Andre Mijatovic

Der Zusammenhalt ist Herthas Erfolgsrezept

Herthas Kapitän Mijatovic schaut auf die vergangene Saison zurück, auf den überragenden Saisonstart, die November-Krise und Maikel Aerts schwere Zeit. Alle Hochs und Tiefs konnte die Mannschaft nur als Einheit bewältigen. Und das wird ihr auch in der Bundesliga helfen.

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Es war ein langer Weg, aber er hat sich gelohnt. Von meinem ersten Training bei Hertha BSC bis zum grandiosen Saisonfinale gegen den FC Augsburg. Das Gefühl, das mir beim ersten Mal im vergangenen Sommer in der Kabine entgegenschlug war Trauer. Frust über den Bundesliga-Abstieg. Die Enttäuschung muss weg, habe ich gedacht, so können wir nicht arbeiten. Zum Glück waren wir viele neue Spieler aus insgesamt 13 Nationalitäten. Trainer Markus Babbel hat von Anfang gesagt: Hertha wird in jedem Spiel der Gejagte sein. Wir haben viel Qualität im Team. Jeder Einzelne ist gut. Aber es wird nur gehen, wenn jeder bereit ist, sich weiterzuentwickeln. Wir als Favorit der Zweiten Liga steigen nur dann auf, wenn wir einen sehr guten Teamgeist haben. Wir haben zehn Monate hart dafür gearbeitet. Es imponiert mir als Kapitän, dass die Mannschaft das so gut hinbekommen hat.

Überragend war der Saisonstart. Wir waren alle etwas aufgeregt, weil wir nicht wussten, wie die Zweite Liga in Berlin angenommen wird. Als mehr als 48.000 Fans gegen Oberhausen im Olympiastadion waren, war das großartig – und eine Verantwortung: Hertha hatte ein Jahr kein Heimspiel gewonnen. So war das 3:2 gegen RWO ein unglaublich wichtiger Sieg. Die Anfangsphase war gut. Aber im Herbst ist das passiert, wovor ich von Anfang an gewarnt hatte: In der Zweiten Liga kann man gegen jeden Gegner Schwierigkeiten bekommen. Erst das Aus im DFB-Pokal bei Drittligist Koblenz. Dann vier Niederlagen in fünf Spielen in der Liga. Wir waren nur Fünfter. In den Medien war die Rede davon, dass wir den Aufstieg nicht schaffen.

Erfolg zu haben ist immer schön. Aber so richtig in der Gruppe kennengelernt haben wir uns, als es Probleme gab. Ich habe es im Vorjahr in Bielefeld erlebt, wie in einer Krise ein ganzer Verein auseinander geflogen ist. Deshalb bin ich sehr stolz, dass wir bei Hertha diese Phase gemeistert haben. Es gab im November ein Gespräch mit Manager Michael Preetz und Trainer Babbel, wo ich ganz offen reden sollte. Ich habe gesagt: Wir müssen alle zusammenstehen: Dass es wichtig für das Team ist, dass Trainer und Manager zu uns halten. Und, dass sie sich gegenseitig unterstützen. Es war wichtig, dass wir diese Geschlossenheit halten konnten.

Die Einheit

Dann kam die wichtigste Partie der Saison: Das Heimspiel gegen Aue. Ich hätte nach einer Verletzung eigentlich Reha machen sollen. Aber ich wusste: Jetzt ist die Zeit, wo du als erfahrener Spieler dich zeigen musst. Als es beim Stand von 0:0 Elfmeter gab, hat unser ältester Feldspieler, Levan Kobiashvili, die Verantwortung übernommen. Der Elfer war drin, Endstand 2:0. Wir standen extrem unter Druck – und haben standgehalten. Da wusste ich: Uns hält niemand auf.

Wir sind auch deshalb Zweitliga-Meister geworden, weil wir eine Einheit waren. Rob Friend etwa ist im Sommer als Hoffnungsträger nach Berlin gekommen. Er hat gut angefangen, dann aber seinen Stammplatz an einen 19-Jährigen verloren. So toll Pierre-Michel Lasogga das gemacht hat, für Rob war das hart. Aber er hat nie öffentlich Kritik geübt. Sondern gearbeitet und die Ruhe behalten. Weil bei uns niemand sein eigenes Ziel über das Ziel der Mannschaft gestellt hat. Dafür haben wir geholfen, wenn einer mal Probleme hatte. Maikel Aerts hat viele gute Spiele gemacht. Aber wie es jedem Torwart passiert, hatte er auch zwei, drei unglückliche Partien. Da hat die Mannschaft hinter ihm gestanden. Ergebnis: Maikel hat uns danach noch einige Male gerettet.

Zusammenhalt ist auch für die Zukunft wichtig

Natürlich schaut jeder Fußballer auf sich und seine Karriere. Aber wir bei Hertha haben verstanden, dass Charakter und Mentalität wichtig sind. Ich habe gehört, dass in den Jahren zuvor bei Hertha das Ego einiger Spieler eine große Rolle gespielt hat. Das hat sich geändert. Ich will Raffael loben. Er ist mit Abstand unser bester Fußballer. Trotzdem saß er manchmal aus taktischen Gründen nur auf der Bank. Raffa hat sich nicht beschwert. Weil es darum ging, als Mannschaft Erfolg zu haben. Das uns das gelungen ist, darauf bin ich als Kapitän stolz.

Der Zusammenhalt wird uns in der Bundesliga helfen. Es ist klar, dass wir Verstärkungen brauchen. Auch in der Abwehr, wo ich spiele. Wir haben jetzt schon die Qualität für die erste Liga. Aber wir brauchen in der nächsten Saison einen breiten Kader. Wenn Spieler wie Thomas Kraft oder (vielleicht) Andreas Ottl vom FC Bayern kommen, ist das toll. Die bringen eine Siegermentalität mit. Das haben wir schon beim Trainer und bei Christian Lell gesehen. Ich erwarte von den Neuen, dass sie respektieren, was diese Mannschaft mit dem Aufstieg geschafft hat.

Ich habe ein klein wenig Zeit benötigt, um zu verstehen, wie groß Berlin wirklich ist. Und wie groß Hertha in dieser Stadt ist. Ich freue mich auf die Bundesliga. Wir sollten realistisch bleiben. Als Aufsteiger heißt unser Ziel: sicher die Klasse zu halten. Mein Extraziel: Ich will im DFB-Pokal mehr als drei Runden spielen.

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