Zweite Liga

Kampf um Herthas rechtes Mittelfeld ist eröffnet

Nikita Rukavytsya muss im kommenden Spiel gegen Cottbus überzeugen. Denn seinem Rivale Patrick Ebert geht es wieder besser. Er droht ihm den Stammplatz abspenstig zu machen.

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Dieses Mal wird er ganz genau hinsehen. Damit ihm so ein blöder Fehler wie damals, Ende September, nicht noch einmal unterläuft. Damals, als Nikita Rukavytsya beim Blick auf den Termin- und Aufgabenplan in der Kabine von Hertha BSC irgendwie in der Spalte „Wochentag“ verrutscht sein muss – und prompt mit 45 Minuten Verspätung in jene Sitzung vor dem Spiel bei Energie Cottbus platzte, zu der die übrigen Kollegen pünktlich erschienen waren.

Das Malheur zog erhebliche Konsequenzen für Rukavytsya nach sich. Auch, um nicht erst einen allgemeinen Schlendrian in die Mission Wiederaufstieg einreißen zu lassen, reagierte Trainer Markus Babbel mit aller Härte. Er suspendierte den Mittelfeldspieler für die anstehende Partie, die den 23-Jährigen nicht die herbstliche Lausitz, sondern auf dem heimischen Sofa allenfalls die Vorzüge des Montagabend-Termins im deutschen Free-TV kennen lernen ließ.

Von Australien nach Berlin

Ehe der Gegner nun am Montag erneut Cottbus heißt, bewertet der Australier mit ukrainischen Wurzeln die Suspendierung im Blick zurück als „eines der härtesten Vorkommnisse in meiner Karriere“. Einer Karriere, die ihn von Down Under auf verschlungenen Pfaden via Enschede in Holland und den belgischen Provinzklub Roeselare ins große Berlin, „eine coole Stadt“, befördert hat.

Er ist gern hier und gern auch bei Hertha, wo er vielleicht sogar für ihn selbst ein wenig überraschend zum Stammspieler aufgestiegen ist. Und dementsprechend froh, dass die damalige Eskapade keine anhaltenden Verwerfungen erzeugt hat. Ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Trainer und eine Entschuldigung vor versammelter Mannschaft später war der Vorfall kein Thema für alle anderen mehr – aber Rukavytsya ist er bis heute eine Lehre geblieben. „Es war richtig vom Trainer, so zu entscheiden, ich hätte sorgfältiger sein müssen. Am meisten war ich von mir selbst enttäuscht, so schlampig gewesen zu sein.“

Der Plan zur Wiedergutmachung ist simpel. „Gegen Cottbus will ich so gut spielen, wie ich nur kann“, sagt Rukavytsya, der wie kein Zweiter für die Mannschaft Hertha BSC in dieser Saison steht: mal überragend gut, mal abenteuerlich schlecht; mal bis in die letzte Faser konzentriert und angespannt, mal schlafmützig bis dort hinaus. Und meist erfolgt der Übergang vom einen in den anderen Zustand auf dem Fußballfeld verblüffend nahtlos – auch damit steht Rukavytsya für sein Team als Ganzes.

Da kann der Vorsatz, so gut zu spielen, wie es nur geht, nicht schaden. Erst recht jetzt, da Kollege und Rivale Patrick Ebert (23) nach seinem Kreuzbandriss samt sechsmonatiger Wiederherstellungsphase noch nicht wieder ganz so weit ist, Rukavytsya schon gegen Cottbus aus der Stammelf verdrängen zu können. Doch der Kampf um den Platz rechts im Mittelfeld ist eröffnet, sagt Trainer Babbel: „Patrick ist eine zusätzliche Option, ich bin froh, dass er uns schon wieder so helfen kann.“ Besagtes „so“ waren bei Eberts Saisoneinstand in Karlsruhe zwei Torvorlagen bei gerade mal 18 Ballkontakten. Früher hätte Ebert sich dafür tagelang feiern lassen. Gestern nun, als die KSC-Sieger erstmals wieder trainierten, erklärte er das schöne Erlebnis bereits für „abgehakt“. Warum? „Weil es nur ein Spiel war, ein Kurzeinsatz. Ich will die Leistung aber über mehrere Spiele bestätigen.“ Nikita Rukavytsya darf das ruhig als Kampfansage auffassen.