Hertha BSC

Ebert gibt sich nach Verletzungs-Aus optimistisch

Patrick Ebert gehörte bereits in der Saisonvorbereitung zu Trainer Babbels Lieblingsspielern. Doch dann riss sein Kreuzband im rechten Knie. Er sei nun den Hertha-Fans etwas schuldig, sagt der 23-Jährige.

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Wenn Trainer Markus Babbel sagt, er freue sich schon auf den ersten Zugang der Winterpause, dann denkt der Trainer von Hertha BSC an Patrick Ebert. Der 23 Jahre alte Berliner riss sich das vordere Kreuzband im rechten Knie. Fünf Monate Leidenszeit und ein durch und durch missratenes Jahr 2010 liegen hinter Ebert. Umso hoffnungsvoller blickt er nach vorn.

Morgenpost Online: Herr Ebert, wie beschreiben Sie Ihr Jahr 2010?

Patrick Ebert: Für mich war es ein beschissenes Jahr. Es war sicher nicht mein Ziel, mich zu verletzen. Das ist leider passiert. Vor dem Kreuzbandriss habe ich unter unserem damaligen Trainer Friedhelm Funkel nicht gespielt. Warum, weiß ich bis heute nicht. Er hat es mir nie erklärt. Aber das ist abgehakt für mich, Vergangenheit. Ich schaue nach vorn. Und freue mich, dass ich bald wieder spielen kann.

Morgenpost Online: Haben Sie nach den Erfahrungen mit Funkel und dem Abstieg überlegt, Hertha zu verlassen?

Ebert: (überlegt lange) Ich wollte nie aus Berlin raus. Auch ich habe in der Abstiegssaison nicht gut gespielt und bin den Fans etwas schuldig geblieben. Ich wollte nicht als Feigling abhauen. Aber wenn dir ein Trainer nicht vermitteln kann, warum du nicht spielst, denkst du schon über einen Wechsel nach. Hätten wir die Klasse gehalten, wäre Funkel wohl geblieben. In diesem Fall hätte ich Hertha wahrscheinlich verlassen. Entscheidend war, dass Markus Babbel mir sofort sein Vertrauen geschenkt hat. Er sagte mir: Du bist ein schwieriger Charakter. Aber ich werde dich zurechtbiegen und gebe dir meine volle Unterstützung. Wir haben ein gutes Verhältnis. Und ein Jahr Zweite Liga schadet keinem. Man wird härter dadurch.

Morgenpost Online: Sie hatten sich viel für die Hinrunde vorgenommen, dann der Kreuzbandriss. Hadern Sie mit Ihrem Schicksal?

Ebert: Nein. Natürlich ist man niedergeschlagen. Ich denke aber, die Verletzung war ein Zeichen von Gott. Ich habe kürzlich lange mit meiner Oma darüber gesprochen. Sie meinte, dass es einfach passieren sollte. Wenn man viel will, setzt man sich manchmal zu sehr unter Druck. Das habe ich in dem Zweikampf, der zum Kreuzbandriss führte, vielleicht gemacht. In der nächsten Situation bin ich schlauer. Entweder muss ich noch schneller werden oder über den herauseilenden Torwart springen.

Morgenpost Online: Was war Ihr Höhepunkt dieses Jahr?

Ebert: Für mich gab es leider keinen wirklichen Höhepunkt. Ich hatte einige Höhen, aber leider mehr Tiefen. Mein Höhepunkt 2010 wird das Weihnachtsfest. Am Heiligabend kann ich endlich mal wieder mit meiner ganzen Familie zusammen sein. Wir werden einfach nur den Abend genießen und uns lieb haben.

Morgenpost Online: Was ist Ihr Ziel für das neue Jahr?

Ebert: Mein erstes Ziel ist natürlich der Aufstieg. Und ich will zwischen acht und zehn Tore machen. Wir haben noch 17 Spiele. In denen will ich der Mannschaft so gut es geht helfen, mit Vorlagen und Toren. Jeder Spieler sollte sich an die eigene Nase fassen und fragen, ob er alles für den Aufstieg tut. Wenn wir dieses Ziel nicht erreichen, wird es schwer für Hertha. Gerade finanziell. Und wer will schon noch ein Jahr in der Zweiten Liga spielen? Wir sind die Hauptstadt, wir gehören in die Bundesliga. Da kann man nicht nach jedem gewonnen Spiel feiern gehen.

Morgenpost Online: Mit Verlaub: Ausgerechnet Sie sagen das?

Ebert: Jeder wird reifer. Das ist bei mir jetzt passiert. Ich bin ruhiger geworden, das dürfen Sie mir glauben. Früher wollte ich vieles mitnehmen und habe mich nicht wie ein Profifußballer verhalten.

