1:1 in Ingolstadt

Hertha BSC mit nur zwei Torschüssen

Das Lasogga-Tor reichte nicht. Die Berliner leisteten sich zu viele Ballverluste, um ihrer Rolle als Favorit in Ingolstadt gerecht zu werden. "Ich hätte hier gern ein dreckiges 1:0 mitgenommen", sagte Trainer Babbel. Dabei hätte es schlimmer ausgehen können.

Zwanzig Minuten lagen zwischen Himmel und Hölle. Pierre-Michel Lasogga sah wie der Matchwinner für Hertha BSC aus. Mit seinem 1:0-Führungstreffer hatte der Youngster die Berliner auf die Siegerstraße geschossen (71.). Doch in Minute 84 verlor der 19-jährige Stürmer im eigenen Strafraum das entscheidende Kopfball-Duell gegen Marvin Matip. Wuchtig köpfte der Ingolstädter Verteidiger zum Ausgleich ein.

Somit musste sich der Spitzenreiter der Zweiten Liga nach fünf Auswärtssiegen in Folge beim FC Ingolstadt mit einem 1:1 (0:0) begnügen. Hertha liegt mit 57 Punkten vor den Verfolgern aus Augsburg (51), Bochum (49) und Aue (47) und Fürth (46), die an diesem Wochenende alle noch spielen werden.

Die Tonlage nach dem fünften Unentschieden der Saison gab Trainer Markus Babbel vor: „Ich hätte hier gern ein dreckiges 1:0 mitgenommen. Aber wir hatten den Sieg nicht verdient. Wir waren nicht im Spiel. Das Unentschieden ist gerecht. Das muss man auch mal akzeptieren.“

Sehr verhalten war der Hauptstadt-Klub in die Partie bei den Oberbayern gegangen. Die Gastgeber boten wahrlich nichts Besonders. Viel Einsatz, eine hohe Laufbereitschaft – was man so macht als Außenseiter. Doch im Unterschied zum 2:0 vom Wochenbeginn in Fürth tat sich Hertha schwer. „Vielleicht waren wir zu sicher nach dem schwierigen Spiel am Montag“ (Babbel). Die Aufstellung war die erwartete: Christoph Janker spielte eine sehr unauffällige Partie als Vertreter des Gelb-gesperrten rechten Außenverteidigers Christian Lell. Raffael hatte in der Doppel-Sechs die Position von Peter Niemeyer (Gelb-Sperre) eingenommen.

Der Brasilianer war neben Torwart Maikel Aerts der beste Berliner – er scheiterte vor allem an den Kollegen, die sich serienweise leichte Ballverluste leisteten.

Den hoch gewetteten Gästen gelang in der ersten Hälfte nur ein gefährlicher Angriff. Da setzte sich Adrian Ramos in seiner besten Aktion auf der linken Seite durch, seine scharfe Eingabe verpasste Lasogga in der Mitte nur knapp (40.). Dann kam es zu einer kniffligen Szene am Hertha-Strafraum.

Raffael trifft den Außenpfosten

Linksverteidiger Ronny ging etwas ungeschickt zum Ball, der Gegenspieler fiel. Selbst in der Zeitlupe im Fernsehen war nicht zu erkennen, ob die Aktion innerhalb oder außerhalb des Strafraums stattfand. Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) hingegen hatte sich sofort entschieden – Strafstoß. Zum Glück für Hertha gelang Maikel Aerts das, was dem Torwart solange nicht mehr gelungen war – eine entscheidende Parade. Aerts fischte den von Stefan Leitl halbhoch getretenen Elfmeter aus dem linken Eck, es stand weiter 0:0.

Nach der Pause hielt Hertha die Gastgeber zunächst deutlich besser vom eigenen Tor weg. Es dauerte aber erneut bis zur 65. Minute, ehe Raffael im Doppelpass mit Rukavytsya sich frei vor das FC-Tor durchgespielt hatte – und den Ball an den rechten Außenpfosten schob.

Es folgte das goldene Händchen von Markus Babbel. Just hatte der Trainer vor den Augen von Frau Silke und seinen Kindern erstmals nach zwei Monaten Nico Schulz eingewechselt. Der 17-Jährige spurtete mehr pro forma einem verlorenen Ball Richtung Ingolstädter Toraus hinterher, als FC-Spieler Malte Metzelder auf dem feuchten Untergrund plötzlich ausrutschte.

Schulz zog vorbei, passte mit seinem ersten Ballkontakt an den ersten Pfosten, wo Lasogga (19) in klassischer Mittelstürmer-Manier den Ball aus vier Metern ins lange Eck bugsierte, 1:0 (71.). FC-Torwart Kirschstein war frustriert: Das war einer von nur zwei Schüssen, die in den gesamten 90 Minuten auf sein Tor kam, prompt musste er hinter sich greifen.

Es schien der Tag von Lasogga zu werden, der sich über seinen neunten Saison-Treffer freute. Dazu hatte am Nachmittag hatte Nationaltrainer Rainer Adrion den Hertha-Stürmer Herthaner erstmals in die U21-Nationalelf berufen.

Damit das Talent die Bodenhaftung nicht verliert, hatten die Fußball-Götter für Lasogga noch das Kapitel ‚Demut' bereitgestellt. Wegen des von Lasogga gegen Matip verlorenen Zweikampfs, musste sich Hertha am Ende mit einem 1:1 begnügen. „Das war mein Mann, aber ich bin geblockt worden“, ärgerte sich Lasogga. Er sagte, „dass die drei Punkte für Hertha viel wichtiger gewesen wären als das Thema U21.“

Sein Trainer haderte mit dem späten Ausgleich. „Pierre ist noch ein junger Spieler. Er muss lernen, dass er sich von so einem Klotz von Gegenspieler nicht wegschieben lässt, sondern den Laufweg zustellt“, sagte Babbel. Seiner Tochter Siena war es egal, sie herzte den Papa nach dem Schlusspfiff. Manager Michael Preetz ordnete den 27. Spieltag so ein: „Wir hatten hier nicht mehr verdient als einen Punkt. Aber wenn ich das Spiel in Fürth mitrechne, sind vier Zähler aus der bayrischen Woche durchaus in Ordnung.“

Hertha hat nun zwei Woche Länderspiel-Pause, ehe am 3. April der Saison-Endspurt für die Mission Wiederaufstieg mit den letzten sieben Spielen beginnt. Erster Gegner im Olympiastadion ist am 3. April der SC Paderborn.

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