Spielerkader

Bei Herthas Aufstieg gibt es nicht nur Sieger

Herthas erfolgreiches Zweitligajahr hat nicht nur Gewinner hervorgebracht. Bei der Kaderplanung für die kommende Saison spielen einige Profis keine Rolle mehr.

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Die finale Verkündung war nur noch eine Formalie, und der Klub vollzog sie schließlich späten Montagnachmittag: Hertha BSC verleiht erneut Daniel Beichler, diesmal und zunächst für die Dauer der Saison 2011/12 an den MSV Duisburg. „Diese Ausleihe macht sicher für alle Beteiligten Sinn“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz, womit zum Ausdruck gebracht ist, dass er und auch Trainer Markus Babbel es dem Offensivspieler aus Österreich nicht zugetraut haben, sich nach dem Aufstieg mittelfristig als wertvolle Kraft im Bundesliga-Kader etablieren zu können.

Somit zählt Beichler zum kleinen, aber dennoch existenten Grüppchen derer, die Verlierer des Aufstiegs sind. Beichler war vor einem Jahr mit großen Erwartungen von Sturm Graz verpflichtet worden. Für 650.000 Euro immerhin, eine stolze Summe für einen 22-Jährigen aus einem vergleichsweise kleinen Fußballland wie Österreich eines ist. Doch schon dem Zweitligisten Hertha war Beichler keine Hilfe, in der Winterpause wurde er – auch nach einigen atmosphärischen Störungen – in die Schweiz zum FC St. Gallen verliehen. Auch dort aber trug der Offensivspieler mit exakt null Toren und einer Torvorlage wenig bis nichts dazu bei, was den letztlich eingetretenen Abstieg hätte verhindern können.

Hartmann ablösefrei nach Aachen

Gänzlich den Glauben an Beichler verloren haben Preetz und Babbel aber noch nicht. In seinem ersten Jahr hat er es auf exakt null Spielminuten für Hertha gebracht. „Wir haben ihm nicht umsonst einen Vertrag bis 2014 gegeben“, sagt der Manager, und dass sie davon ausgingen, im Sommer 2012 einen vom Zweitligajahr an der Wedau gestählten Profi zurückzubekommen. Andernfalls hätte der ehrgeizige Stürmer wohl auch ein Problem, jedenfalls aber kaum eine Zukunft in Berlin – so wie schon jetzt die Eigengewächse Sascha Bigalke und Lennart Hartmann, die den Klub verlassen müssen nachdem ihre Verträge ausgelaufen sind. Immerhin Hartmann hat schon einen neuen Arbeitgeber gefunden: Er wechselt ablösefrei zu Alemannia Aachen, wie der Klub gestern bekannt gab, und erhält einen Zweijahresvertrag. Beichler jetzt erst einmal nach Duisburg folgen könnte Valeri Domovchiyski (24) – der Bulgare ist jedenfalls erklärter Wunschspieler von MSV-Trainer Milan Sasic. Doch was sich im Falle des langfristig an Hertha gebundenen Österreichers per Ausleihe vergleichsweise leicht einrichten ließ, ist bei Domovchiyski ungleich komplizierter. Sein Vertrag endet 2012, ein Transfer lässt sich also nur über einen Verkauf realisieren – aber fraglich ist, ob der MSV das Paket aus Ablöse und Gehalt des Stürmers wirtschaftlich zu stemmen vermag. Und es sei auch nicht so, dass Hertha Domovchiyski partout abgeben wolle, sagt Preetz. Es würde aber auch nicht schaden, weil nur so Spielraum für als wichtiger erachtete Zugänge geschaffen würde. Verzichtbar sind trotz noch ein Jahr laufender Verträge auch die Abwehrspieler Kaka (30) und Christoph Janker (26). Im Falle des Brasilianers Kaka wäre ein Verkauf allein deshalb schon wünschenswert, weil er seit seiner Verpflichtung durch Ex-Manager Dieter Hoeneß zwar verdient wie ein Leistungsträger, aber noch nie so gespielt hat. Von Janker hatte es nach dem Abstieg geheißen, er, der bisherige Ergänzungsspieler, würde in Liga zwei sicher eine gute Rolle spielen. Diverse Verletzungen verhinderten dies, aber auch bei voller Fitness empfahl sich der Defensivallrounder auf keiner Position als Stammkraft. Da brauche es nicht viel Fantasie, um sich Jankers Perspektiven nach der Rückkehr in die Bundesliga vorstellen zu können, heißt es aus dem Umfeld des Klubs.


Knoll bittet selbst um Ausleihe

Aber die Bundesliga mit ihren noch deutlich größeren Anforderungen an jeden einzelnen Spielern fordert noch andere Opfer: Sie sind talentiert, aber noch zu jung für die ganz große Bühne. So wie Marvin Knoll (20). Aus dessen Umfeld dringt, er wünsche eine Ausleihe an einen unterklassigen Klub, um dort die für seinen Reifeprozess nötige Spielpraxis zu erhalten. Preetz steht einem solchen Ansinnen aufgeschlossen gegenüber: „Marvin muss den nächsten Schritt machen, aber er weiß, dass das bei uns in der Bundesliga nicht einfacher wird, nachdem er sich schon in der Zweitliga-Saison nicht entscheidend hat durchsetzen können.“ Erzgebirge Aue soll Interesse haben, der Spieler selbst sich auch einen Klub vom Format von Aufsteiger Eintracht Braunschweig vorstellen können. Vom Prinzip her, sagt Preetz, sei jeder aktuelle Zweitligist ein Adressat für den Kapitän der deutschen U20-Nationalmannschaft. Doch man müsse vor einer solchen Entscheidung „genau hinsehen, es muss für alle Beteiligten Sinn ergeben“ – wie im Fall von Shervin Radjabali-Fardi, der seit der vergangenen Winterpause bei Alemannia Aachen prosperiert und dies absprachegemäß noch eine weitere Saison lang tun soll, ehe er dann verbindlich zu Hertha zurückkehren und womöglich eine Alternative für den Profikader sein wird. In Aachen hat der Deutsch-Iraner schon seine Vielseitigkeit erweitert; der Linksverteidiger hat sich auch im zentralen defensiven Mittelfeld zu behaupten gelernt.

Weitere Talente zu verleihen plant Preetz derzeit nicht. Also auch nicht Marco Djuricin und Nico Schulz, die Shootingstars der vergangenen Saison, oder den von Sommer an in den Profikader beförderten John Anthony Brooks. Sie alle müssten im Bedarfsfall in der hauseigenen U23 zu Einsatzzeiten kommen, befiehlt der Manager. „Spielpraxis ist in ihrem Alter das A und O“, sagt Preetz, und für sie, die allesamt 18 Jahre alt sind, sei die Regionalliga noch genau die richtige Spielwiese zur Gewöhnung an den Profifußball. Anders Knoll: Er hat über 60 Mal in der vierthöchsten Spielklasse gespielt. „Marvin“, sagt Preetz anerkennend, „hat die Regionalliga erfolgreich bestanden.“ Zur Bundesliga fehlt ihm trotzdem noch ein Stück.

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