Hertha

Babbel bleibt trotz möglichem Aufstieg vorsichtig

„Wir schauen nur auf uns selbst", bremst Hertha-Trainer Markus Babbel die Euphorie um den möglichen vorzeitigen Aufstieg der Berliner in die Bundesliga. Die Ergebnisse der Konkurrenten würden ihn nicht interessieren.

Foto: dpa / dpa/DPA

Es sind nur wenige Meter vom Schenckendorffplatz zu den Umkleidekabinen auf dem Trainingsgelände von Hertha BSC. Für Andre Mijatovic und Pierre-Michel Lasogga hatte es dieser kurze Weg am Mittwochnachmittag jedoch in sich. Reihenweise stellten sich ihnen erwartungsfroh Fans des Zweitligisten in den Weg, drückten den Profis Stifte in die Hand für ein Autogramm oder stellten sich neben sie für ein Erinnerungsfoto.

Geduldig erfüllten der Kapitän und der Torjäger der Blau-Weißen die Wünsche der Anhänger, gut 60 hatten sich anlässlich der ersten Einheit der neuen Übungswoche eingefunden – frühsommerliche Temperaturen über 20 Grad und die Osterferien machten es möglich. „Hier ist solch eine Euphorie, als ob wir es schon geschafft hätten“, kommentierte Mijatovic fast etwas skeptisch das Geschehen: „Doch rechnerisch sind wir noch nicht durch.“

Keine Frage, die Vorfreude auf das große Ereignis, sie war fast greifbar. Jetzt, da das Erreichen des Saisonzieles, der Aufstieg in die Bundesliga, die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus nach nur einem Jahr Abstinenz, unmittelbar bevorsteht. Bereits Sonnabend kann der Traum Wirklichkeit werden. Sollte am Donnerstag der VfL Bochum auch beim abstiegsbedrohten SC Paderborn verlieren und anschließend Greuther Fürth nicht über ein Unentschieden bei 1860 München hinaus kommt – Hertha BSC wäre am 31. Spieltag wieder Erstligist, ohne schon selbst gespielt zu haben.

Aberglaube beim Trainer?

Geht es nach Mijatovic, dann darf dieser Fall durchaus eintreten. Auch wenn er zugab, dass es schon „ein schöneres Gefühl ist, es auf dem Platz selbst zu schaffen“. So geht der Blick beim Tabellenführer auch nicht nach Paderborn und nach München, sondern nach Duisburg. Allen Eventualitäten zum Trotz kann und will die Mannschaft von Trainer Markus Babbel am Ostermontag beim MSV selbst den letzten Schritt vollziehen. „Wir wollen am Montag mit einer Topleistung die fehlenden drei Punkte holen“, sagte der Trainer. Und tat damit genau das, was er schon in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder propagiert hatte: „Wir schauen nur auf uns selbst.“ Folglich wird Babbel – und vermutlich ist da auch ein kleines Stückchen Aberglaube mit im Spiel – sich um die Resultate der Konkurrenz nicht kümmern. „Ich weiß noch gar nicht, ob ich mir die Spiele überhaupt anschauen werde“, sagte der Coach. Wie bitte? Hertha ist am Sonnabend plötzlich wieder Bundesligist, und der Trainer bekommt es gar nicht mit? „Ich werde es dann mit Sicherheit schon irgendwie erfahren“, erklärte Babbel und lachte dabei.

Man ist entspannt bei Hertha BSC, ohne dabei die Konzentration zu verlieren. Sie würden mit Vorfreude auf das Spiel in Duisburg hinarbeiten, erklärte Pierre-Michael Lasogga: „Vielleicht ist dieses Spiel noch besonderer, weil wir so dicht davor stehen.“ Davor, wieder zum Kreis der 18 besten Fußball-Mannschaften Deutschlands zu gehören. So ist sich der Stürmer mit Blick auf die Mitbewerber durchaus bewusst, dass etwaige Patzer der Bochumer und Fürther „sicher den Druck von uns nehmen würden“.

Zehnminütige Ansprache

Wie als ob er noch mal die Sinne schärfen wollte, jetzt bloß nicht das Wesentliche – die eigene Leistung nämlich – aus dem Blick zu verlieren, hielt Trainer Babbel den Seinen vor Beginn des Trainings eine fast zehnminütige Ansprache. „Wir werden uns bis zum Schluss professionell verhalten“, versprach Mijatovic hernach. Und blickte schon über das Duisburg-Spiel hinaus: „Unabhängig vom Aufstieg will ich auch Zweitliga-Meister werden.“ Das sei noch einmal ein besonderes Gefühl. Der Kapitän, die Mannschaft, der Trainer – alle bei Hertha BSC wollen nicht nur einfach aufsteigen. Sie wollen als Klassenprimus in die erste Liga zurückkehren. Das machten alle am Mittwoch noch einmal deutlich. „Wir wollen die Zweitliga-Schale hochhalten“, sagte Lasogga. Jene Trophäe, die ein wenig despektierlich auch schon mal als Radkappe bezeichnet wird und die nun zum Symbol werden soll für Herthas Neustart in Liga eins. „Wir werden alles tun, damit wir nach dem letzten Spiel gegen Augsburg die Schale in den Händen halten – und nicht Augsburg“, sagte Babbel. Angesichts des Vier-Punkte-Vorsprungs auf die Schwaben soll es am 15. Mai im vollbesetzten Olympiastadion nicht mehr zum Showdown um Platz eins kommen. „Es wäre doch grausam, wenn wir dann zu Hause Augsburg den Vortritt lassen müssten“, so der Trainer weiter.

Doch so weit ist es noch nicht. Noch gilt die Aufmerksamkeit, ganz dem Babbel-Duktus folgend, erst dem nächsten Gegner aus Duisburg. Es war Fabian Lustenberger, der das Selbstvertrauen der Berliner in die eigene Stärke dokumentierte: „Wir haben die Qualität, um in Duisburg zu gewinnen und es selbst zu richten“, sagte der Mittelfeldspieler. Andre Mijatovic fügte hinzu: „Die Fans haben es verdient. Sie haben uns riesig unterstützt.“ Seinen Spaß hatte der Anhang von Hertha BSC jedenfalls schon am Mittwoch auf dem Schenckendorffplatz.