Hertha BSC

Niederlage für Ebert besonders schmerzlich

Herthas Niederlage gegen München war die erste seit der Rückkehr von Patrick Ebert ins Team. Im Interview mit Morgenpost Online spricht der gebürtige Potsdamer über Spielerkollege Pierre-Michelle Lasogga und erklärt, warum die Bayern gut für Hertha sind.

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Nach dem 1:2 am Freitag gegen 1860 München fiel die Party für die Zweitliga-Meisterschaft von Hertha BSC vorerst aus. Für Patrick Ebert (24) war es eine besondere Niederlage, nämlich die erste, seit er nach einem Kreuzbandriss wieder im Team des Noch-Zweitligisten steht. Darüber und über seine Entwicklung zum (endlich) gereiften Profi sprach Ebert mit Morgenpost Online.

Morgenpost Online: Herr Ebert, war es ein Fehler, Sie beim Stand von 1:1 auszuwechseln?

Patrick Ebert: Na ja, vielleicht hätten wir das Gegentor auch mit mir auf dem Platz bekommen. Wir haben als Mannschaft nicht gut gespielt, ich selbst auch nicht, insofern konnte ich die Auswechslung schon nachvollziehen.

Morgenpost Online: Die Frage zielte darauf ab, dass Hertha BSC mit Ihnen noch ohne Niederlage war.

Patrick Ebert: Ich stand von Anfang an auf dem Platz, gehöre zur Mannschaft, wir haben verloren. Insofern ist meine Serie jetzt zu Ende.

Morgenpost Online: Hat die Mannschaft gegen die „Löwen“ gesehen, was für die Bundesliga noch fehlt?

Patrick Ebert: Ja, klar. Uns hat die letzte Konzentration beim Torabschluss und auch vorher schon im Passspiel gefehlt. Trotzdem sind wir in Führung gegangen. Das dürfen wir nach 60 Minuten nicht mehr herschenken, nicht noch zwei Tore kassieren. Für die Bundesliga reicht eine solche Leistung nicht; da müssen wir schon noch ein paar Schippen rauflegen.

Morgenpost Online: Grundsätzlich dürfen Sie aber ein gutes Gefühl mit sich herumtragen? Wie bewerten Sie nach dem Kreuzbandriss Ihre Saisonleistung?

Patrick Ebert: Ich habe mich wohl gefühlt und gefreut, wieder spielen zu können. Was Tore und Vorlagen angeht, habe ich mein Ziel zwar nicht erreicht, dafür aber in fast jedem Spiel den Pass vor einer eigentlichen Torvorlage gegeben.

Morgenpost Online: Auch emotional haben Sie dem Team und den Fans einiges gegeben.

Patrick Ebert: Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer mit 100 Prozent dabei bin – auch im Training. Ja, vielleicht hat der Mannschaft das in der Phase nach dem verlorenen Derby Anfang Februar geholfen. Aber das gesamte Team hat über die Saison hinweg Hervorragendes geleistet.

Morgenpost Online: Ehe Sie wieder mittun durften, musste Trainer Markus Babbel Sie vor zu großer Ungeduld warnen. Was war das für eine Erfahrung?

Patrick Ebert: Ich war enttäuscht, dass ich nicht spielen durfte. Wer das nicht ist, der hat im Fußball nichts verloren. Ich habe seine Worte hingenommen, auch wenn es mir schwer fiel. Aber am Ende hat sich ja alles als gut und richtig erwiesen.

Morgenpost Online: Herr Ebert, Sie wirken dieser Tage so reif wie nie. Wer oder was hat Sie geprägt?

Patrick Ebert: Man wird als Mensch ja insgesamt immer reifer. Aber meine Verletzung hat mich zusätzlich zum Nachdenken gebracht. Ich habe meine Gesundheit zu schätzen gelernt; sie ist alles, für jeden Menschen. Und ich habe in der Zeit, zu der ich nicht Fußball spielen konnte, auch mal das eine oder andere Buch gelesen.

Morgenpost Online: Haben Sie noch Angst davor, wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen?

