkampf. Wir wollen Ausfälle besser kompensieren können, als in der Vorsaison. Ich erinnere nur an die Phase, als Andre Mijatovic ausgefallen ist: Da haben wir vier Niederlagen kassiert. Kaum war er zurück, haben wir wieder gewonnen.

Morgenpost Online: Wie sieht die Besetzung im Tor aus?

Michael Preetz: Wir gehen mit Maikel Aerts, Sascha Burchert und Thomas Kraft in die Saison. Marco Sejna bleibt auch, ist aber dem Kader der U23 zugeordnet.

Morgenpost Online: Hertha hat Valeri Domovchiyski an Duisburg abgegeben, Rob Friend hatte bereits in der Zweiten Liga Probleme. Braucht Hertha im Sturm nicht noch Verstärkung?

Michael Preetz: Ich sehe uns offensiv qualitativ wie quantitativ ordentlich aufgestellt. Natürlich muss man die Einkäufe in Zusammenhang mit den finanziellen Möglichkeiten sehen. Grundsätzlich haben wir in der Offensive echte Qualität. Wir setzen auf Raffael, auf Adrian Ramos, der seit zwei Jahren regelmäßig seine Tore macht. Dazu vorn auf Lasogga, der seine tolle Leistung in der Zweiten Liga in der Bundesliga bestätigen will. Und auf Rob Friend. Patrick Ebert ist sicher ein Bundesliga-Spieler. Ich bin sehr gespannt, wie Nikita Rukavytsya mit seiner extremen Schnelligkeit in der Bundesliga zurechtkommt. Ronny hat ein Potenzial wie kaum ein zweiter Spieler. Tunay Torun ist ein großes Talent. Vorn vielseitig einsetzbar. Er will in Berlin zeigen, dass er den nächsten Schritt seiner Karriere geht.

Morgenpost Online: Bisher hat Helmuth Wennin, der Berater von Ramos, in jeder Transferperiode taktiert, dass der Torjäger geht. Jüngst war der Agent in Berlin, wie sind sie verblieben?

Michael Preetz: Ich bin guter Dinge, dass wir diesmal keine Beiträge leisten zum Thema Sommer-Transfer-Theater. Es hat etwas Zeit gebraucht, bis auch Adrian verinnerlicht hat, dass es kein Fehler war, bei Hertha BSC zu bleiben. Nun brennt Adrian darauf, wieder auf der Bühne Bundesliga zu spielen. Er geht jetzt zur Copa America, wenn Adrian zurückkommt, setzen wir uns zusammen. Unsere Bereitschaft, ihn länger an Hertha BSC zu binden, ist vorhanden.

Morgenpost Online: DFB-Präsident Theo Zwanziger hat den Vertrag von Bundestrainerin Silvia Neid von 2013 bis 2016 verlängert. Der Vertrag von Hertha-Trainer Babbel läuft bis 2012. Muss sich der Hertha-Manager beeilen?

Michael Preetz: Wir haben den Wunsch nach Kontinuität. Wir hatten mit Markus Babbel ein tolles erstes Jahr. Es war aber auch eine anstrengende Saison. Jetzt haben alle durchatmet und sich erholt. Heute geht es wieder los: Wir besprechen das Thema in Ruhe mit Markus Babbel, bis zum Saisonstart wird da nichts passieren.