Benefizspiel

Sogar Türkiyemspor bringt Hertha in Bedrängnis

Hertha BSC hat das Benefizspiel gegen Türkiyemspor nur knapp gewonnen. Der Tabellen-Letzte der Bundesliga siegte im Friedrich- Ludwig-Jahn-Sportpark gerade mal mit 3:2 - gegen den Siebten der viertklassigen Regionalliga. Die Partie zeigt, wie dringend Hertha neues Personal nötig hat.

Der Zweck war gut, also wurde wieder Fußball gespielt. Aber obwohl weder Hertha BSC und schon gar nicht Türkiyemspor in direkter Beziehung zu Robert Enke standen, lastete auch auf dem Jahn-Sportpark diese bleierne Schwere, die der freiwillige Tod des Nationaltorhüters vor fünf Tagen über das Land gelegt hat.

Schon viel früher hatten sich Bundes- und Regionalligist zu einem Freundschaftsspiel zu Gunsten des „Dialyse-Kinder Berlin e.V.“ verabredet, und unausgesprochen hätte die seltene Begegnung der zwei so unterschiedlichen Hauptstadt-Klubs auch der Völkerverständigung dienen sollen – allein, es mochten gerade einmal 439 Zahlende Deutschen und Türken (neben vielen anderen Nationen) beim Kicken zusehen und nebenbei das Spendenkonto füllen. Mit Blick auf diesen enttäuschenden Zuschauerzuspruch legte Geschäftsführer Michael Preetz auf die rund 5000 Euro Einnahme von Hertha noch einmal denselben Betrag drauf.

Der Anlass hätte das Ergebnis zur Nebensache machen können. Hätte – wenn Hertha nur standesgemäß gewonnen hätte. Doch der Tabellenletzte der Bundesliga muss sich dieser Tage noch gegen den Siebten der viertklassigen Regionalliga zum Sieg quälen. 3:2 (1:0) lautete der Endstand, doch Cotrainer Christoph John unternahm erst gar nicht den Versuch irgendwelcher Beschönigungen. „Wir haben uns das hier sicher leichter vorgestellt“, sagte er, „aber zurzeit sind wir selber unser größter Gegner. Nach dem frühen 1:0 (Raffael/5. – d.R.) haben wir nachgelassen und nur mit etwas Glück das Spiel in der Schlussphase noch gedreht. Wir können nicht zufrieden sein.“ Jungprofi Sascha Bigalke und Amateurspieler Dennis Rommel verhinderten mit Toren in der 88. und 89. Minute noch die restlose Blamage.

John vertrat Cheftrainer Friedhelm Funkel, der den Tag lieber zur Spielbeobachtung im Ausland nutzte. Niemand bei Hertha dementierte, dass es sich dabei um eines der WM-Play-off-Spiele gehandelt haben könnte, wo beispielsweise mit dem Leverkusener Theofanis Gekas (Griechenland) ein Stürmer aktiv war, auf den das Berliner Anforderungsprofil (bundesligaerfahren, deutschsprachig) vollauf zutrifft.

Verstärkung dringend nötig

Wie dringend Hertha neues Personal nötig hat, verdeutlichte sogar die Partie. Dass neben diversen auf Reisen befindlichen Nationalspielern auch Artur Wichniarek und Nemanja Pejcinovic wegen Rückenproblemen nicht zur Verfügung standen, genügt nur bedingt als Ausrede. Zu Spielbeginn standen neun Herthaner auf dem Platz, die in dieser Saison schon im Profikader zum Einsatz kamen, darunter gestandene Akteure wie Patrick Ebert, Cicero und Raffael.

Diese drei kombinierten sich sogleich auch gefällig zur frühen Führung. Es wurde nun aber mitnichten eine lockere Angelegenheit, im Gegenteil. Türkiyemspor riss Ball und Spiel an sich; nach 32 Minuten traf Hennig Lichte die Latte, in der 65. und 72. Minute der bei Hertha ausgebildete Marcus Steinwarth nacheinander zu Ausgleich und Führung des Außenseiters.

Assistent John wird sich schwer tun, seinem Vorgesetzten nach dessen Rückkehr aus Berlin von Reservisten zu berichten, die sich vehement für eine Status-Verbesserung beworben hätten. Einziger Lichtblick war noch Sascha Bigalke, der für Raffael (Schlag auf die Achillessehne) eingewechselt wurde. Der kleine Techniker traf sogleich die Latte (60.) und erarbeitete sich schon vor seinem Tor einige gute Gelegenheiten.

Den Sieg besorgte dann Rommel, ein 22-Jähriger, der aus der Ferne an Josip Simunic erinnert, aber nachweislich Stürmer ist...