Zweitliga-Topspiel

Herthas schwere Prüfung bei Bochums Serien-Tätern

Seit 15 Spielen hat der VfL Bochum nicht mehr verloren: Am Montag erwartet Hertha BSC – immerhin seit sieben Partien ohne Niederlage – also eine schwere Prüfung. Dabei treffen zwei unterschiedliche Spielsysteme aufeinander.

Foto: picture-alliance / Sven Simon

Mal gibt es zu viel davon, mal zu wenig. Manchmal hemmt sie, manchmal beflügelt sie – mit der Anspannung ist das so eine Sache. Deshalb haben die Verantwortlichen von Hertha BSC beschlossen, die übliche Routine bei Spielen am Montagabend zu durchbrechen. So wird der blau-weiße Reisetross nicht wie sonst am Sonntag aufbrechen und die Nacht vor dem Spiel eben nicht im Teamquartier verbringen. Stattdessen fliegen die Berliner erst am Spieltag, dem Montag, nach Düsseldorf und beziehen ein Tageshotel. Ehe es am Abend im Topspiel des 29. Spieltages der Zweiten Liga gegen den VfL Bochum geht (20.15 Uhr, Sport1 live).

"Bei den Montagsspielen gefällt mir diese endlose Rumhängerei im Hotel nicht. Da wird man nur träge", sagt Trainer Markus Babbel. Auch Manager Michael Preetz hat "lange Tage" ausgemacht, "in denen die Spannung abhanden kommt". Deshalb die späte Anreise per Flieger nach Düsseldorf, mit anschließendem Essen und Mittagspause am Spieltag. "In Fürth haben wir das genauso gemacht, deshalb nehmen wir das als gutes Omen", sagt Preetz. Am Ronhof vor vier Wochen hatte der Hauptstadt-Klub mit dem gleichen Reiseplan ebenfalls an einem Montag mit 2:0 gewonnen.

Im Übrigen findet Hertha, dass diesmal vor allem die Gastgeber in der Pflicht stehen. "Wir haben seit Saisonbeginn Druck, jedes Spiel ist für uns wichtig", sagt Manager Preetz. "Aber in diesem Fall hat Bochum Druck." Vier Punkte liegt der VfL hinter den Berlinern zurück. Bei nur noch sechs Partien bis zum Saisonende dürfen sich die Aufstiegsaspiranten keine Durststrecke erlauben.

Das Treffen der Bundesliga-Absteiger ist ein Gipfel der Serientäter. Hertha BSC, seit sieben Spielen unbesiegt, hat die Liga zuletzt über zehn Runden in Folge angeführt. Bochum trumpft trotz diverser durchschnittlicher Darbietungen mit der stolzen Reihe von 15 Partien ohne Niederlage auf. Ein Wert, den seit Einführung der eingleisigen Zweiten Liga 1981/82 nicht viele Mannschaften übertroffen haben. Dazu hat die Fahrstuhl-Mannschaft aus dem Revier quasi eine doppelte Aufstiegsgarantie: Sechsmal ist Bochum abgestiegen, jedes Mal gelang bisher prompt der unmittelbare Wiederaufstieg – eine einzigartige Serie im deutschen Profifußball.

Zudem steht mit Trainer Friedhelm Funkel (57) ein alter Bekannter an der Bochumer Seitenlinie. In Berlin ist Funkel mit seiner "Mission Klassenhalt" eklatant gescheitert. Nach neun Monaten unter seiner Leitung stieg Hertha im Sommer 2010 abgeschlagen als Bundesliga-Letzter ab. Doch Zweite Liga kann Funkel. Fünf Mal hat er dort einen Klub übernommen – und ist jedes Mal direkt aufgestiegen.

Für die meisten Fans in Berlin ist der Routinier ob der teilweise mutlosen Hertha-Vorstellungen während seiner Ägide ein rotes Tuch. Stellvertretend sei hier nur der Berliner Kurier zitiert. Der hatte in der Hinserie getitelt: "Funkel: Das Grauen kehrt zurück". Die Hertha-Verantwortlichen indessen reden nur positiv über den Abstiegstrainer. Manager Preetz sagt: "Es ist kein Geheimnis, dass wir ein gutes Verhältnis haben. Aber das zählt am Montag nicht." Hertha-Trainer Babbel sagt über den Kollegen: "Ich schätze Friedhelm und rede gerne mit ihm. Er verfügt über Sachverstand und ist zudem ein guter Typ."

So nimmt es nicht Wunder, dass auch aus Bochum im Vorfeld des Spitzenspiels nur freundliche Töne zu vernehmen sind. Funkel sagte auf der Pressekonferenz des VfL: "Hertha hat sich seit dem Hinspiel weiterentwickelt. Sie ist die konstanteste Mannschaft in dieser Saison und diejenige, die am häufigsten an der Tabellenspitze zu finden war. Sie sind der Topfavorit auf den Aufstieg und füllen diese Rolle sehr gut aus."

Bleibt die Frage nach der Taktik: Trotz 17 Siegen (bei 28 Spielen) geht Bochum seine Partien meist defensiv an. Hertha kommt zwar mit der stärksten Offensive der Liga (18 Siege/57 Tore), aber Babbel sagt mit Blick auf den Vier-Punkte-Vorsprung: "Wir müssen dort kein Offensivfeuerwerk abbrennen."

Und von wegen Serientäter: Bochum hat sechs seiner sieben Montags-Spiele gewonnen. Die Berliner sind nicht beeindruckt. Die einzige Niederlage, der Leser ahnt es, datiert vom Hinrunden-Auftritt des VfL im Olympiastadion. Da setzte es bei Hertha ein 0:2.

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