Hertha BSC

Raffael und Ronny nehmen Deutsch-Unterricht

In dieser Saison spielen die Brüder Raffael und Ronny erstmals bei einem Verein - bei Hertha BSC in Berlin. Mit Morgenpost Online sprachen sie über Sprach- und Gewichtsprobleme, Heimweh und das Interesse von Borussia Dortmund.

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Seit dieser Saison spielen die brasilianischen Brüder Ronny (24) und Raffael, der am Montag seinen 26. Geburtstag feiert, gemeinsam für Hertha BSC. Für denselben Verein kicken – das haben sie vorher noch nie getan. Es war ein triftiger Grund für den Älteren, trotz des Abstiegs aus der Bundesliga in Berlin zu bleiben, dass Hertha Ronny aus Lissabon in die Zweite Liga lockte. Nun haben beide ihren Anteil daran, dass ihr Klub auf bestem Wege ist, in die Erstklassigkeit zurückzukehren. Über ihr Leben in Deutschland, wie sie sich verständlich machen, wie es ihnen in Berlin ergeht und woran sie sich erst gewöhnen mussten, darüber unterhielten sie sich mit ihrem Landsmann und Morgenpost-Online-Mitarbeiter Rafael Roldão. Er ist Journalist von „O Globo“ aus Rio de Janeiro, der größten Zeitung Brasiliens, und im Rahmen eines Stipendiums derzeit bei Axel Springer beschäftigt.

Morgenpost Online: Raffael, Sie sind seit gut drei Jahren in Deutschland. Davor spielten Sie in der Schweiz. Wie ist es um Ihre Deutsch-Kenntnisse bestellt?

Raffael: Grundsätzlich ist es kein Problem für mich hier in Deutschland. Ich bin hier ganz gut angekommen. Mit der Sprache ist es ist allerdings immer noch schwer. Aber ich versuche deshalb, Interviews auf Deutsch zu geben. Mein Bruder und ich haben zweimal pro Woche Deutsch-Unterricht.

Morgenpost Online: Ronny, und für Sie?

Ronny: Ich war zwei Jahre in Portugal, das war natürlich einfach für mich. In Deutschland ist es etwas anderes. Ich kann die Sprache nicht. Ich kann nur eine Cola bestellen und ‚alles klar’ sagen. Deshalb haben nach dem Training Adrian Ramos, Raffa und ich Sprach-Unterricht, damit sich das ändert.

Morgenpost Online: Wie gefällt Ihnen das deutsche Essen?

Raffael: Ich habe eine brasilianische Hilfe im Haushalt, die uns täglich Gerichte mit Reis und Bohnen kocht. Ich bin glücklich hier in Berlin. Ich lebe mit meiner Frau zusammen. Wir kennen uns schon, seit wir 14 Jahre alt waren. Ich verbringe viel Zeit mit meinem Bruder Ronny und unseren Familien. Aber ganz ehrlich: Ich vermisse Brasilien.

Ronny: Ich hatte am Anfang in Berlin Probleme mit meiner Figur. Ich achte seither darauf, in Balance zu essen. Gute Qualität, aber nicht zu viel.

Morgenpost Online: Wie empfinden Sie das Zusammenleben mit den Deutschen?

Raffael: Die Leute sind etwas distanzierter als bei uns in Brasilien. Nur im Klub, bei Hertha, ist es natürlich ganz anders. Da kann ich mit jedem reden und Spaß haben. Es war einfach, mich hier zu integrieren. Es gab mit Mineiro, Gilberto, Andre Lima und Kaka mehrere Landsleute, als ich zu Hertha wechselte. Jetzt sind als Brasilianer nur noch mein Bruder und ich hier.

Morgenpost Online: Ist das mit der deutschen Pünktlichkeit wirklich so schlimm?

Raffael: Am Anfang hatte ich damit Probleme. Verspätungen sind bei Hertha verboten. Pro Minute zu spät müssen wir 20 Euro Strafe in die Mannschaftskasse zahlen. Da lernst du schnell. Ich habe in Deutschland gelernt, pünktlich zu sein.

Morgenpost Online: Zwei Brasilianer in einer deutschen Mannschaft: Wie ist Ronny bei Hertha gelandet?

Raffael: Seit Januar 2008, seit ich hier bin, habe ich den Hertha-Verantwortlichen immer wieder von den Qualitäten meines Bruders vorgeschwärmt. Es hat wegen seines Vertrages mit Sporting Lissabon etwas gedauert, aber im Sommer hat es geklappt. Auf dem Feld ist es ein gutes Gefühl für mich, ihn in meiner Nähe zu haben. Wenn ich links schaue, weiß ich, dass mein Bruder da ist. Als wir Kinder waren, war das anders: Da haben wir nur gegeneinander gespielt – und keiner wollte verlieren.

