Hertha-Stürmer

Ramos – "Zweite Liga war kein verlorenes Jahr"

Herthas Adrian Ramos spricht über seine Erfahrungen in der Zweiten Liga, Kolumbien und WM-Träume. Dabei spricht er kurz und präzise. Eben genauso, wie sein Spiel auf dem Fußballfeld.

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Wer Adrian Ramos (25) zum Interview begegnet, trifft einen ebenso freundlichen wie höflichen jungen Mann. Der Torjäger von Zweitligist Hertha BSC absolviert nur selten Medien-Termine. Wie sein Spiel auf dem Feld ist die Redeweise des kolumbianischen Nationalspielers: keine Schnörkel, keine Ausschweifungen. Ramos spricht kurz und präzise. Vorab bittet er um eines: Über den Autounfall, den er Weihnachten in Cali hatte (ein Radfahrer wurde verletzt) will er nicht sprechen. Die Angelegenheit sei privat, aber alles sei in Ordnung. Rafael Roldão hat mit Ramos über Fußballgefühl und seine Saison mit Hertha in der Zweiten Liga gesprochen.

Morgenpost Online: Adrian, Sie hatten Bedenken, in der Zweiten Liga zu spielen. Jetzt ist die Saison fast vorbei. War es ein verlorenes Jahr?

Adrian Ramos: Es war kein verlorenes Jahr. Im Gegenteil: Es war eine neue, gute Erfahrung. In der Zweiten Liga wird weniger Fußball gespielt, aber mehr gelaufen. Manchmal gewinnt dann die Mannschaft, die körperlich stärker ist, jedoch nicht immer die, die besser Fußball spielen kann.

Morgenpost Online: Was war im vergangenen Sommer los?

Adrian Ramos: Es gab mehrere Klubs, die interessiert waren, am meisten Hoffenheim. Die haben auch mit mir gesprochen. Weil sich Hertha und Hoffenheim aber nicht geeinigt haben, konnte ich nicht in der ersten Liga bleiben. Nur, damit das klar ist: Ich mag Hertha BSC wirklich, aber ich wollte damals nicht Zweite Liga spielen. Doch jetzt bin ich wirklich zufrieden, dass ich geblieben bin. Wir sind auf einem guten Weg zurück in die Bundesliga.

Morgenpost Online: Sie haben die meisten Tore der Hertha-Spieler erzielt. Wie zufrieden sind Sie bisher mit dieser Saison?

Adrian Ramos: Ich hatte in dieser Saison gute und nicht so gute Spiele. Manchmal versuche ich gute Lösungen zu finden, aber es funktioniert nicht. In solchen Situationen muss ich einen kühlen Kopf bewahren und weiter arbeiten.

Morgenpost Online: Nach der Roten Karte in Paderborn im November haben Sie sechs Spiele lang kein Tor erzielt.

Adrian Ramos: Der Platzverweis war unfair, ich habe nicht verstanden, warum das so gekommen ist. Aber es ist auch eine Erfahrung, mit solchen Situationen umzugehen. Dass ich dann einige Spiele kein Tor geschossen habe, ist Zufall. Das hatte nichts mit der Roten Karte zu tun.

Morgenpost Online: Sind Sie im Moment auf Ihrem Topniveau?

Adrian Ramos: Es gibt Tage, an denen ich technisch nicht so gut bin. Dann versuche ich viel zu Laufen und für die Mannschaft zu arbeiten.

Morgenpost Online: Was ist Ihre Lieblingsposition?

Adrian Ramos: Ich habe die Nummer 9, aber ich muss nicht nur im Zentrum spielen. Ich kann verschiedene Positionen spielen: auch auf der linken Seite oder auf der rechten. Mein Job ist es, Tore zu schießen.

Morgenpost Online: Was sind Ihre Ziele mit der kolumbianischen Nationalmannschaft?

Adrian Ramos: Wir waren seit 1994 nicht mehr bei einer Weltmeisterschaft. Mein Ziel ist es, mit Kolumbien eine WM zu spielen. Wir haben eine gute Mannschaft mit vielen Spielern, die in Europa spielen. Wir haben gute Chancen.

Morgenpost Online: Wer sind Ihre Vorbilder?

Adrian Ramos: Ronaldo war einer der besten Spieler der Welt. Immer, wenn ich ihn gesehen habe, war Ronaldo stark. Das inspiriert mich.

Morgenpost Online: Und in Deutschland?

Adrian Ramos: Ich sage das jetzt nicht, weil er in meiner Mannschaft spielt: Ich finde, dass Raffael ein toller Spieler ist. Ich genieße es, mit ihm zu spielen.

Morgenpost Online: Wie gut sind Sie bei Hertha in der Mannschaft integriert?

Adrian Ramos: Ich verstehe mich mit allen Spielern und allen im Klub gut. Manchmal habe ich das Problem, dass ich nicht so viel verstehe. Das ist mit Raffael und Ronny anders. Wir kommen aus der gleichen Kultur, sprechen die gleiche Sprache, mit ihnen verstehe ich mich am besten.

Morgenpost Online: Die Fans sind manchmal erstaunt, weil Sie auf dem Spielfeld stets den gleichbleibenden Gesichtsausdruck haben. Man kann bei Ihnen keine Emotionen sehen.

Adrian Ramos: Ich bin immer konzentriert und ernsthaft, so bin ich. Ich bin glücklich, wenn wir gewinnen, und bin frustriert, wenn wir verlieren. Aber als Profi musst du Ruhe bewahren. Man muss im Fußball jeden Tag neu angehen.

Morgenpost Online: Genießen Sie das Leben hier in Deutschland?

Adrian Ramos: Es ist jetzt besser als zu der Zeit, als ich angekommen bin. Ich bin wirklich zufrieden hier. Aber nach wie vor habe ich Probleme mit der Sprache. Ich mache Deutsch-Unterricht. Auf dem Feld verstehe ich auch das meiste. Aber ich rede kaum, ich finde es schwer.

Morgenpost Online: Sind Sie manchmal einsam in Berlin?

Adrian Ramos: Das Wetter ist hier manchmal traurig. Ich versuche deshalb, nicht immer in derselben Routine zu leben, sondern den Tagesablauf abzuwechseln. Ich lebe hier mit meiner Frau und meiner Tochter Maria Paula. Meine Geschwister und Freunde besuchen mich regelmäßig. Aber ja, ich vermisse Kolumbien ein wenig.

Morgenpost Online: War das Leben in der Heimat einfacher?

Adrian Ramos: Das Leben dort ist ruhiger. Ich habe mehr Freunde. Und manchmal habe ich ganz andere Sachen gemacht. Etwa meinem Onkel geholfen, seinen Truck wieder zu reparieren.

Morgenpost Online: In Berlin, bei Union, spielt in John Jairo Mosquera ein weiterer Kolumbianer. Haben Sie Kontakt?

Adrian Ramos: Ich bin immer im Kontakt mit ihm. Wir sehen uns regelmäßig. Wir haben auch denselben Berater. Wir haben schon drüber gesprochen, ob wir nicht in einer Mannschaft spielen könnten.

Morgenpost Online: Wo sehen Sie Ihre Zukunft, bei Hertha oder möchten Sie wechseln?

Adrian Ramos: Ich will, dass wir die Saison als Aufsteiger in die Bundesliga beenden. Ich bin zufrieden bei Hertha.