Hertha-Präsidium

Werner Gegenbauer stellt sich zur Wiederwahl

999 Tage ist es heute her, dass die Mitglieder von Hertha BSC ein neues Präsidium gewählt haben. Zeit für eine Zwischenbilanz mit Präsident Werner Gegenbauer (60). Morgenpost Online sprach mit ihm über seine Zukunft, die Erfahrung Zweite Liga, ein neues Stadion und die Fans.

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Morgenpost Online: Ist das Fußball-Geschäft ungerecht?

Werner Gegenbauer: Weiß nicht. Vielleicht ist es auf lange Frist gerecht.

Morgenpost Online: Sie sind seit 2008 im Amt. Die erklärte Aufgabe des Präsidiums war, Hertha grundlegend umzubauen. 2009 hat Hertha um die Meisterschaft gespielt und sich vom damaligen Manager Dieter Hoeneß getrennt, 2010 ist Hertha in die Zweite Liga abgestiegen. Ob 2011 der Wiederaufstieg gelingt, ist offen. Das ist keine Erfolgsgeschichte.

Gegenbauer: Der Abstieg überschattet alles, was an Umgestaltung notwendig war. Trotzdem war die Notwendigkeit unausweichlich. Dieter Hoeneß wollte 2010 definitiv aufhören. Deshalb wollte das Präsidium einen aus unserer Sicht vernünftigen Übergang haben. Dafür stand Dieter Hoeneß nicht zur Verfügung. Also haben wir uns für eine Vertragsauflösung entschieden.

Morgenpost Online: Wie zufrieden sind Sie mit Umgestaltung der Nach-Hoeneß-Ära?

Gegenbauer: Der Abstieg hat es anfangs denen schwierig gemacht, die die Geschäfte führen. Ich bin heute sehr froh, dass die Umstände vollkommen andere sind und die Geschäftsführung um Michael Preetz und Ingo Schiller mit guter Politik – sportlich, finanziell oder auch sonst – Punkte sammelt und viel Zuspruch erhält.

Morgenpost Online: Es gab im Mai 2010 Diskussionen über Abwahlanträge gegen das Präsidium, am Ende sind die Mitglieder Ihnen mit großer Mehrheit gefolgt.

Gegenbauer: Die Mitglieder haben unseren Weg getragen, den Abstieg als Chance für einen Neuanfang zu versuchen. Wir haben immer gesagt: Es geht nur um den Aufstieg. Dazu sind wir bei dem Aufwand, den wir betreiben, verpflichtet.

Morgenpost Online: 1000 Tage im Amt, Sie dürfen eine Entscheidung der Hertha-Amtszeit ändern. Welche wählen Sie?

Gegenbauer: So viele Entscheidungen treffen wir gar nicht. Das operative Geschäft liegt in der Hand der Geschäftsführung. Michael Preetz und Ingo Schiller machen das gut. Ich will auch gar nicht auf eine einzelne Entscheidung gehen. Am Saisonende wissen wir, ob wir unser Ziel erreicht haben.

Morgenpost Online: Eine Seite Ihres Führungsstils besteht darin, relativ engen Kontakt zu den Trainern zu halten. Sie haben sich etwa sehr um Lucien Favre bemüht. Wie enttäuschend ist es, wenn eben jener Trainer via Pressekonferenz Fundamentalkritik am Verein losließ?

Gegenbauer: Gegenseitiger Respekt und Vertrauen sind natürlich wichtig. Es geht darum, in entscheidenden Situationen das Gefühl von Rückendeckung zu vermitteln. Darum bemühe ich mich. Was Favre angeht: Nach seiner Pressekonferenz im Adlon war das Thema abgehakt.

Morgenpost Online: Nach 15 Jahren Bundesliga, wie erleben Sie Hertha als Zweitligist?

