Sieg in Aue

Hertha krönt Saison mit Zweitliga-Meistertitel

Nach dem 2:0 in Aue ist Hertha BSC der erste Platz nicht mehr zu nehmen. Kapitän Mijatovic stemmte ein Papp-Imitat der Meisterschale gen Himmel – ein Vorgeschmack auf den Saisonabschluss im Olympiastadion. Doch nicht alle Herthaner waren begeistert.

Der Mann vom Fernsehen bat darum – und Markus Babbel tat ihm gut gelaunt den Gefallen. Der Trainer von Hertha BSC entledigte sich seines Jacketts und streifte das blaue T-Shirt über mit der Aufschrift „Eine Stadt. Ein Team. Ein Ziel – Meister 2011 Zweite Liga“ über sein weißes Anzughemd. Am viertletzten Spieltag hatte Hertha BSC den Wiederaufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht. Mit einem 2:0 (2:0) bei Erzgebirge Aue sicherte sich der Hauptstadt-Klub einen Spieltag vor dem Ende auch die Zweitliga-Meisterschaft. „Das war wichtig für Hertha BSC“, sagte Abwehrspieler Christian Lell: „Über Jahre hat Hertha, wenn es etwas zu gewinnen gab, kurz vor Schluss versagt. Wir haben jetzt durchgezogen. Diesen Titel kann uns niemand mehr nehmen.“

Die große Party in Blau und Weiß steigt zum Saisonfinale am kommenden Sonntag, wenn Mitaufsteiger FC Augsburg vor 77.116 Zuschauern im Olympiastadion gastiert. Die Schwaben taten den letzten Schritt durch ein 2:1 gegen den FSV Frankfurt und feierten danach ausgelassen mit Bierduschen und allem was dazu gehört den erstmaligen Gang in Liga eins. Torhüter Simon Jentzsch jubelte: „Wir haben hier Geschichte geschrieben, das kann uns keiner mehr nehmen“ – und schon gar nicht mehr der drei Punkte und 21 Tore schlechter notierte VfL Bochum als Dritter vor dem letzten Spieltag.

Glück bei einem Pfostentreffer

Das Olympiastadion wird am kommenden Sonntag also nicht nur atmosphärisch, sondern tatsächlich auch sportlich einen Vorgeschmack auf die kommende Bundesliga-Saison erleben. Den bekam der Trainer schon im Erzgebirgsstadion zu spüren. Da wollte sich Babbel nach einer artigen Runde von den mitgereisten Hertha-Fans verabschieden, um den obligatorischen Medien-Marathon nach Abpfiff zu absolvieren. Andre Mijatovic, der Kapitän, holte den Trainer aber zurück vor den Gästeblock. Dort wurde, Babbel mittendrin, noch einmal kräftig gesungen. Ein Imitat der Zweitliga-Trophäe kreiste – das 8,5 Kilo schwere Original der Deutschen Fußball-Liga wird Hertha am nächsten Wochenende überreicht. Doch nicht jeder Profi griff zu. „Die Pappfelge habe ich nicht angefasst, das ist ein No Go. Ich will die richtige Schale“, sagte Lell.

Die Geschichte von Herthas vorletztem Zweitligaspiel ist rasch erzählt. Bei schwierigen Rasenverhältnissen nutzte Adrian Ramos nach 14 Minuten die erste torgefährliche Aktion prompt zum Führungstreffer. Der Torjäger schoss aus 20 Metern, der Ball beschleunigte auf dem vor Anpfiff noch frisch gewässerten Rasen und schlug flach unten links ein, 1:0.

Mit der Führung im Rücken setzte Herthas Notelf ihre Strategie konsequent um. Die Gäste griffen Aue extrem früh in deren Hälfte an. Trainer Babbel hatte gewarnt, dass man den FC Erzgebirge tunlichst weit weg vom Hertha-Tor halten sollte. Mit Ausnahme einer kitzligen Situation gelang das. In Minute 32 hatte Torwart Sascha Burchert Glück, dass Jan Hochscheidt nur den Pfosten traf. Mehr ließ die Innenverteidigung um Mijatovic und Sebastian Neumann nicht zu. Dafür zeigten sich drei Profis, die sonst nicht so häufig zum Einsatz gekommen waren. Ronny war eine Stunde lang bester Mann auf dem Platz. Fanol Perdedaj machte zunächst seinem Spitznamen „Gattuso“ alle Ehre und glänzte als nimmermüder Zweikämpfer. Er kann aber auch anders.

Mit einem Pass direkt in die Schnittstelle der Verteidigung spielte Perdedaj Rob Friend frei. Der Kanadier behielt die Übersicht und schlenzte den Ball überlegt an Aues Torwart Martin Männel vorbei, 2:0 (44.), das war schon die Entscheidung. Der Jubel nach diesem Treffer zeigte, welch starker Trumpf der Zusammenhalt bei Hertha im Kampf um den Aufstieg war. Friend rannte nach seinem Treffer völlig losgelöst auf die Bank zu, umkurvte alle Gratulanten und herzte Cotrainer Reiner Widmayer. Der Stürmer hatte seit dem 24. September (1:0 in Cottbus) keinen Treffer mehr erzielt. „Rob hat nie aufgesteckt“, sagte Widmayer, „ich rechne es ihm hoch an, dass er seinen Unmut nie in der Kabine gezeigt hat. Umso mehr freut es mich, dass die harte Arbeit nun belohnt worden ist.“ Auch der Trainer freute sich, dass Friend seine Chance genutzt hatte. „Obwohl er seinen Stammplatz verloren hatte, hat Rob einen fantastischen Job gemacht. Er hat im Training immer Druck auf Pierre ausgeübt.“

Aus der zweiten Hälfte in Aue wird keine einzige Szene in irgendeinem Saisonrückblick auftauchen. Hertha zog sich etwas weiter zurück, fuhr zwei gefährliche Konter. Nikita Rukavytsya scheiterte ebenso an Torwart Männel (63.) wie Ronny (79.). Auch auf der Bank herrschte deutlich vor dem Abpfiff Zuversicht, dass nichts mehr schief gehen kann. Ronny, kurz zuvor ausgewechselt, zog sich nach 83 Minute das Meister-Shirt an und verfolgte gelassen die letzten Minuten.

Babbel gibt frei bis Mittwoch

Hertha unterstrich auch in Aue seine Auswärtsstärke, im Jahr 2011 steht die Bilanz in der Fremde nun bei acht Siegen und zwei Unentschieden. Zudem haben die Berliner mit dem 22. Saisonerfolg die Rekordzahl von Hannover 96 aus der Saison 2001/02 eingestellt – und können das märchenhaft verlaufene Jahr am letzten Spieltag nun auch mit einer Bestmarke in dieser Rubrik krönen. Trainer Babbel ist auch so schon stolz. „Ich freue mich wahnsinnig, dass wir es geschafft haben. Die Mannschaft hat mit der Meisterschaft das i-Tüpfelchen auf die Saison gesetzt.“ Milde, wie er gestimmt war, erließ der Trainer seinem Team das obligatorische Auslaufen. Die nächste Trainingseinheit findet erst am Mittwoch statt.

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