Ronny: Als das Angebot von Hertha kam, habe ich sofort entschieden, es anzunehmen. Das ist unser Familien-Traum: mit meinem Bruder zu spielen.

Morgenpost Online: Wie sind Sie von Ihren neuen Mannschaftskollegen aufgenommen worden?

Ronny: Gut. Mein Bruder hat mir viel geholfen. Ich wohne in unmittelbarer Nähe zum Trainingsgelände mit meiner Frau und Tochter. Die Strukturen bei Hertha sind perfekt. Ich möchte gern länger in Europa bleiben.

Morgenpost Online: Wie kommt es, dass Sie beide bei Hertha manchmal auf der Bank sitzen? Und wie kommen Sie damit klar?

Raffael: Ja, ich habe zuletzt mal auf der Bank gesessen, aber ich bin glücklich. Weil wir schon gute Spiele in der Zweiten Liga gemacht haben. Und weil ich mit meinem Bruder Ronny spiele.

Ronny: Hm, die Bank: Wie jeder Fußballer will ich immer spielen. Aber ich weiß, dass ich in der Woche viel arbeiten muss, um am Wochenende zu spielen. Das entscheidet der Trainer.

Morgenpost Online: Wie ist das Verhältnis zu Trainer Markus Babbel?

Raffael: Wir haben eine gute Beziehung. Er war selbst Spieler und weiß, was auf dem Feld passiert. Manchmal verstehe ich seine bayrische Aussprache nicht richtig. Aber ich verstehe seine Arbeitsphilosophie. Grundsätzlich gibt es große Unterschiede zwischen brasilianischen und deutschen Trainern. Mir fehlt manchmal, dass wir hier so selten elf gegen elf im Training spielen. In Brasilien haben wir das eigentlich bei jedem Training gemacht.

Morgenpost Online: Wenn Sie es sich aussuchen könnten: Auf welcher Position möchten Sie am liebsten eingesetzt werden?

Raffael: Meine Lieblingsposition ist es, als zweiter Stürmer zu spielen. In der vergangenen Saison, als der Trainer gewechselt wurde, hat mich Friedhelm Funkel im Mittelfeld eingesetzt. Trainer Babbel setzt mich jetzt auf der Doppel-Sechs vor der Abwehr ein. Ich finde, dass das schon ganz gut geht.

Ronny: Ich spiele, wo mich der Trainer aufstellt. Ich habe schon fast alle Positionen gespielt. Am liebsten bin ich Stürmer. Mein Traum wäre ein Angriff Raffael/Ronny (lacht).

Morgenpost Online: Denken Sie auch darüber nach, Deutsche zu werden?

Raffael: Im Moment nicht. Aber es ist vielleicht eine Möglichkeit für die Zukunft. Falls der deutsche Nationaltrainer sich für mich interessieren sollte, würde ich nachdenken. Aber irgendwie möchte man als Brasilianer doch am liebsten für die Selecao spielen.

Ronny: Ich weiß nicht, ob das bei mir geht. Ich habe schon bei der U17 Selecao gespielt. Für mich ist es in der Selecao einfacher als für meinen Bruder. Im Mittelfeld gibt es viel mehr Konkurrenz als bei den linken Außenverteidigern.

Morgenpost Online: Ronny, wie lange bleiben Sie hier in Berlin?

Ronny: Wenn ich bei einem Klub bin, will ich immer den Vertrag erfüllen. Ich will lange hier bleiben. Ich weiß, dass es ein langer Weg ist, aber ich möchte mit Hertha Meister werden.

Morgenpost Online: Raffael, ist es für Sie ein Gedanke, Hertha mal zu verlassen?

Raffael: Derzeit nicht. Als Hertha im vergangenen Sommer abgestiegen war, gab es Interesse aus Dortmund, Köln, Leverkusen und von Sampdoria Genua. Aber ich bin aus zwei Gründen noch hier: Ich will mit Hertha wieder in die Bundesliga aufsteigen. Und, weil ich mit Ronny zusammenspielen kann.

Morgenpost Online: Was machen Sie, wenn Sie nicht Fußball spielen?

Ronny: Ich bin immer bei Raffa. Wir machen Barbecue. Mit meiner Tochter besuche ich gern den Zoo. Die Fans von Hertha sind toll. Ich werde oft auf der Straße angesprochen, leider verstehe ich meistens nichts.

Morgenpost Online: Wie groß ist der Druck, der in der Zweiten Liga auf Ihnen lastet?

Ronny: Klar gibt es Druck. Aber Hertha ist ein großer Verein in einer großen Stadt. Es ist normal, dass es Druck gibt. Ich finde das gut, weil es mich daran erinnert, dass wir unbedingt aufsteigen wollen.

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