Morgenpost Online: Wann kam der Moment, als Sie sagten: Ich muss etwas ändern?

Ebert: Ich sehe, wo meine ganzen Kumpels spielen. Jerome Boateng bei Manchester City, sein Bruder Kevin beim AC Mailand, Ashkan Dejagah ist mit dem VfL Wolfsburg im vergangenen Jahr Deutscher Meister geworden. Ich weiß, dass ich genauso gut bin und auch so etwas erreichen kann. Das ist mein großes Ziel, und dafür stelle ich jetzt alles andere in den Hintergrund. Andere Sachen kommen dabei zu kurz. Aber ich habe erkannt, dass man sein Leben auch nach der Karriere als Spieler noch genießen kann.

Morgenpost Online: Haben Sie noch Kontakt zu den Boatengs und Dejagah?

Ebert : Zu Kevin gar nicht mehr. Zu Ashkan ab und zu, am meisten zu Jerome. Ich habe ihn neulich in Manchester besucht. Es ist für ihn ein anderes Leben dort, aber er fühlt sich sehr wohl. Ich bin gar nicht neidisch, sondern gönne ihm alles. Er hat es sich verdient.

Morgenpost Online: Sie möchten nicht mehr wie früher mit Ihrem Spitznamen Ebi angesprochen werden. Warum nicht?

Ebert: Meine Kumpels sprechen mich noch so an. Das ist auch in Ordnung. Aber insgesamt bin ich nicht mehr der kleine Patti. Patrick hört sich besser an. Ich will nicht mit 30 noch Ebi genannt werden.

Morgenpost Online: Marko Pantelic sagte einmal, dass Sie für ihn wie ein kleiner Bruder sind. Welchen Anteil hat er an Ihrem Reifeprozess?

Ebert: Er war meine Bezugsperson bei Hertha, hat entscheidend dazu beigetragen, dass ich ruhiger geworden bin. Er hat gesagt: Du bist ein sehr guter Spieler. Aber das reicht nicht, du musst dich auch außerhalb des Platzes wie ein Profi verhalten und kannst nicht das machen, was du willst. Er ist einer der wenigen, auf die ich in meiner bisherigen Laufbahn gehört habe. Wir telefonieren ein bis zwei Mal die Woche. Er und Josip Simunic fehlen Hertha.

Morgenpost Online: Die Mannschaft ist sehr jung geworden. Fühlen Sie sich als Führungsspieler?

Ebert: Auf jeden Fall. Mit meinem Einsatz kann ich der Mannschaft immer helfen. Dieser letzte Wille, das Tor zu erzielen, hat in einigen Spielen zum Ende der Hinrunde etwas gefehlt. Wir suchen zu früh den Abschluss. Am Anfang der Saison haben wir sehr gut gespielt. Da müssen wir wieder hinkommen. Die Qualität haben wir.

Morgenpost Online: Nach Pal Dardai sind Sie inzwischen der dienstälteste Herthaner.

Ebert: Ja. Ich bin seit zwölf Jahren bei Hertha, Pal seit 13. Ich versuche, einen Rekord aufzustellen, den keiner mehr brechen kann. (lacht). Ernsthaft: Hertha ist mein Verein.

Morgenpost Online: Haben Sie keinen Traumverein?

Ebert: Doch. Manchester United. Seit meiner Kindheit. Früher hat David Beckham dort gespielt und war mein Vorbild. Jetzt will ich selbst Vorbild für junge Spieler sein. In diese Rolle will ich hineinwachsen. Ich kann mir auch vorstellen, bis zu meinem Karriereende bei Hertha zu spielen.

Morgenpost Online: Was ist Ihre Wunschposition?

Ebert: Die habe ich bei Hertha leider noch nie spielen dürfen. In einem Gespräch mit Babbel habe ich ihm gesagt, dass ich gern auf der Zehn spielen würde. Am liebsten neben Raffael. Ich spiele natürlich dort, wo er mich aufstellt. Zum Beispiel auf der rechten oder linken Seite. Rob Friend braucht Flanken, er kriegt zu wenig.

Morgenpost Online: Am 15. Mai hat Hertha das letzte Saisonspiel. Wo würden Sie an diesem Tag am liebsten den Aufstieg feiern?

Ebert: Am Brandenburger Tor. Und ich würde gern den Audi R8 unseres Präsidenten Werner Gegenbauer fahren. Und darin die Schale in die Höhe strecken.

Morgenpost Online: Haben Sie ihn schon gefragt, ob er den Wagen hergeben würde?

Ebert: Dann will er bestimmt meinen Porsche als Gegenleistung (lacht).