Patrick Ebert: Welche Verhaltensmuster meinen Sie – dass ich Scheiße baue? Einmal werde ich noch wild sein: am 15. Mai. Danach werde ich mich im Urlaub entspannen, aber auch so vorbereiten, dass ich eine ganze Saison gut spiele und nicht nur zwei, drei Spiele lang und dann wieder zehnmal hintereinander schlecht.

Morgenpost Online: Mit dem Aufstieg hat sich Ihr Vertrag bis 2012 verlängert. Hätten Sie gern mal für längere Zeit Sicherheit?

Patrick Ebert: Das brauche ich nicht. Sicherheit habe ich, wenn ich meine Leistung bringe. Dann kriege ich sicher immer einen Vertrag.

Morgenpost Online: Bei Hertha? Oder zieht es Sie auch mal woanders hin?

Patrick Ebert: Hertha wird immer mein erster Ansprechpartner sein, ich würde gern noch sehr lange hier spielen. Berlin ist meine Stadt, ich liebe Hertha.

Morgenpost Online: Wenn Sie auf den von Ihnen geliebten Verein blicken: Wie hat er sich nach dem Abstieg verändert?

Patrick Ebert: Ich finde, dass Hertha sich sehr zum Positiven gewandelt hat. Wir waren zu Recht abgestiegen, aber haben eine Menge aus diesem Albtraum gemacht. Auf die Mannschaft bezogen, kann ich sagen, dass ich es in den Jahren zuvor immer vermisst habe, dass wir kein richtiges Team waren. Jetzt waren auch die Reservisten voll dabei, haben gebrannt und ihre Chance nutzen wollen, wenn sie sie bekommen haben.

Morgenpost Online: Sie betonten neulich, dass gerade die jungen Spieler in einem Maße bodenständig seien, wie Sie selbst und Ihre Alterskollegen Dejagah und Boateng es nicht waren. Was hat sich da verändert?

Patrick Ebert: Ich nehme an, dass die Jungs von heute damals auch schon Zeitung gelesen und mitbekommen haben, was wir alles vergeigt haben (lacht). Zu Nico Schulz, Marco Djuricin und Pierre-Michel Lasogga habe ich einen guten Draht, gebe ihnen den einen oder anderen Rat. Pierre zum Beispiel, der ja voll im Blickpunkt steht, warne ich, dass er nicht abheben soll. Aber er macht auch da einen guten Job.

Morgenpost Online: Hand aufs Herz: Hätten Sie Lasogga eine solche Saison zugetraut, als Sie ihn im Sommer das erste Mal gesehen haben?

Patrick Ebert: Sie meinen, weil er körperlich noch nicht ganz soweit war? Trotzdem habe ich im Trainingslager schon bemerkt, dass er gut kicken kann, aber dass er vor allem auch immer gewinnen will. In der Hinsicht erinnert er mich ein bisschen an mich selbst.

Morgenpost Online: Gewinnen wollen – niemand will das mehr als Ihr Trainer. Wie wichtig sind Babbel oder Christian Lell, für die es beim FC Bayern nie um etwas anderes ging als um Platz eins, für einen Klub wie Hertha?

Patrick Ebert: Sehr wichtig! Solche Typen brauchen wir, und wir brauchen auch noch mehr von diesem Münchner Siegeswillen. In den letzten Jahren war es bei uns zu oft so: Haben wir nach zehn Minuten ein Gegentor kassiert, dann haben 80 Prozent der Spieler das Spiel gedanklich schon als verloren abgehakt. Das war in dieser Saison ganz anders, das war super.

Morgenpost Online: Also wären Sie nicht abgeneigt, wenn die Spekulationen Berliner Medien Wirklichkeit würden und Babbel und Lell mit Andreas Ottl oder Thomas Kraft noch der eine oder andere Bayern-Profi mehr folgt?

Patrick Ebert: Grundsätzlich ist die Kaderplanung Aufgabe des Managements. Aber natürlich tragen auch sie dieses Sieger-Gen in sich, das wir alle entwickeln sollten. Denn nur so kannst du viel erreichen.