Mitgliederversammlung

Wie Preetz Hertha für die Bundesliga fit macht

Hertha BSC ist unter Michael Preetz nicht nur ab- und wieder aufgestiegen, sondern ist auch jünger, bescheidener und anfassbarer geworden. Doch der Manager ruht sich auf seinen Lorbeeren nicht aus. Er sorgt mit Kraft, Torun und Ottl schon frühzeitig für beachtliche Transfers.

Foto: dpa / dpa/DPA

Hertha BSC weilt auf Mallorca. Mitten im blau-weißen Tross ist Michael Preetz, dem Manager kommt etwas Ruhe gerade recht. Der Manager hatte zuletzt viel geredet: Am Sonntag auf der großen Aufstiegsparty mit 1000 Gästen auf der Insel Eiswerder. Am Montag vor 1600 Mitgliedern auf der Versammlung unterm Funkturm. Doch ehe es soweit war, hatten die Mitglieder den Geschäftsführer Sport, Kommunikation, Medien, so der offizielle Titel von Preetz, überrascht. Noch während der Ex-Profi die Bühne betrat, erhob sich der Saal und feierte den Manager in ohrenbetäubender Lautstärke. Stehende Ovationen – die gab es zum ersten Mal für Preetz, seit er sein Amt im Juni 2009 angetreten hat. Preetz war ein wenig verlegen, schmunzelte. „Es ist schön, dass Ihr gekommen seid, um Hertha zu feiern.“

Nein, die Huldigung galt ihm. Die Mitglieder wussten, dass diese Saison nicht nur für den Klub wichtig war, sondern auch für den Manager. Sein erstes Jahr im neuen Job hatte mit dem Abstieg geendet. Wäre Preetz in der zweiten Saison gescheitert, wäre seine Karriere beendet gewesen. Nicht nur bei Hertha. Wer hätte einen Manager mit einer derartigen Bilanz genommen?

Es war ein existenzielles Jahr für Preetz – mit einem positiven Ende. 24 Stunden nach Saisonende konnte der Manager zudem vermelden, dass die Planung für das kommende Bundesliga-Spieljahr weit fortgeschritten ist. Mit den Verpflichtungen von Thomas Kraft (22/FC Bayern) und Tunay Torun (21/HSV) hat Hertha eine Kampfansage an die Liga abgegeben. „Der Aufsteiger aus Berlin ist auch für junge Spieler mit Potenzial eine interessante Adresse“, so Preetz. Da der Manager bis Freitag in Mallorca ist, wird die Personalie Andreas Ottl (26) so lange ruhen. Aber der Mittelfeldspieler des FC Bayern wird ablösefrei kommen.

Nun gibt es Kritiker, die sagen, dass Preetz gar nichts geleistet habe. Der Abstieg 2010 sei sein Werk. Mit dem Aufstieg 2011 ist Hertha dort angekommen, wo er seinen Job vor zwei Jahren angetreten hatte. Im Liga-Vergleich war der Kader top besetzt, damit wäre selbst der Busfahrer aufgestiegen.

Bei dieser Betrachtung fällt unter den Tisch, dass Preetz Hertha einen kompletten und radikalen Umbruch unterzogen hat. Das hat – ungewohnt für Berlin – kaum jemand mitbekommen. Hertha ist eben nicht mit dem Bundesliga-Team von 2010 aufgestiegen. Preetz hat sich von 19 Profis getrennt – und 16 Neue verpflichtet. Vor allem hat er mit Markus Babbel einen Trainer geholt, der in einer ähnlichen Situation war. Nach dem letztlich missratenen Engagement in Stuttgart brauchte Babbel in Berlin Erfolg. Diesem Druck hat er sich gestellt.

Babbel nahm Herausforderung an

Babbel war Anfang Dezember verärgert, als Preetz ihm mitteilte, nach vier Niederlagen dürfe bis Weihnachten nichts mehr schiefgehen. Doch Babbel nahm die Herausforderung an. Er sagte der Mannschaft sinngemäß: Ich habe euch in diese Situation rein geführt. Ich führe euch wieder raus. Resultat: Hertha gewann das Schlüsselspiel gegen Aue mit 2:0. Auch beim damaligen Spitzenreiter Augsburg gab es eine gute Leistung. Damit hat der Trainer die Stuttgart-Zweifel weggewischt: Krise könne er nicht. Babbel kann Krise. Und Preetz auch. Die Zeiten, als er wie bei Lucien Favre auf Entwicklung gehofft hat, sind vorbei. Der Manager hilft und unterstützt den Trainer. Aber in jener Situation brauchte es schnelle Ergebnisse. Die Zeiten des netten (in diesem Zusammenhang war stets gemeint „entscheidungsschwachen“) Herrn Preetz sind vorbei.

Der Schatten seines Vorgängers ist lang. Dieter Hoeneß, zuvor 13 Jahre Hertha-Manager, ist vieles vorgeworfen worden. Aber nie, dass er entscheidungsschwach sei. Preetz hat Zeit gebraucht, um seine Tonlage zu finden. Er findet öffentlich weniger statt als sein Vorgänger. Auf den Pressekonferenzen mit Preetz und dem Trainer hat in der Regel Babbel 80 Prozent der Redeanteile. Früher war das umgekehrt.

Preetz ist leiser und weniger großspurig als der Vorgänger. Doch der Kader ist strategisch zusammengestellt. Talente wie Neumann, Schulz, Perdedaj und Lustenberger haben Potenzial für mehr. Pierre-Michael Lasogga (19) sowieso. Dessen vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2015 war umjubelter Höhepunkt der Preetz-Rede vor den Mitgliedern. Hertha hat weder Geld an Bayer Leverkusen gezahlt noch dort mit jemandem gesprochen. Falls der ehemalige Arbeitgeber von Lasogga im Sommer 2012 den Stürmer haben will, wird er Bayer mitteilen, dass er nicht zurück will.

Hertha ist unter Preetz jünger und anfaßbarer geworden. Bescheidener und mehr in Berlin geerdet. Die Fans danken es, der Zweitliga-Zuschauerschnitt von 460.00 legt Zeugnis davon ab.

„Mit dem Wiederaufstieg haben wir den Abstieg wieder gut gemacht“, sagte Preetz. Gleichwohl weiß er, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Wirtschaftlich wird Hertha Jahre brauchen, um das Niveau vor dem Abstieg wieder zu erreichen. Dafür sollte der Jahrgang 2011/12 die Bundesliga halten. Das wäre nicht nur für Hertha wichtig, auch für Preetz.

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