Bundesliga

Hertha spielt gegen Köln um Millionen

Beim Spiel gegen den 1. FC Köln am Samstag geht es für Hertha BSC um den Sieg, um Punkte, um einen Weg aus dem Bundesliga-Keller. Aber nicht nur: Es geht auch um Geld - die Mannschaft spielt um das Vertrauen bei Sponsoren. Und muss sich, um Neuzugänge möglich zu machen, von einer guten Seite zeigen.

Der Rahmen wird stattlich sein. Mehr als 50.000 Fans erwartet Hertha BSC zur Bundesliga-Partie gegen den 1. FC Köln im Olympiastadion (17.30 Uhr). Damit werden die Berliner am zwölften Spieltag eine Saison-Bestmarke aufstellen. Dabei treffen sich das Schlusslicht aus Berlin und der Liga-15. zum Duell der Enttäuschten.

Der Hauptstadt-Klub hat sich mit seinen nur vier Punkten in eine Situation hineinmanövriert, in der der Druck nun maximal ist. So wird aus der eigentlich normalen Punktpartie ein Millionen-Spiel. Vor diesem Spieltag betrug der Abstand auf die Nicht-Abstiegsplätze bereits fünf Zähler. Um den Anschluss an die Konkurrenz zu halten, zählt heute nur eines: ein Sieg. „Wir wollen unbedingt gewinnen“, sagt Trainer Friedhelm Funkel, „jedem Spieler ist die Brisanz bewusst“.

So kam nach der Abwärtsspirale der vergangenen Monate der Erfolg am Donnerstag in der Europa League in Heerenveen (3:2) gerade recht – drei Stürmer-Tore (Valeri Domovchiyski/2, Artur Wichniarek), der erste Sieg nach 70 Tagen. Doch bei der Frage, ob nun Euphorie in der Mannschaft herrsche, zuckt Trainer Funkel regelrecht zusammen. „Wieso das denn? Wir haben noch überhaupt nicht gewonnen.“ Der 1. FC Köln, wo im Umfeld ebenfalls Unruhe herrscht, tritt auswärts meist sehr defensiv an. „Wir werden offensiver spielen als in den letzten Heimspielen, aber wir müssen Geduld haben“, bereitet Funkel sein Team und die Zuschauer auf eine langwierige Aufgabe vor.

Es geht ums Überleben

Aber egal, ob Tore früh oder spät fallen, mit Blick auf anstehenden Ansetzungen bis Weihnachten sind die Heimbegegnungen gegen Köln und Eintracht Frankfurt am 29. November zwei Schlüsselspiele zum Überleben. Auch Herthas Chefetage braucht dringend einen Bundesliga-Sieg. Der letzte datiert vom 8. August (1:0 gegen Hannover). Die Führung um Präsident Werner Gegenbauer und Finanzchef Ingo Schiller bemüht sich mit Hochdruck darum, finanzielle Spielräume zu öffnen. Drei Millionen Euro sollen es werden, um in der Transferperiode im Januar zwei, drei Verstärkungen zu bezahlen. Der Rahmen erweitert sich, falls Hertha in der Europa League die K.o.-Runde erreicht.

Nur: Woher soll das Geld kommen? „Es wird keinen Investor geben, der eine große Summe auf den Tisch legt“, sagt Schiller. „Wir arbeiten an einer Lösung, in der viele Bausteine zusammengesetzt werden.“ Hertha spricht mit seinen Banken (Deutsche Bank, Deutsche Kreditbank, Landesbank Berlin), ob der Spielraum erweitert werden kann. Derzeit liegt die langfristige Kreditlinie bei 24 Millionen Euro. Der Klub spricht mit Sportfive. Für den Sportrechte-Vermarkter ist Hertha als Erstligist ungleich lukrativer zu vermarkten denn als Zweitligist. Ähnliches dürfte für das Interesse sämtlicher Sponsoren gelten.

Geld allein reicht Hertha nicht

Gleichwohl haben alle die gleiche Frage: Gibt es eine Sicherheit, dass das eingesetzte Geld tatsächlich zum Klassenerhalt führt? Die ehrliche Antwort lautet: Nein. Geld erhöht die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg, aber Sicherheiten gibt es nicht. Um überzeugend argumentieren zu können, brauchen Gegenbauer und Schiller eine sportliche Situation, in der Hertha auf keinen Fall abgeschlagen am Tabellenende dümpelt.

Ähnlich sieht es aus für Trainer Funkel und Manager Michael Preetz bei Verhandlungen mit potenziellen Neuen. Kein hochkarätiger Profi wird sich seinen Ruf ruinieren wollen, indem er zur Lachnummer der Liga wechselt und sehenden Auges absteigt. Dass Hertha mehr Qualität für alle Mannschaftsteile, besonders im Sturm und auf der Außenverteidigung benötigt, ist offensichtlich. Doch Funkel und Preetz brauchen eine realistische Perspektive, um werben zu können: Der Kandidat kann der Retter von Berlin werden, der Hertha in der Liga hält.

Nicht nur Mannschaft, Trainer und die Geschäftsführer brauchen gegen Köln einen Sieg: Auch Präsident Gegenbauer und seine acht Präsidiumskollegen werden auf der VIP-Tribüne des Olympiastadions sitzen und ganz fest die Daumen drücken. Am 30. November ist Mitgliederversammlung. Da wird heftig diskutiert werden, was mit Hertha los ist. Sollten die Berliner bis dahin zehn, elf Punkte haben, wird Präsident Gegenbauer vielleicht Gehör finden mit seiner Einschätzung „Hertha erlebt in der Nach-Hoeneß-Ära derzeit eine sportliche Delle“, die sich auswachsen wird.

Abwahlantrag gegen Gegenbauer

Ist die Punktzahl aber deutlich geringer, wird es schwer fallen, die erforderlichen Millionen zusammen zubekommen. Dann wird es Fragen geben: Sind Herthas Verantwortliche überfordert? Der Druck im Hertha-Kessel ist jetzt schon hoch. Wie die Morgenpost Online erfuhr, wurde bereits ein Antrag für die Mitgliederversammlung eingereicht.

Der Absender, der im Mai 2008 vergebens für das Präsidium kandidiert hatte, fordert die Abwahl des Präsidiums „wegen schlechter Politik“. Das gab es bisher noch nicht. Um angenommen zu werden, braucht der Antrag allerdings 75 Prozent der Stimmen. Die Mannschaft bestimmt also mit ihren Resultaten, wie die Zukunft von Hertha BSC aussieht – auf allen Ebenen.