Bilanz

Was Hertha BSC in Liga Zwei gelernt hat

Schiedsrichter-Azubis, Reisen in entlegene Provinzen, packende Derbys und ein "Busenwischer": Einige Zweitliga-Besonderheiten wird Hertha in der Bundesliga sicher vermissen. Anderes gehört jedoch zum Glück der Vergangenheit an.

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Hertha BSC hat die Zweite Liga verlassen. Mit einem 2:1 gegen Mitaufsteiger Augsburg haben die Blau-Weißen eine Saison beendet, die für die Fans erstklassig lief. Trotzdem die Gegner Paderborn, Osnabrück oder Fürth hießen. Tore und Siege – Hertha war die Nummer eins und das lässt sich bekanntlich am besten feiern. Nun also wieder Bundesliga gegen Bayern, Bremen und Dortmund. Bevor aber die großen Spiele ab August anstehen, blickt Morgenpost Online zurück auf das Jahr im Unterhaus und findet, dass einige Dinge durchaus mitgenommen werden in den Fahrstuhl nach oben. Von anderen kann man sich ohne Wehmut getrost verabschieden.

Anreise am Spieltag: Nach Fürth, Bochum und Duisburg reiste Hertha zu Montagabendspielen erst am Spieltag – und gewann diese drei Partien allesamt 2:0. In der Bundesliga, wenn freitags um 20.30 Uhr, sonnabends um 18.30 oder sonntags um 17.30 angestoßen wird, empfiehlt sich ein ähnliches Verfahren. Immerhin sind fast alle Spielorte wieder günstig per Flieger erreichbar.

Reisen in schöne Stadien: Das Olympiastadion ist zurück unter seinesgleichen. Nicht länger Trolli-Arena, Frankfurter Volksbank Stadion oder Audi Sportpark heißen die Klassenkameraden. Sondern kommen fortan wieder aus Dortmund, Hamburg oder Bremen. Ein Wiedersehen gibt es auch mit der WM-Arena in München – statt TSV 1860 heißt der Gegner nur wieder FC Bayern. Und weil es eigentlich auch ganz schön ist, darf Augsburgs Stadion gleich mit. Das übrigens wird in der Bundesliga nicht länger unter „impuls Arena“ firmieren, sondern „SGL Arena“ heißen.

Frau mit Pfiff: Dass sich ein mittelgroßer Skandal auch einfach mal hinweglächeln lässt, bewies Bibiana Steinhaus am 4. Oktober 2010. Den unabsichtlichen „Busenwischer“ von Peter Niemeyer ignorierte sie mit einem kecken Grinsen. Das war erstklassig, das muss belohnt werden! Und, sie darf Hertha immer gern schiedsen: Am Sonntag gab es gegen Augsburg unter ihrer Spielleitung ein 2:1.

17-Jährige, die Tore schießen: Marco Djuricin war das erste Gesicht dieser nun zu Ende gegangenen Aufstiegssaison. Seine zwei Tore beim 3:2 gegen Oberhausen retteten den Saisonauftakt. Es sollten keine weiteren Treffer hinzukommen – doch die Zukunft liegt vor Djuricin. Und wer weiß schon, ob in Herthas Jugendakademie nicht längst weitere Talente seiner Klasse schlummern. Wenn ja – Markus Babbel sollte diesen Teenie zumindest im ersten Bundesligaspiel auf den Platz schicken.

Saisonabschluss mit Pokal: Träumen (ohne Zweitligafelge) wird ja wohl erlaubt sein...

Fußball zum Mittagessen: Anstoßzeiten am Sonnabend um 13 Uhr und sonntags um 13.30 Uhr sind eine Beleidigung für den Biorhythmus eines jeden Stadionbesuchers. Von Spielern ganz zu schweigen, die, um ihren Kohlehydratespeicher aufzufüllen, um 10.45 Uhr schon Berge von Pasta verdrücken müssen.

Reisen in die Provinz: Gößnitz, Lichtentanne, Wilkau-Haßlau und Bad Schlema – wer mit dem Zug zum Auswärtsspiel nach Aue gefahren ist, wird diese Zwischenhalte kennen gelernt haben. Aus dem Regional Express steigt Hertha nun wieder um in den ICE, das Erzgebirge, Paderborn oder Ingolstadt haben als Reiseziele ausgedient.

Schiedsrichter-Azubis: Wenn Adrian Ramos irgendwann seinen Enkelkindern von seinem Jahr in Deutschlands zweithöchster Spielklasse erzählt, wird vielleicht auch der Name von Christian Leicher fallen. Zur Erinnerung: Das war jener 32 Jahre alte Kaufmann aus Weihbichl, der in seinem Nebenberuf als Schiedsrichter Herthas Kolumbianer am 7. November 2010 einer „Tätlichkeit“ wegen Ellbogenchecks bezichtigte. Der DFB machte daraus „unsportliches Verhalten“, ein Spiel Sperre. Leicher stand mit seinem mangelhaften Urteilsvermögen nicht allein da in Liga zwei, die auch eine Ausbildungsliga ist für Schiedsrichter.

Gegentore aus 61 Metern: Hertha und der DFB-Pokal – auch in dieser Saison stellte der Hauptstadt-Klub schon in Runde zwei die Arbeit ein. Diesmal hörte das Grauen auf den Namen Michael Stahl und traf im Trikot der TuS Koblenz mit einem Befreiungsschlag noch aus der eigenen Hälfte mitten hinein ins blau-weiße Herz. Sein Glücksschuss bescherte Hertha neben der schon fast traditionellen Pokalblamage auch eine Nebenrolle bei der Siegerehrung für das „Tor des Jahres“.

Derbys: So reizvoll die zwei Spiele gegen den 1. FC Union für die Stadt auch waren. Lust auf eine Revanche für die verlorene Stadtmeisterschaft gibt es nicht. Es sei denn, Union schaut irgendwann mal zu einem erneuten Kräftemessen im Oberhaus vorbei. No-Names: Wer gern mal mit Brandy das Stadion betreten möchte, ist in der Zweiten Liga richtig aufgehoben. Der spielt nämlich beim SC Paderborn. So wie Lukimya-Mulongoti in Düsseldorf oder Le Beau in Aue. Hübsche Namen durchaus, aber wer kann damit schon ein Gesicht verbinden? Das wird jetzt wieder ganz anders, wenn Schweinsteiger, Raul, Pizarro, Podolski oder Ballack zu Besuch ins Olympiastadion kommen.

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