Nach der fristlosen Kündigung

Favre und Hertha streiten jetzt vor Gericht

Der ehemalige Hertha-Trainer Lucien Favre trifft sich am Donnerstag mit seinem ehemaligen Arbeitgeber vor Gericht. Bei der Güteverhandlung geht es um die fristlose Kündigung, die der Verein nach einer privaten Pressekonferenz von Favre ausgesprochen hat. Es wird erwartet, dass Favre Millionenforderungen stellen wird.

Foto: AP

Die Klage von Ex-Trainer Lucien Favre gegen Fußball-Bundesligist Hertha BSC wird an diesem Donnerstag vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg verhandelt. Wie das Gericht am Montag mitteilte, wird es zunächst eine Güteverhandlung geben. Sollten sich die Anwälte von Favre und Hertha BSC nicht einigen, muss das Gericht entscheiden.

Der Tabellenletzte hatte den Schweizer wegen der sportlichen Talfahrt am 28. September beurlaubt. Auf einer privaten Pressekonferenz im Berliner Luxushotel Adlon am 6. Oktober hatte Favre eigene Fehler eingeräumt, aber in diplomatischer Form auch die Vereinspolitik kritisiert. So hatte er Präsident Werner Gegenbauer dafür kritisiert, dass dieser erst während der laufenden Saison über Investitionen nachdachte: "Eines ist klar, im Winter muss Hertha investieren. Nicht eine halbe Million Euro, sondern zehn Millionen. Es ist bemerkenswert, dass Herr Gegenbauer jetzt davon [von Nachkäufen im Winter/Anm.d.Red.] spricht."

Gegenbauer jedoch sagte als Reaktion auf die Äußerungen, Favre sei in die Saisonplanung vollständig eingebunden gewesen, habe die finanziellen Möglichkeiten gekannt. „Personelle Entscheidung das Team betreffend, sind immer mit seiner Zustimmung gefallen.“ Zudem sagte er: „Der Verein hat die Trennung von Dieter Hoeneß nicht verkraftet. Dieser Umstand hat meine Arbeit erschwert.“ Auch den Transfer von Artur Wichniarek (32) monierte er indirekt: "Es war immer meine Philosophie, Spieler mit Perspektive zu verpflichten, die man später gewinnbringend verkaufen kann."

Da Favre zu diesem Zeitpunkt noch Angestellter von Hertha BSC war, reagierte der Vorjahres-Vierte auf die Aussagen zwei Wochen später mit der fristlosen Kündigung des Coaches. Dagegen klagte Favre, der in Berlin noch einen Vertrag bis 2011 besaß und vor Gericht daher Ansprüche in Millionenhöhe geltend machen dürfte.