Zweite Liga

Dardai tippt auf drei Hertha-Tore gegen Frankfurt

Herthas Rekordspieler Pal Dardai ist sich sicher, dass die Berliner wieder aufsteigen werden. Er weiß auch schon, zu welchem Zeitpunkt der Einzug ins Oberhaus feststeht. Doch vorher gilt es, am Freitag gegen Frankfurt zu punkten.

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Kurz vor dem Jahreswechsel wurde Pal Dardai (34) von Trainer Markus Babbel in die Regionalliga-Mannschaft von Hertha BSC geschickt. Doch natürlich spricht der Rekordspieler des Vereins (296 Einsätze) weiter regelmäßig mit den Profis und besucht auch jedes Heimspiel. Morgenpost Online sprach mit Dardai über die Situation des Klubs im Vorfeld der Partie am Freitag gegen FSV Frankfurt (18 Uhr). Dardai verteidigt Torwart Maikel Aerts und erklärt, warum er glaubt, dass sich ein Szenario wie im Aufstiegsjahr 1997 wiederholen kann.

Morgenpost Online: Herr Dardai, hat das 5:0 in Aachen Ihren Ärger über die beiden enttäuschenden Derbys gegen Union und Cottbus wettgemacht?

Pal Dardai: Die verlorenen Spiele taten schon weh. Aber wenn man einige Punkte Vorsprung hat, kann man sich so etwas leisten. (lacht) Die Niederlage gegen Union bleibt natürlich hängen. Aber so ist es im Fußball: Man kann nicht immer die perfekte Tagesform haben. Entscheidend ist die Tabelle. So wie sie jetzt ist, sollte sie am Ende der Saison sein.

Morgenpost Online: Glauben Sie daran?

Dardai: Ja. Hertha wird drei Spieltage vor Schluss als Aufsteiger feststehen. So wie damals, in der Saison 1996/97 unter Trainer Jürgen Röber. Auch die Mannschaft arbeitet sehr viel und hart, das kann ich sagen. Wenn dieser Aufwand belohnt wird, klappt es.

Morgenpost Online: Wer ist der stärkste Konkurrent im Aufstiegskampf?

Dardai: Ich denke, dass Augsburg mit uns aufsteigen wird. Bochum ist auch stark. Aber das ist eigentlich egal, mit den anderen beschäftige ich mich nicht. Ich schaue auf uns, und wir haben eine so große Qualität, sind so viel schneller als andere Mannschaften. Nicht umsonst haben wir 5:0 in Aachen und 6:2 in Karlsruhe gewonnen. So viele Tore schießen andere Zweitliga-Mannschaften in vier Wochen nicht.

Morgenpost Online: Warum tat sich Hertha in den Heimspielen zuletzt schwerer als auswärts?

Dardai: In ihren Stadien spielen die Gegner offensiver, das ist gut für uns. Wenn sie bei uns hinten drinnen stehen, ist es schwieriger.

Morgenpost Online: Wie lässt sich dagegen ankommen?

Dardai: Die Jungs müssen die Körpersprache und Spannung aus dem Aachen-Spiel in die nächste Partie retten. Wenn sie wieder so selbstbewusst und konzentriert auftreten, wird es keine Probleme geben. Ich lege mich fest: Wir sehen gegen Frankfurt drei Hertha-Tore.

Morgenpost Online: Ein anderes Thema waren zuletzt auch die Tore, die Hertha kassiert hat. Wie bewerten Sie die Diskussion um Torwart Maikel Aerts?

Dardai: Ich finde es nicht gut, dass sich die Zeitungen damit so viel beschäftigt haben. Über den Torwart sollte nur der Trainer urteilen. Ein Torwart liest auch Zeitungen, und so viel Kritik stärkt nicht gerade das Selbstvertrauen. Ich hoffe, dass Maikel das nicht zu sehr an sich ran lässt. Er ist erfahren genug, um gestärkt aus der Sache hervorzugehen.

Morgenpost Online: Aber Aerts hat zuletzt unbestritten einige Fehler gemacht.

Dardai: Sagen wir mal so: Das 5:0 in Aachen wird seiner Seele gut getan haben.

Morgenpost Online: Verstehen Sie, dass Herthas Spieler derzeit nicht mit der Presse sprechen, obwohl sie Tabellenführer sind?

Dardai: Eigentlich besteht der Umgang mit den Medien aus Nehmen und Geben. Aber diese Entscheidung der Spieler muss man jetzt akzeptieren.

Morgenpost Online: Sie haben sich immer gestellt, auch als Hertha abgeschlagen Tabellen-18. war.

Dardai: Ja, aber die Spieler haben derzeit ihre Gründe, nichts sagen zu wollen. Die Kritik an Aerts hat ihnen nicht gefallen. Vor allem, weil sie über so lange Zeit kam.

Morgenpost Online: Wie geht es mit Ihrem Trainerschein voran?

Dardai: Ich habe in Ungarn meine B-Lizenz gemacht, jetzt muss ich den Schiedsrichterschein machen. Danach hospitiere ich nach und nach bei allen Hertha-Jugendteams. Das ist eine gute Sache. Unser ehemaliger Trainer Lucien Favre hat mir immer gesagt: Pal, fangen Sie dort unten an! Das ist eine ganz wichtige Station.

Morgenpost Online: Er hat nach eineinhalb Jahren Arbeitslosigkeit jetzt bei Borussia Mönchengladbach eine neue Aufgabe gefunden. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Dardai: Ich habe ihm eine SMS geschrieben und viel Erfolg für den neuen Job gewünscht. Es ist aber nicht so, dass wir jede Woche telefonieren.