Gegenbauer: Ich finde, dass der Verein enger zusammengerückt ist. Michael Preetz etwa hat es geschafft, alle Leistungsträger zu halten. Nicht qua Option, sondern die Spieler haben sich per Willenserklärung für Hertha entschieden. Das stärkt die Glaubwürdigkeit des Neuanfangs. Dazu die Verpflichtung von Trainer Markus Babbel, der ganz stark auf unseren Nachwuchs setzt. Und vor den Fans kann ich nur den Hut ziehen, wie überragend sie Hertha BSC unterstützen.

Morgenpost Online: Gesetzt den Fall, der Verein steigt auf. Was sind die Perspektiven für Hertha?

Gegenbauer: Wir wollen – wie jeder Aufsteiger – erst mal die Klasse halten. Dann Stück für Stück wieder ein etablierter Bundesligist werden. Bei Mitgliedern und Fans ist Realismus vorhanden. Den echten Herthanern ist bewusst, dass unser Ziel allein der Klassenerhalt sein kann. Das werden wir auch so kommunizieren.

Morgenpost Online: Auch ein echter Herthaner will in der Champions League spielen.

Gegenbauer: Es gibt Begleiterscheinungen, die von außen kommen: Berlin als einzige europäische Hauptstadt, wo niemand in der Champions League spielt. Ganz ehrlich: Das interessiert die Herthaner momentan nicht.

Morgenpost Online: Ist das in Berlin, wo die Emotionen so gern Achterbahn fahren, zu vermitteln?

Gegenbauer: Diese Stadt misst einen daran, was man als Ziel formuliert. Ich glaube nicht, dass Berlin ein Wolkenkuckucksheim vorgegaukelt haben möchte, für das man sich später entschuldigen muss, weil man es nicht bauen konnte.

Morgenpost Online: Stichwort Olympiastadion: Der Mietvertrag läuft 2017 aus. Wenn Hertha sich über ein neues Stadion Gedanken machen will, muss das jetzt langsam vorbereitet werden. Will Hertha ein eigenes Stadion?

Gegenbauer: Wir sind gut beraten, uns jetzt auf das Ziel Aufstieg zu konzentrieren. Für mich, für uns ist ein Stadion-Neubau kein Thema.

Morgenpost Online: Hertha hat von einem Mr. X berichtet, der dem Verein acht Millionen Euro zur Verfügung stellt. Ist der Vertrag unterzeichnet?

Gegenbauer: Nein, das wird so geschehen, wie angekündigt, Ende Februar.

Morgenpost Online: Verstehen Sie, dass man gern wissen will, wer dahinter steht?

Gegenbauer: Wenn die Konstruktion mit der Deutschen Fußball-Liga und Wirtschaftsprüfern abgeklärt ist, wenn ich versichere, dass die Leute deutsche Staatsbürger sind, die in Deutschland Steuern bezahlen, sage ich als Präsident: Der Vertrag hilft Hertha. Wer sich damit nicht zufrieden gibt, muss wissen: Dieser Vertrag kommt nicht zustande, wenn die Namen der Geldgeber öffentlich werden.

Morgenpost Online: Von Präsidiumskollegen gibt es Kritik an Ihrer Art der Amtsführung.

Gegenbauer: Dazu gibt es von mir keinen Kommentar. Nur so viel: Präsidiumssitzungen sind intern.

Morgenpost Online: Ihre Amtszeit endet 2012. Machen Sie weiter?

Gegenbauer: Wie es weitergeht, entscheiden die Mitglieder. Der sportliche Erfolg wird ein wesentlicher Punkt sein. Grundsätzlich ist es so: Wenn ich gesund bleibe und die Mitglieder wollen, kandidiere ich 2012 wieder für das Amt des Präsidenten.

Morgenpost Online: Was steht in Ihrem Terminkalender unter dem 15. Mai, dem letzten Spieltag der Saison?

Gegenbauer: (steht vom Besprechungstisch auf und holt vom Schreibtisch einen Din-A-5 großen Planer): Da haben wir Freunde aus Lenzerheide zu Besuch. Die habe ich am 15. zum Fußball eingeladen.