Zweite Liga

Hertha kann Cottbus wieder nicht besiegen

Im Derby verspielt Hertha BSCgegen Energie Cottbus eine Führung und kann am Ende über den verbliebenen Punkt noch froh sein. Wieder einmal machte Berlins Torwart Aerts keine gute Figur.

Das Déjà-vu ereilte die Fans von Hertha BSC beim Einmarsch beider Mannschaften. Da betraten die Sportskameraden von Energie Cottbus doch tatsächlich in knallroten Trikots den Rasen des Olympiastadions – weiße Rückennummern inklusive. Alles ganz genau so also, wie es sich auch zwei Wochen zuvor im Berliner Derby gegen den 1.FC Union zugetragen hatte – mit dem bekannten Ausgang einer schmerzlichen Niederlage für die blau-weißen Gastgeber.

Am Montag nun blieb ihnen immerhin ein solches Schicksal erspart. Doch auch das 2:2 (2:2) im sogenannten Berlin-Brandenburg-Derby ist als Unentschieden in einem Heimspiel gewiss kein Wunschresultat. Erst recht nicht angesichts der samt und sonders siegreichen Aufstiegs-Konkurrenz an diesem Wochenende.

Doch durfte, ja musste Hertha mit der Punkteteilung vor 40.134 Zuschauern zufrieden sein, denn es hätte den Spielverlauf gerade der zweiten Halbzeit doch erheblich konterkariert, hätte Peter Niemeyer eine Minute vor Schluss noch zum Sieg für Hertha getroffen. Und elf Spieltage vor Saisonende haben die Berliner als Tabellenführer noch immer zwei Punkte Vorsprung auf die nachfolgenden Teams.

„Das 2:2 ist weniger als erwartet, wir wollten gewinnen und so den alten Vorsprung wieder herstellen. Dafür war das aber einfach zu wenig“, sagte Hertha-Verteidiger Christian Lell und gestand: „Es war aber ein bisschen Angst spürbar.“ Doch auch die Cottbuser gaben sich nicht unbedingt überglücklich über das Resultat. Trainer Claus-Dieter Wollitz sagte: „Wenn du Unentscheiden spielst bei Hertha, bist du zufrieden. Aber wir hatten in der zweiten Hälfte mehr Spielanteile und den Mut, nur nicht den krönenden Torabschluss. Eigentlich wollten wir drei Punkte mitnehmen.“

Bei minus sieben Grad entwickelte sich lange Zeit kein rechter Spielfluss. Was aber weniger mit der Kälte zu tun hatte, als vielmehr mit zwei läuferisch engagierten und obendrein taktisch klugen Mannschaften, die sich gegenseitig eine sehr beherzte Form von Pressing aufzwangen. So fiel es schon auf, wenn Raffael nach einer Viertelstunde ein Mal mehr als ein paar Meter mit dem Ball marschierte – allein, er zögerte zu lange mit einem Abspiel.

Besser machte es vor den Augen ihrer Eltern Caetano und Fatima zwei Minuten später Bruder Ronny. Er initiierte das 1:0 für Hertha (17.). Auf Handzeichen von Pierre-Michel Lasogga spielte der Linksfuß dem Stürmer den Ball über 35 Meter hinweg präzise dorthin in den Strafraum, wohin Lasogga zwischen die Cottbuser Innenverteidiger gelaufen war. Im Rutschen vollendete der 19-Jährige aus kurzer Distanz zu seinem siebten Saisontor.

Energie war bis zu diesem Zeitpunkt offensiv noch überhaupt nicht in Erscheinung getreten. Doch was nun folgte, könnte unter der Überschrift „Die wilden acht Minuten des Maikel Aerts“ Eingang finden in Herthas Aufstiegschronik. Alles begann damit, dass Raffael nach 26 Minuten einen Eckstoß nicht verhindern konnte. Aus dieser ersten Cottbuser Torannäherung resultierte prompt das 1:1 durch Daniel Adlung. Levan Kobiashvili verlängerte den Ball in den Fünfmeterraum, wo er Roman Hubnik auf den Hinterkopf plumpste. In der folgenden Konfusion machte der am Rücken liegende Aerts zumindest eine unglückliche Figur.

Damit hatte Hertha auch im sechsten Spiel der Rückrunde wenigstens ein Gegentor kassiert – mal wieder nach einer Standardsituation. Und auch das 1:2 folgte nach einer Ecke. Erst recht bei diesem Gegentor patzte Herthas holländische Nummer eins erheblich.

1:0 geführt, jetzt 1:2 hinten – wieder also war es so wie schon gegen Union. Doch noch vor der Pause sorgte Abwehrspieler Hubnik mit dem 2:2 (40.) dafür, dass die trüben Gedanken nicht mit in die Kabine genommen werden mussten. Diesmal hatte Energie-Keeper Kirschbaum gepatzt, weil er beim Versuch der Abwehr eines auf ihn zusegelnden Freistoßes von Raffael in Freund und Feind (Ramos) gerauscht war. Hubnik stoppte den irrlichternden Ball mit dem Oberschenkel und beförderte ihn dann aus zehn Metern gleichermaßen gedankenschnell wie artistisch mit einem ganz langen Bein ins Netz.

Von der zweiten Halbzeit wird aus Berliner Sicht in positiver Hinsicht nur das Olympiastadion-Comeback von Patrick Ebert in Erinnerung bleiben, der nach 59 Minuten für Nikita Rukavytsya eingewechselt wurde. Der Rest war eine Demonstration von Cottbuser Stärke auf des Gegners Platz. Petersen hätte nach 62 Minuten treffen können, Jula drei Minuten später fast schon müssen. Die offenkundige Nervosität von Aerts übertrug sich auch auf seine Vorderleute. Raffael tauchte völlig ab, Adrian Ramos ebenso. Zum Glück war bald Schluss.

Schema: Hertha BSC Berlin - Energie Cottbus 2:2 (2:2)

Berlin: Aerts - Lell, Hubnik, Mijatovic, Lewan Kobiaschwilli - Niemeyer - Raffael - Rukavytsya (59. Ebert), Ronny (71. Lustenberger) - Lasogga (84. Friend), Ramos. - Trainer: Babbel

Cottbus: Kirschbaum - Bittroff, Hünemeier, Brzenska, Ziebig - Kruska, Kurth (85. Roger) - Shao (88. Reimerink), Adlung - Petersen (90.+1 S?sen), Jula. - Trainer: Wollitz

Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)

Tore: 1:0 Lasogga (16.), 1:1 Adlung (26.), 1:2 Hünemeier (35.), 2:2 Hubnik (40.)

Zuschauer: 40.134

Beste Spieler: Raffael, Lasogga - Adlung, Jula

Gelbe Karten: Lell (4), Niemeyer (8) - Adlung (7)

Torschüsse: 8:16

Ecken: 1:2

Ballbesitz: 53:47 Prozent

Fouls: 18:10

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