Bundesliga-Aufstieg

Gegen Duisburg reicht Hertha ein Punkt

Hertha kann es am Ostermontag perfekt machen - den vorzeitigen Aufstieg zurück in die 1. Bundesliga. Bei drei austehenden Spielen würde ein Punkt gegen Duisburg bereits reichen.

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Niemand zweifelt mehr. 31 Tore, na gut, die sind theoretisch aufzuholen. Aber vom VfL Bochum? Gegen Hertha BSC? An noch drei ausstehenden Spieltagen, bei neun Punkten Rückstand des Tabellendritten auf den Spitzenreiter? Nein, abgesehen von einem Restrisiko von gefühlten 0,005 Prozent steht der Hauptstadt-Klub als erster Aufsteiger der Saison 2010/11 in die Bundesliga fest.

Ein 0:0 der Bochumer in Paderborn am Gründonnerstag und ein deutliches 0:3 von Greuther Fürth am Ostersonnabend beim TSV 1860 München haben dem Team von Trainer Markus Babbel schon vor dessen Gastspiel am Montagabend in Duisburg (20.15 Uhr, Sport1 live) die entsprechenden Steilvorlagen geliefert. Quasi auf dem Sofa hat Hertha die unangenehme Reise durch die Zweite Liga zu einem erfolgreichen Abschluss geführt.

Gleichwohl halten die Verantwortlichen den Ball weiter flach: „Solange wir rechnerisch nicht durch sind, gibt es auch nichts zu feiern“, sagt Manager Michael Preetz beinahe trotzig. Und Trainer Babbel warnt davor, die Aufgabe Duisburg zu unterschätzen: „Das wird ein schweres Auswärtsspiel. Ein Spaziergang wird das jedenfalls nicht.“

Aussagen wie diese sind in erster Linie dazu angetan, die Spannung beim kickenden Personal hochzuhalten. Nach dem Motto: Jetzt bloß nicht nachlassen. Denn natürlich zweifelt auch im Klub niemand mehr, dass der Vorsprung ausreichend groß ist. Zumal Hertha in der schönen Schauinsland-Reisen-Arena zu Duisburg schon ein Punkt genügt, um die „Mission Wiederaufstieg“ bereits auf der 31. von 34Etappen in Liga zwei zu vollenden. Alles danach wäre Schaulaufen, eine umjubelte dreiwöchige Tour d’Honneur durch das Unterhaus, ehe der Hauptstadt-Klub in der nächsten Saison wieder erstklassig unterwegs sein darf.

Wer nun mäkeln mag, eben diesen letzten Schritt habe Hertha soundsooft verdaddelt - man kann den Blau-Weißen in der Vergangenheit ja so einiges nachsagen; die verfehlten Qualifikationen zur Champions League 2005 und 2009 zum Beispiel. Aber im Hier und Jetzt ist dem von Trainer Markus Babbel verantworteten Ensemble kaum ein Vorwurf zu machen. Eine ganze Reihe von Gründen spricht dafür, dass Hertha das gesteckte Ziel keinesfalls noch verfehlen und sogar schon in Duisburg erreichen wird.

Big Points gesammelt: Mit Ausnahme des 1:2 im emotional belasteten Derbys gegen den 1. FC Union hat Hertha in dieser Saison die Big Points samt und sonders gesammelt – und sich damit die exquisite Ausgangsposition erarbeitet, die schon jetzt, Ende April, den Aufstieg Wirklichkeit werden lassen kann. Gegen Fürth und Bochum siegte Hertha in den Heimspielen ebenso jeweils 2:0 wie auch in Fürth und Bochum. Genauso beendete ein 2:0 gegen Aue im November die schwerste Krise von zuvor (inklusive Pokal) vier Niederlagen in fünf Spielen, in Augsburg folgte ein für die Moral wertvolles 1:1. In die Kategorie „wichtig und eindrucksvoll gleichermaßen“ fallen das 1:0 Ende September in Cottbus, als der damalige Tabellenführer beim punktgleichen Zweiten zu Gast war, und das 5:0 in Aachen.

Serientäter: Die Berliner sind seit neun Spielen ungeschlagen (sieben Siege, zwei Remis). Umgekehrt hat Duisburg nur zwei der letzten neun Partien gewonnen (zwei Remis, fünf Niederlagen) – immerhin waren das die vergangenen Heimspiele gegen Düsseldorf (1:0) und Aachen (3:2). Seit dem Einzug ins Pokalfinale am 21. Mai gegen Schalke 04 läuft es in der Liga gar nicht mehr. „Unsere Verletztenliste und unser recht kleiner Kader geben die Antwort, warum“, sagt Mittelfeldspieler Goran Sukalo. Derzeit fehlen dem MSV in Srdjan Baljak (neun Tore) und Stefan Maierhofer (acht) die beiden besten Torjäger ebenso aus Verletzungsgründen wie Julian Koch, der bis zu seinem Ausfall unumstrittener Leistungsträger war.

Vorne immer, hinten nimmer: Hertha hat in jedem der zurückliegenden 15 Spiele wenigstens ein Tor erzielt und in acht der letzten neun sogar jeweils mindestens zweimal getroffen. Gleichzeitig hat die Defensive in den vergangenen drei Partien und damit seit insgesamt 274 Minuten kein Gegentor mehr zugelassen.

Beste Auswärts-Mannschaft: Zehn Siege hat der MSV in dieser Saison in Heimspielen gefeiert, bei einem Unentschieden und vier Niederlagen ist das keine schlechte Bilanz. Die Berliner muss die trotzdem nicht schocken, sie sind auswärts das beste Team der Liga und auf des Gegners Platz seit acht Spielen ungeschlagen (sechs Siege, zwei Remis).

Beste Rückrunden-Mannschaft: Mit 38 Toren hat Hertha im Kalenderjahr 2011 so viele geschossen wie die Verfolger Augsburg und Bochum (je 19) zusammen. 32 in diesem Zeitraum gesammelte Punkte sind je vier mehr als die Konkurrenz aus Augsburg und Bochum und sogar deren acht mehr, als Fürth geschafft hat.

Kaum auszurechnen: Cottbus hat Nils Petersen, Aachen hat Benjamin Auer. Die Top-Torjäger dieser Saison, Einzelkämpfer an vorderster Front. Berlins treffsicherster Angreifer, Adrian Ramos, rangiert mit 13 Einschüssen auf Rang fünf. Dafür ist Hertha die einzige Mannschaft mit mehr als einem Schützen, der zweistellig traf: Neben Ramos sind das Pierre-Michel Lasogga (zwölf) und Raffael (zehn). Aber nicht nur in der Spitze ist die Last des Toreschießens gut verteilt. 14 verschiedene Torschützen künden auch von einer unerreichten Breite.

Also, Hertha, mach’ den letzten Schritt!